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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 1 · p. Seite 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 1
Article
Erez Israel in der Responsenliteratur des späteren Mittelalters
Date
1930-01-01
Page
Seite 58 (sequence 15)
Language
German
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58 denn, daß ein Unglück einem von ihnen zustoßen wird. In einem solchen Falle ist der zweite frei. In Palästina soll einer von ihnen für den Lebensunterhalt für beide und deren Familien sorgen, u. z. durch Handel oder durch Arbeit, während der zweite das Studium der Thora pflegen soll. Sollte aber der Verdienst nicht für beide ausreichen, so werden beide einer Beschäftigung־ nachgehen. Als die Zeit der Auswanderung kam, verkauften sie ihre alten Gegenstände und Einrichtungen und rüsteten sich zur Reise aus. Als sie aber ein Schiff in Gordova mieten wollten, das sie nach Sevilla bringen sollte, kam die Nachricht, daß im Aufträge des Papstes Schiffe von Portugal aufs Meer auf Raub gegen Juden und Ismaeliten ausgeschickt wurden1. Nichtsdestoweniger schenkten die diesem Gerücht keinen Glauben, und beide begaben sich nach Sevilla, um sich von der Richtigkeit jener Meldung zu überzeugen. Gepäck und Familien ließen sie in Gordova zurück. Ais sie nach Sevilla kamen, fanden sie kein Schiff, das sie nach מאלוגראה (Malaga? Mallorca?) oder Barcelona oder in einen anderen Ort bringen könnte, von wo sie die Reise nach Palästina unternehmen sollten. Da sprach R. Ghisldja zu R. Jakob: Kehre du nach Cordova zurück, ich aber bleibe in Sevilla und werde weiter nachfragen. Es geschah so. R. Chiskija brachte seine Familie und seine Bücher nach Sevilla, wo er seit damals wohnt. Ueber R. Jakob brach inzwischen viel Leid herein: 4 seiner Söhne starben, er glaubt, daß dies der Zögerung mit der Ausführung des Gelübdes zuzuschreiben ist2. R. Chiskija schrieb dem R. Jakob vor Purim einen Brief, er sei bereit, sein Gelübde zu erfüllen, d. h. die Reise anzutreten. Darauf erwiderte ihm R. Jakob, er, R. Chiskija, solle für ihn Lebensmittel besorgen, denn nach Purim werde er zu ihm mit seiner Familie kommen. Inzwischen verschlimmerte sich die Lage: Eine Reise von Gordova nach , Sevilla ist mit großer Gefahr verbunden. Diejenigen, welche auf den Landstraßen gehen, müssen Umwege machen und sich schwer bewaffnen. Nichtsdestoweniger war R. Jakob bereit zu fahren, doch seine Familie hielt ihn gegen seinen Willen zurück. R. Chiskija aber, in der Meinung, daß R. Jakob bald komme, mietete ein Schiff und verlud alles. Als er aber sah, daß R. Jakob nicht kam, zog er mit seiner Familie weg und ließ dem R. Jakob eine Nachricht zukommen, daß er jetzt überhaupt nicht mehr fahren wolle. Er müsse zunächst sein erstes Versprechen einlösen: Er habe noch, bevor er das Gelübde getan, nach Palästina zu fahren, geschworen, eine bestimmte Zeit Thora zu lernen. Nun wendet sich R. Jakob in seiner großen Verlegenheit an R. Ascher, was er machen solle. Er habe Angst, auch den fünften Sohn wegen seiner Sünde zu verlieren. Aus dem Brief geht hervor, daß R. Jakob und R. Ghisldja talmudisch gebildet waren3. R. Ascher meint, daß, da sie sich verpflichtet haben, zusammen zu reisen, so ist R. Jakob, nachdem R. Chiskija nicht geht, frei. Wenn er, R. J., dennoch nach Palästina fahre, so geschehe es freiwillig, da von einem Gelübde in diesem Falle nicht die Rede sein kann4. b) Jemand gelobte, nach Palästina zu fahren und tat gleichzeitig noch ein anderes Gelübde: Niemand solle ihm jenes Gelübde auflösen können. 1 דכשרציבד לשכור הספיגה מקורטובד, לאישבילייה באה השמועה לכו שהאכיות ממלכות פורטוקאל הולכים בים לשלול שלל ולבוז בז לכל ־הודי וישמעאל שימצאו בים במאמר האפיפיור. König in Portugal war damals Dionysius (1279—1325), unter dessen Regierung es aber den Juden nicht schlecht ging; vgl. über die Lage der Juden zu jener Zeit Grätz VII 169 und Kayserling, Geschichte der Juden in Portugal S. 18 ff. — Unter ,,Papst“ ist Johann XXII (1316—1334) gemeint. 2 Vgl. Sabbath 32b: בערן כדרים בנים מתים. 3 Zu R. Jakob b. Chananel vgl. Rabbinowitz, תולדות היהודים בארץ ישראל S. 45 und Alfred Freimann in Jahrbuch der jüd.-lit. Gesellschaft, Frankfurt a. M. 1918 (XII), S. 281. Nach Rabbinowitz a. a. O. soll R. Chiskija mit R. Chiskija aus Magdeburg identisch sein. Dies scheint aber nicht richtig zu sein : R. Chiskija aus Magdeburg, der in Deutschland lebte nnd Zeitgenosse und Korrespondent des R. Jechiel in Paris, R. Isaak Or Sarua (gest. um 1250), R. Abigedor Kohen Zedek und R. Meir Rothenburg war (vgl. Kohn, Mordechai b. Hillelin MGWJ 1878, S. 38 f.), w׳ar gewiß im Jahre 1321 nicht mehr am Leben. 4 EGA. des R. Ascher VIII!3,

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