Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Erez Israel in der Responsenliteratur des späteren Mittelalters
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 4)
- Language
- German
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47 Ländern ausgewandert sind. 3. Schließlich — dies ist der Hauptpunkt — wenn die schlechte Lage der Juden der Grund für die Auswanderung gewesen wäre, so hätten auch Kaufleute und Kapitalisten aus wandern müssen. Es muß somit ein Ereignis gewesen sein, das speziell die Rabbiner in Frankreich betraf. Er glaubt daher, daß die Rabbiner sich zu einer Synode nach Palästina, wo Maimonides begraben liegt, begeben wollten, um über die Schriften Maimunis zu entscheiden. Daher wanderten nur Rabbiner aus. Zwei Gründe — so sagt er weiter1 sprechen für diese Annahme: 1. Der Umstand, daß die Rabbiner dort blieben und wahrscheinlich nie in ihre Heimat zurückkehrten. 2. Daß der König des Landes ihnen erlaubte Schulen und Synagogen zu bauen. Man kann — so meint er — annehmen, daß der König sie zurückhielt, indem er ihrer zu seinem Vorteil bedurfte. Aber auch gegen Krauss' Annahme läßt sich folgendes einwenden: 1. Hätten sich die Rabbiner in der Absicht nach Palästina begeben, um dort eine Synode abzuhalten, so hätte es sich gewiß bloß um einen vorübergehenden Aufenthalt in Palästina gehandelt. Sie hätten gewiß ihre Familien in Frankreich zurückgelassen, zu denen sie dann zurückkehren sollten. Aber gerade der Umstand, daß die Auswanderer in Palästina blieben, läßt darauf schließen, daß sie sich mit ihren Familien nach Palästina begaben, um dort dauernd zu wohnen. Nach dem Ausdruck: ״Und der König ehrte sie.sehr“ ist schwer anzunehmen, daß die Gelehrten gegen ihren Willen zurückgehalten wurden. 2. Wenn es sich um eine Synode gehandelt hätte, so hätten auch spanische Gelehrte, die nicht minder am Streite um die Schriften Maimunis teilnahmen, auswandern müssen. In Schebet Jehuda ist bloß von französischen und englischen Rabbinern die Rede, 3. Wäre die Auswanderung zu einem bestimmten Zwecke erfolgt, namentlich um in Palästina eine Synode abzuhalten, so wäre dies dem Autor des Berichtes bestimmt nicht unbekannt geblieben und er hätte nicht unterlassen, es hervorzuheben. Folglich darf hier kein bestimmter Anlaß angenommen werden, weder die schlechte Lage, noch irgendein literarischer Zweck, sondern ein inneres Gefühl, hervorgerufen durch das Scheitern eines jeden Versuches der Kreuzzügler, in Palästina ein dauerndes Königreich zu errichten. Dieses Mißlingen wurde dem Lebenswandel der Kreuzzügler zugeschrieben. ,,Denn Erez Israel ist ein Land, das seine Bewohner verzehrt.“ ,,Es speit die Sünder aus, selbst die Nichtjuden“, so sagt ein Gelehrter, der zwar einige Jahrzehnte später blühte, ,,haben dort kein Glück, weil sie Sünder sind. . . .Für denjenigen aber, welcher dorthin in heiliger Absicht geht und sich dort in Heiligkeit und Reinheit aufführen will, hat der Lohn keine Grenzen2.“ Daher wollte man nach Palästina auswandern, um dort ein frommes Leben zu führen. 1 A. a. O. S. 342. 2 S. weiter I 2a.