Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Erez Israel in der Responsenliteratur des späteren Mittelalters
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829967-2829969-2849340--49551-2849423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
zu fasten oder für wohltätige Zwecke zu spenden, sondern auch nach Palästina zu fahren1. Im 15. Jahrhundert taucht in der Responsenliteratur — vielleicht unter Einfluß der Kabbala — das Nasirgelübde auf. Bei verschiedenen Anlässen2 verpflichten sich Gebildete und Ungebildete3, Männer und Frauen4, auf Grund eines Nasirgelübdes, dies 1 Seit dem 13. Jahrhundert ist ans der Responsenliteratur bekannt, daß man gelobte, Gräber aufzusuchen. Der Brauch, Gräber aufzusuchen, um den Toten entweder um Verzeihung oder um Fürsprache zu bitten, ist alt. Vgl. Taanith 16a, Chagigah 22b.. Von Kaleb wird berichtet (Sotah 34b), daß er am Grabe der Erzväter gebetet. Aehnlich auch Jeremias (Thr. r. Pethicha 24). Vgl. noch Marmorstein in Zion II 22 f., Grätz VI2 278, Goldziher in MGWJ 1871 S. 309 und 1880 S. 355. Dieser Brauch ist bekanntlich bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben. Vgl. Tossafoth zu Taanith a. a. O. v. מכאן נוהגין בכל מקום לילך לבית הקברות בט״ב :יוצאין. Vgl. auch Schulchan Aruch Orach Chajim Kap. DLXXXI Nr. 4, Minhagim des Maharil Hilchoth Tischah be־Ab (ed. Gremona S. 43a), Hilchoth Taanith (S. 47a) und Hilchoth Rosch 11a־Schanah (S. 48a). Hier heißt es: ודרש שכל אדם ילך לבית הקברות להשתטח על קברי צדיקים ובערב ראש השנה ובמקום סבנה אין צורך. In der Tat hören wir auch sonst, daß die Juden im Mittelalter sich nicht immer wagten, infolge der Gefahr seitens der Nichtjuden, auf den Friedhof zu gehen. Vgl. dazu Krauss, Die Wiener Geserah, S. 15, wo es heißt: ,,So hören wir z. B., daß bei außerordentlichen Fast- und Traueranlässen, die wegen einer bevorstehenden Geserah angeordnet wurden, die Juden, wenn sie in Ausfluß der Trauer den Friedhof besuchten, dies nicht vollzählig taten, sondern nur geteilt, damit es den Christen nicht auffallend werde (Berliner in MGWJ XVIII 181 A. 2, ein Gedanke, der freilich in der Quelle, Leket Jos eher I 112, nicht enthalten ist).“ Er findet sich aber das. S. 115, wo es in bezug auf den Fasttag anläßlich der Einkerkerung in Bayern heißt: ואחר ׳יציאה מבית הכנסת ישבו טובי הקהל לדקדק אם יש מכשולות או עבירה בקהל לבטל ולתקן אותן וילכו לבית הקברות מקצת הקהל ולא כלו שלא יתמהו הנוי□. Neu aber ist, daß sowohl Männer, als auch Frauen geloben, diesen oder jenen Friedhof (oder auch ein bestimmtes Grab) aufzusuchen. Wir finden dies zuerst in einem Responsum des R. Chaim Paltiel תולעת (enthalten in den RGA. des R. Meir Rothenburg, ed. Lemberg Nr. 164, vgl. über R. Chaim meine Bemerkung in מנהגי מהרא״ק, ed. Ehrenreich S. XVI), der gegen diesen Brauch, der übrigens damals (13. Jahrhundert) stark verbreitet gewesen zu sein scheint, polemisiert. (Ein Gelübde ganz anderer Art ist das des R. Jona Gerundi und seiner Anhänger, die ׳gelobten, das Grab Maimunis aufzusuchen und ihn um Verzeihung zu bitten. Sendschreiben des R. Hillel aus Verona abgedruckt in Ta׳am Sekenim, Frankfurt a. M. 1854, S. 71 f., und Cbemda Genusa, Königsberg 1856, S. 19). Doch hat sich dieser Brauch in der Folgezeit weiter ausgebreitet. Vgl. RGA. des Maharil, ed. Krakau Nr. 117 f., Leket Joscher II 27 und 25, RGA. des R. Israel Bruna Nr. 244 (ed. Stettin, S. 100a) und die Glosse das., wo auf R. Joel Sirkes zu Joreh Deah Kap. 217 hingewiesen wird, der das oben zitierte Responsum des R. Chaim Paltiel erwähnt und bemerkt: שכבר החזיקו במנהג וה ואין למנוע. — Manche Besucher des heiligen Landes pflegten auch Listen der von ihnen aufgesuchten Gräber berühmter Männer anzufertigen. So z. B. der Franzose R. Samuel b. Simson (1210). Vgl. dazu Carmoly, Itineräires usw. S. 121 ff., Luncz in ,,Jerusalem“, 1. Bd., S. 71 ff., und Anm. 1, S. 220 ff., Steinschneider, das. 4. Bd., S. 443 ff., Grünhut, das. 7. Bd., S. 90 ff., Luncz im Palästina-Almanach 1899, S. 32, Kisch in MGWJ 1874, S. 125, Anm. 1. Vgl. noch Marmorstein in ,,Zion“ I (1926), S. 31 ff., Sukenik, das. II 108 ff. 2 Vgl. RGA. des R. David ibn Simra (רדב״ז) I 42, 133, 136, 161, 221, 314, 436, 506, 1196, 1350. RGA. des R. Moses Trani (מבי״ט) Nr. 44, 50, 61, 92, 98, 101, 104, 240, 320. 3 Vgl. z. B. RGA. des RDbS Nr. 42, 133. 4 Das. Nr. 2085 und RGA. des R. Moses Trani Nr. 45. Monatsschrift, 74. Jahrgang. 4