Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Bücherschau Besprechungen, soweit nicht besonders gezeichnet, vom Herausgeber. Max Blatt, Eine Schicksalsfrage des jüdischen Volkes, Frankfurt a. M., Verlag M. A. Wahrmann, 1929, 28 S. M. Dienemann, Galuth, Morgenreihe sechste Schrift, Berlin, Philo-Verlag, 1929, 16 S. Samuel Grünherg, Die Rückwirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung auf die Heiligung des Sabbat, Berlin, Weltverband der Schomre Schabbös, 1929, 16 S. M. Steinhardt, Jüdische Zeit- und Streitfragen, Frankfurt a. M., J. Kauffmann Verlag, 111 S. Alfred Wiener, Juden und Araber in Palästina, Berlin, Philo-Verlag, 1930, 53 S. Fragen des Jüdischen Ekegesetzes, Stenographischer Bericht der Verhandlungen der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands zu Berlin am 22. Mai 1929, Frankfurt a. M., J. Kauffmann Verlag, 62 S. Die sechs hier zusammengestellten Schriften behandeln jüdische Zeitfragen von sehr verschiedenem Standpunkt aus, aber , doch in verwandter Richtung. Durch alle zieht sich, unbeschadet der sehr deutlichen Betonung des Standpunktes der Verfasser, doch ein Wille nach Verständigung mit dem Andersdenkenden, ein Gefühl der Verantwortung für das durch äußere Angriffe und innere Zersetzungserscheinungen bedrohte Judentum. Allerdings heben sich die Aufsätze Steinhardts, des bekannten Vorkämpfers der jüdischen Lehrerschaft und der jüdischen Schule, durch ihre Anfassungszeit aus den anderen Schriften heraus, da sie großenteils vor dem Kriege geschrieben sind. Aber gerade die Erinnerungen an manche jetzt überholte Polemik ist lehrreich, da sie den Wandel der Zeit erkennen läßt: so die Verteidigung der jüdischen Schule gegen einen einmütigen Beschluß der liberalen Jugend und die Begründung der Notwendigkeit des hebräischen Unterrichts gegen einen bekannten Schulmann, der heute (das hätte gesagt werden sollen!) zu den Mit- Streitern für eine gründliche jüdische Jugendbildung zählt. Persönlich dem Liberalismus zugetan, legt Steinhardt das Hauptgewicht auf die Vertretung der allen Spielarten gemeinsamen Werte. Andererseits tritt Max Blatt vom Standpunkte der organisierten Orthodoxie aus für die Zusammenarbeit der Agudas Jisroel mit dem Nationaljudentum ein; die Verhandlungen der liberalen Rabbiner lassen bei allem Verständnis für 'die Nöte, die insbesondere durch gewissenlose Ausnutzung mancher jüdischen Ehegesetze entstehen können, doch den Willen erkennen, die durch einen völligen Umstoß der Ehegesetze zweifellos bedrohte Einheit des Judentums aufrecht zu erhalten; Alfred Wiener, bekanntlich einer d$r Führer des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, gibt in anerkennenswerter Objektivität und Sachkunde Material zur Beurteilung der Konflikte in Palästina, aus welchen gerade der Anhänger des Aufbauwerkes viel lernen kann; Max Dienemann lehnt den national-jüdischen Klang des Galutbeg’riffes ab, ohne zu verkennen, welch tiefe Sehnsucht nach der palästinischen Heimat durch zahlreiche Midraschim geht; Samuel Grünberg sucht den Schwierigkeiten der Sabbatheiligung nicht durch verständnisloses Schelten und Predigen, sondern durch sorgfältige Vertiefung in die Wirtschaftslage der Gegenwart Rechnung zu tragen. So wecken denn diese Schriften die Hoffnung, daß sich trotz der selhstverständliehen Fortdauer des jüdischen Parteikampfes und trotz der sehr bedauerlichen Formen, die er gegen den Willen der besten Führer in allen Lagern manchmal annimmt, doch ein Wille zum Ganzen und ein Gefühl der Schicksalsgemeinschaft des gesamten Judentums durchsetzt. Ph. Fischer, Särospatak (Ungarn): Ueber den geistigen Nachlaß S. R. Hirschs זצ״ל, Frankfurt a. M., Sänger & Friedberg, 1929. 74 S. Die kleine Schrift des bekannten Hirschforschers gibt im wesentlichen eine Wiederholung der in den letzten Jahren im ״Israelit“ veröffentlichten Beiträge zur Würdigung der religionsphilosophischen Bedeutung des klassischen Vorkämpfers fürs thoratreue Judentum. Besonders lesenswert ist der Aufsatz ״Allzu scharf macht schartig“ (S. 58—74), in dem Fischer der Jugend Klarheit über den wahren Begriff und Wert des kulturfreundlichen Judentums, wie es S. R. Hirsch vertrat, gegeben bat, . , Jos. Hm.