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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 2

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 1
Article
Einige neuere Erscheinungen zum biblischen, besonders zum prophetischen Schrifttum [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Kraetzschmar hatte für umfängliche Teile der ganzen Schrift nebeneinandergehende Rezensionen angenommen, um so eine Entlastung von Weitschweifigkeiten zu bewirken. Herrmann folgt diesem Verfahren im allgemeinen nicht. Ist es für die älteren Propheten nicht zweifelhaft, daß der Schwerpunkt ihres Wirkens in kurzen schlagwortartigen Aussprüchen beruht, deren literarische Formung und Umkleidung eher Späteren zukommen mag, so wird einem gelehrten Theologen wie Ezechiel selber eine weitgehende Redaktorentätigkeit anzusinnen sein, die wirklich gehaltene Reden mit späteren Konzeptionen zum gleichen Thema in einer abschließenden Bearbeitung verbindet. So nimmt H, wenigstens innerhalb der ersten drei von den vier Sammlungen, aus denen sich das ganze Buöh zusammensetzt (1—24, 25—32, 33—39, 40—48), je eine Anzahl größerer literarischer Einheiten an, welche die Komposition des ganzen Buches als ,,absichtsvoll, sinnvoll und gut“ erscheinen lassen. Für den letzten Teil begnügt sich der Verfasser mit einer nach den jeweiligen Inhalten der Stücke disponierten Einteilung. Daß die Klarheit des Buches hier, wo es sich um die Darlegung konkreter Tatbestände, nämlich ׳ die Pläne zum neuen Heiligtum, seine Einrichtung und den kultischen Betrieb handelt, sehr viel zu wünschen übrig läßt, hat wohl noch jeder Ausleger beklagt. H. will verschiedentlich anschlußlose Zusätze und ergänzende Nachträge feststellen. Aber er vermeidet ein endgültiges Urteil mit der richtigen Begründung, daß die abschließende Charakterisierung von 40—48, insbesondere der als Erweiterungen eines ursprünglichen Kerns anzusprechenden Stücke, keine interne Angelegenheit der Ezechiel-Kritik ist. Sie hängt vielmehr mit der Haltung zusammen, die man zum Verhältnis dieses Buches zu Inhalt und Entstehung der P.־Quelle des Pentateuchs einnimmt. Da.aber die quellenkritischen Probleme heute von neuem in Fluß gebracht sind und darum sichere Anhaltepunkte für die Stellung des Ezechiel zur israelitischen Kultusgeschichte fehlen, so erscheint hier wenigstens gegenwärtig Zurückhaltung besonders geboten. Für die vorsichtige Art von H.s kritischem Verfahren ist es ganz besonders bezeichnend, daß er zwar mit der Möglichkeit rechnet, in dem letzten Teil mannigfache Erweiterungen und Umarbeitungen von priesterlichen und theologischen Praktikern vorzufinden, die die gehandhabte Kult- Übung mit dem Namen des Propheten decken wollten, daß aber auch dieser Teil in seinem konstruktiven Aufriß und seinem Gehalt wesentlich als ein Werk des Ezechiel zu betrachten sei. ־ Das Gesamtbuch kommt so weitaus überwiegend auf die Rechnung des Namensträgers, der offenbar aus selbstveranstalteten Teil- Sammlungen und redaktioneller Weiterarbeit sein Werk gestaltet hat. Es verfiel freilich dem Schicksal, daß später noch andere Hände sich seiner bemächtigten, mannigfach in dem Text weiter herumarbeiteten und ihn vielfach ״verschmierten“. M. und G. sind so verschieden, daß man von zwei getrennten Rezensionen sprechen darf. —Die Einzelexegese, deren Ergebnis diese Feststellungen sind, bleibt sich bewußt, daß der gerade bei Ezechiel so oft hoffnungslos verderbte Text durch kühne Konjekturen nicht zu heilen ist. Das Eingeständnis des Nichtwissens steht da in der Tat besser an. Als eine Einzelheit sei die Auffassung der Gog-Prophetie besonders erwähnt, die im

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