Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Erez Israel in der Responsenliteratur des späteren Mittelalters
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 10)
- Language
- German
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53 Palästina eine Sünde begebt, wird man mehr bestraft, als wenn dies außerhalb Palästinas geschehen wäre. Denn der Ewige untersucht das Land immer, seine Augen sind beständig darauf gerichtet (Deut 112ו)• Es ist somit nicht gleich, wenn jemand sich im königlichen Palaste gegen den König auflehnt, wie wenn er es außerhalb des Palastes täte. Dies bedeutet auch der Vers ,,Es ist ein Land, das seine Bewohner verzehrt“ (Num 1332). Es heißt auch ,,Damit das Land auch euch nicht ausspeie, so wie es ausgespien hat das Volk, das vor euch war“ (Lev 1828). Denn es speit die Sünder aus. Dies bedeutet: ,,Daß sich eure Feinde darüber entsetzen sollen“ (Lev 2632). Selbst die Nichtjuden haben dort kein Glück, weil sie Sünder sind. Deswegen ist Palästina jetzt so verödet, es gibt darin keine einzige mit einer Mauer umgebene Stadt, wie es in anderen Ländern der Fall ist. Auf diejenigen, welche dorthin gehen, um dort ein leichtsinniges Leben zu führen und Streit zu stiften, bezieht sich der Bibelvers ״Und da kämet ihr und verunreinigtet mein Land“ (Jer 27). Für denjenigen aber, welcher dorthin in neiliger Absicht (לשם שמים) geht und sich dort in Heiligkeit und Reinheit aufführen will, hat der Lohn &eine Grenzen, vorausgesetzt, daß er die Möglichkeit hat, sich dort zu ernähren1. b) Ihr fragtet mich, ob man dort von den Grabesleiden befreit ist? Ich weiß es nicht. Ihr fragtet auch, warum die Amoräer nicht dorthin gegangen sind? Meine Antwort ist: Sie wären durch die Gewinnung des Lebensunterhalte? vom Studium der heiligen Schrift abgelenkt worden. Es heißt nämlich Erubin 47a, daß es erlaubt ist, seinen Lehrer za verlassen und in die Diaspora zu ziehen, um dort Thora zu lernen; es ist aber um so weniger erlaubt, von seinem Lehrer in der Diaspora wegzugehen, um sich nach Palästina zu begeben, geschweige das Studium der Thora zu vernachlässigen und für den Lebensunterhalt sorgen zu müssen. Ihr fragtet: Was soll bedeuten: ״Wer außerhalb Palästinas wohnt, hat gleichsam keinen Gott“? Dies gilt, weil die göttliche Majestät eigentlich in Palästina ist: Der (irdische) Thron gegenüber dem (himmlischen) Thron. Es heißt auch: ״Und sie beten nach ihrem Lande hin“ (II Cnr 638). ״Talpioth“ (Gant 44) d. i. ein Hügel (תל), zu dem sich alle (שכל פיות) wenden2. c) D11 fragtest, ob der Vater seinen Sohn bindern kann, nach Palästina auszuwandern? Da es doch eine Mizwah ist, nach Palästina zu ziehen, es stellt doch ״Ich bin der Ewige“ (Lev 194)3, so soll der Sohn dem Vater nicht gehorchen. Denn die Ehrung des Ewigen geht voran. Du fragtest auch, ob es eine Sünde ist, sich von der Frau, die nacn Palästina nicht mitfahren will, zu scheiden, damit der Mann fahren kann? Wenn es eine Sünde wäre, so hätten nicht die Weisen erlaubt, sich von der Frau zu scheiden, ohne ihr die Kethubah aus zu zahlen. Du fragtest auch, ob ich den Grund gehört hätte, warum die Großen der Zeit ihren Söhnen befohlen haben, aus Palästina wieder zu rück zu kehren? Es scheint mir, daß dies geschah, weil es dort niemanden gibt, der sich ihrer annimmt, man kann auch dort infolge der Nahrungssorgen das Thorastudium nicht pflegen. Weil nun dort das Tborastudium nicht gepflegt wird, sind die dortigen Juden in den Vorschriften nicht bewandert. So glaube ich gehört zu haben4. 3. R. R. Salomo b. Adreth (?) (Barcelona, geb. um 1235, gest. 1310). Du fragtest: Was soll bedeuten: ״Wer außerhalb Palästinas woimt, hat gleichsam keinen Gott“? Antwort: Palästina wird Erbteil Gottes genannt, wie es heißt (I Sam 26-,») ״Sie vertrieben mich vom Erbteil des Ewigen“. Er, gepriesen sei er, wird אלהי הארץ genannt, das bloß ihm und nicht den himmlischen Mächten untersteht, wie es bei den Heiden heißt ״Sie kennen nicht das Recht des אלהי הארץ“ (II Reg 1726). Daher werden die Götzen א^דיי נכד הארץ genannt. Es heißt ferner (Deut 1112) ״Die Augen des Ewigen sind immer darauf gerichtet“. Die Beobachtung der Gebote ist eigentlich nur im heiligen Lande möglich. Es gibt Gebote, die nur dort Geltung haben, wie 1 Taschbez Nr. 562. RGA. des MhRM, ed. Berlin, Nr. 15, S. 5. 2 Taschbez Nr. 564 f. und RGA. a. a. 0. Zu letzterer Stelle vgl. Bera choth 30a. 3 Vgl. dazu Jebamoth ob f. und B. Mezia 32a. 4 RGA. des MhRM, ed. Berlin, S. 187, Nr. 79. Vgl. noch das. S. 154, Nr. 28.