Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Erez Israel in der Responsenliteratur des späteren Mittelalters
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 21)
- Language
- German
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64 Belli-Dia kann aber ihm täglich für seinen Bedarf von den Früchten geben und den Rest unter die Armen verteilen1. R. Salomo b. R. Simon Dur an wird angefragt, ob sich die in Palästina lebenden Juden nach dem babylonischen oder jerusalemischen Talmud richten sollen. Er meint, daß, falls es sich um eine Sache handelt, die vom Brauch abhängt, alles sich nach dem Brauch richtet. In allen anderen Dingen ist, falls es eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem babylonischen und dem jerusalemischen Talmud gibt, ersterer ausschlaggebend. Denn in allen Hochschulen in Palästina wird der babylonische Talmud gelernt. Die Dezisoren, Maimuni, der ganze Westen, Spanien, der Osten, Palästina und Babylon richten sich nach dem babylonischen Talmud. Er ist auch später als der jerusalemische redigiert worden usw.2. 6. Die Ueberführung von Toten nach Palästina• In den Responsen ist auch von der Ueberführung von Toten nach Palästina die Rede3, Der Sohar ist gegen, diesen Brauch, indem er den Vers ,,Und da kämet Ihr und verunreinigtet mein Land“ Jer 27 auf die Ueberführung von Toten nach Erez Israel bezieht4. Doch hat sich der Brauch weiter erhalten5. Nochmals: der aypa<po<z v6p.oz im Midrasch. Aus der Zuschrift eines sachkundigen Lesers ersehe ich, daß ich S. 441 des vorigen Jahrgangs meine Ansicht über die Lehre von der spontanen Gesetzes treue der Patriarchen nicht scharf genug gefaßt habe. Die Stelle des Tanna debe Eliahu S. 35 f., nach welcher Abraham die Thora ,,von selbst hielt, noch ehe sie gegeben war“, scheint mir zu besagen, daß Abraham die Thora noch nicht kannte, während er sie nach den anderen Midraschstellen ,,erlernt“, also gekannt hat. Den grundsätzlichen Unterschied, der darin liegt, hat Perles, Judaica (Cohen-Festschrift) 103 ff., an den sich die im vorigen Jahrgang besprochene Abhandlung ansehloß, verdienstlich und zutreffend beleuchtet; zweifelhaft ist mir nur, ob nicht trotz seiner Bedenken S. 104 auch in der Mischna Qidd. IV14 die Lehre von der Autonomie durchschimmert; doch das läßt sich nur in umfassenderer Darlegung wahrscheinlich machen. _ Heinemann. Zur ostjüdischen Geschichte. D1\ L. Lewin hat mein Werk כתבי הגאונים S. 181 des vorigen Jahrgangs besprochen. Nach seiner Ansicht befinden sich dort folgende Irrtümer: 1. S. 63 meines Buches sage ich, daß R. David Landau, Oberrabbiner von Dresden, in seiner Jugend Lehrer des R. Akiba Eger war. Hierzu bemerkt Lewin, daß dies nicht zutreffend sei, da die Biographen R. Akiba Egers davon nichts wüßten. Die Quelle für meine Behauptung sind die in meinem Besitz befindlichen handschriftlichen Responsen David Landaus, in denen er R. Akiba Eger immer seinen Schüler nennt und ihn mit ,,Du“ anredet. Auch in den an R. Sechaqa Mendel, Rabbiner in Inöwrazlaw (Hohensalza) gerichteten halachichen Antworten nennt er ihn Schüler und immer kommt das vertrauliche ,,Du“ vor. 2. S. 76 schrieb ich, daß R. Moses Jakob Löwenstamm um 1788 zum Rabbiner von Kleve ernannt wurde. Hierzu sagt Lewin, daß er noch im Jahre 1790 Rabbiner von Filehne war. Dies ist jedoch unrichtig. Denn als im Jahre 1788 R. Samuel Berenstein Reisei die Tochter Jakob M9seh Löwen- Stamms heiratete, schrieb sein Sohn Abraham Nachman ein in meinem Besitz befindliches, handschriftlich gebliebenes Hochzeitslied, worin er sich als Sohn 1 RGA. des RSbS Nr. 258. 2 Das. Nr. 251. 3 Vgl. RGA. des RDbS II 611, 732, 741; RGA. des R. Jakob Berab N. 38; RGA. des R. Samuel di Medina II (Joreh Deah) N. 103, RGA. des R. Josef b. Leb I 58. 4 Angeführt in RGA. des R. Jakob Berab a. a. O. Vgl. Sohar zu Lev 183 (ed. Amsterdam S. 72 b). 5 Vgl. Joreh De ah Kap. CCGLXIII N. 1, 2 und Kommentare — Ueber den Brauch Erde aus Palästina ins Grab zu geben — das.