Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Erez Israel in der Responsenliteratur des späteren Mittelalters
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 17)
- Language
- German
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60 nun seinen Schwur aufs bitterste; hätte er gewußt, so sagt er, daß seine Frau ihm nicht folgen wird, so hätte er nie geschworen1. 7. R. Nathan aus Ege r (1415) wandert nach Palästina aus, wo er auch begraben liegt2. 8. R. Hillel aus Erfurt(!. Hälfte des 15. Jhdt.). R. Hillel gelobte, nach Palästina zu fahren, unterwegs — in Wien — bereute er sein Gelübde und ließ es durch die dortigen Gelehrten auflösen3. 9. David Gans in Magdeburg, Schwiegersohn des David Frank, verläßt nach einem Streite mit seiner Frau das Haus in der Absicht, nach Palästina, wo seine Mutter wohnt, zu fahren. Unterwegs wird er getötet4. 10. R. M o s e s Mi n z (2. Hälfte des 15. Jhdts. Rabbiner in Deutschland und 1474 in Polen [Posen]). a) R. Juda fragt R. Moses Minz an, ob man demjenigen, der in der Not gelobte, nach Palästina auszuwandern und dann das Gelübde bereut, auflöst. Er selbst glaubt in seiner Jugend gehört zu haben, daß Autoritäten solche Gelübde aufzulösen pflegten unter der Bedingung, daß man den Betrag, der den Reisekosten gleichkommt, für wohltätige Zwecke spendet. R. Moses Minz meint auch, daß man, mit Rücksicht darauf, daß die Straßen unsicher sind und eine Reise nach Palästina mit Lebensgefahr verbunden ist, ein solches Gelübde auflösen kann (folgt die Erzählung von R. Hillel — oben Nr. 8 —, doch meint R. Mose, daß bei R. Hillel vielleicht ein anderes Moment maßgebend war: Die Gelehrten lösten das Gelübde auf, damit er in seine Heimat zurückkehre und dort das Thorastudium verbreite). Es ist auch üblich, den Betrag, der den Reisekosten gleichkommt, für wohltätige Zwecke zu spenden5. b) R. M os e s Mi n z schreibt einem Fragesteller in einem Responsum, daß er die Anfrage kurz beantworten muß, da er durch die Mizwah, nach Palästina zu fahren, mit den Vorbereitungen zur Reise beschäftigt ist. Auch habe er seine Bücher bereits verpackt6. 11. R. Jakob b. Simson (Rabbiner in Mestre und Gremona, 2. Hälfte des 15. Jhdts.) ist in Palästina begraben7. 12. R. Moses, der Vater des Autors des Leket Joscher, stirbt auf dem Wege nach Palästina. Als sein Sohn einmal in einem Schreiben des Todes des R. Moses gedachte, befahl ihm Isserlein hinzuzufügen, daß er auf dem Wege nach Palästina starb. Der Autor meint, dies sei geschehen, damit alle Welt erfahre, daß R. Moses in Ausübung einer heiligen Pflicht (בדבר מצרה) gestorben ist8. 18. R. Abraham aus Katzenellenbogen an R. Josef b. Moses (Autor des Leket Joscher, 15. Jahrhundert): Eine Frau gelobte beim Tode ihrer Tochter, nach Jerusalem zu fahren. Sie verschiebt aber jedesmal die Reise. So oft der Steuerbeamte zu ihr kommt, erklärt sie, sie werde nach Palästina reisen9. Sie hat aber R. Abraham ersucht, ihr das Gelübde aufzulösen. R. Abraham hat von ihr einen Betrag für wohltätige Zwecke verlangt10. 14. R. Meir b. Isaak Katzenellenbogen (Padua, 1538). Zwei Brüder gelobten im Jahre 1538 in der Haft, daß sie, falls sie befreit werden, nach Ablauf von zwei Jahren im Mai oder November nach Palästina 1 RGA. des R. Nissim Nr. 38 (ed. Metz S. 23). 2 Leket Joscher, ed. J. Freimann, I 9, Glosse 2. Vgl. auch Freimann in der Einleitung S. XLVI Nr. 109. 3 RGA. des R. Moses Minz Nr. 79 (ed. Lemberg S. 72). Vgl. auch Freimann a. a. 0. S. XXVI. 4 RGA. des R. Jakob Weil Nr. 9. Vgl. Freimann a. a. O. S. XXIV 29 5 RGA. des R. Moses Minz Nr. 79. 6 Das. Nr. 107. 7 Leket Joscher II 37. 8 Das. II 85. 9 רק תמיד כשצעדה גיבה המם צעקה לילך. War es hloß ein Ausruf der Verzweiflung oder waren Palästinafahrer vor* der Entrichtung der Steuer befreit? 10 Das. S. 25.