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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 1 · p. Seite 38

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 1
Article
Wer ist Abraham Aron Lichtenstadt?
Date
1930-01-01
Page
Seite 38 (sequence 4)
Language
German
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am 14. Dezember 1701 von Leopold I. ,,wieder in sein früheres Officium als Landprimas eingesetzt“. Damit war er der Oeffentiichkeit gegenüber rehabilitiert; aber die fast zehnjährigen imunterbrochenen Aufregungen, wie auch schmerzliche Familienverluste, haben seine Lebenskraft gebrochen. Nur noch ein Jahr wirkte er für die Landesjudenschaft; am 3. Dezember 1702 schloß dieser große, schwergeprüfte Mann für immer seine Augen. Wie er im Leben verfolgt wurde — noch am 21. März 1702 bat er die Statthalterei um Schutz vor seinen Feinden —, so wollte man ihm auch im Tode noch keine Ruhe gewähren. Am 3. Dezember 1702 beschwerten sich bei der Statthalterei ,,die Erben des Abr. Aron wider die jüd. Perdons- Pächter, daß sie ihnen־ wegen Begrabung ihres Vaters ein großes abringen wollen, bitten anzuwenden, damit der tote Körper begraben, auch von ihnen ein billiges angenommen werde“. Diese ließ auch sofort an den Altstädter Hauptmann einen Befehl ergehen, sogleich Vorsorge zu treffen, damit ,,der Aronisclie Körper“ begraben werde. Dieses ist der kurze Abriß des Wirkens unseres Abr. Arons und seines ungeheuren Prozesses, der seine Schatten auch auf die ohnehin schwere Lage der böhmischen Judenheit warf. Abraham Aron wird in der jüdischen Literatur wohl oft erwähnt, jedoch herrscht über die Identität seiner Person volle Unklarheit, ja der Wahrheit ganz entgegengesetzte Ansicht. M. Grunwald nennt ihn bei der Wiedergabe einer ,,Beschwerde über Belästigungen auf dem Pilsener Markt um 1676“ Abraham Aron aus Frankfurt a. M.1 Derselbe Verfasser erwähnt ihn in einem anderen Werke2 als Primas von Böhmen; ein Hinweis auf Hock-Kaufmann verrät aber, daß er ihn mit einem ganz Fremden verwechselt. Auch Samuel Krauß bringt ihn als Primator3, doch glaubt er, Abr. Aron sei mit dem 1694 verstorbenen Aron Schlackenwerth identisch. Denselben Irrtum begeht Max Freudenthal4 5, indem er auf Aron Schlackenwerth hin weist; andere Gelehrte bezeichnen ihn als dessen Sohn. In der jüdischen Literatur ist aber für dieselbe Zeit ein anderer Primator von Böhmen bekannt, und zwar Abraham Lichtenstadt, dessen Vater Naftali Hirzha-Lewi Oettingen Arzt in Przemysi war. Sein Enkel Josef Oettingen, Sohn des Elieser, Rabbiner in Holleschau (st. 1709), schreibt von ihm im Vorworte zu seinem Werke עדות בייפף (Sulzbach 1741) אבי אבא היד דדה המפורסם הקציץ פרימש המדינות פיהם מיהר״ר אברהם ליכטנשמאפז ז״ל ה״ה אשר הציל נפשית רבות לאלפים ולרבבות מישראל. David Kaufm ann glaubt, er wäre Primator von Prag gewesen, wodurch er zu falschen Schlüssen veranlaßt wurde, wobei er aber sein Todesjahr und das seiner Frau Dina richtig angibt6. Dembitzer bezeichnet den Primator Abraham Lichtenstadt als den Ahnherrn einer 1 Mitteilungen zur jüd. Volkskunde, I. Jg. (neue Reihe), Berlin 1905, S. 103 ff. 2 Samuel Oppenheimer a. a. O., S. 331 f. 3 Joachim Edler von Popper, Wien 1926, S. 16. 4 Leipziger Meßgäste a. a. O. 5 Die letzte Vertreibung. der Jaden aus Wien, Wien 1889, S. .182 f.

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