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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 1 · p. Seite 36

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 1
Article
Wer ist Abraham Aron Lichtenstadt?
Date
1930-01-01
Page
Seite 36 (sequence 2)
Language
German
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. gesuche dem Kaiser Leopold L, der Statthalterei und dem Kreisamte, um nur die Vertreibung rückgängig zu machen, was bei der damaligen judenfeindlichen Stimmung nicht leicht war. Er ruhte aber nicht, bis es ihm gelang, daß die Statthalterei am 18. Oktober 1681 die bigotte Frau zwang, die Juden wieder in ihre Herrschaft aufzunehmen. Er trat aber nicht allein für die böhmische, sondern für die Gesamtjudenheit ein. Am 21. Juli 1676 beschwerte er sich bei der Statthalterei wegen ,,so vielfältiger Verfolgungen der Juden“ bei der Messe in Leipzig und bat um Abhilfe; am 6./16. August 1687 erneuerte er von Schlackenwerth aus die Bitte beim Kurfürsten, die jüdischen Meßfahrer gegen alle Beleidigungen, Insulten und Tätlichkeiten in Schutz zu nehmen1. Sein Verdienst war es, daß der berühmte Abraham Broda, damals Rabbiner in Lichtenstadt2, am 9. August 1689 zum böhm. Landrabbiner aufgenommen wurde. Allerdings war er es auch, der i. J. 1691 dem inzwischen in Verwandtschaft mit ihm getretenen R. Wolf Wedeies (Spira) einen Teil dieses Landrabbinates, ohne Wissen und gegen den Willen R. Abraham Brodas, übertragen hat, was viel böses Blut machte3. Dieses sind einige Beispiele von seiner Tätigkeit als Primator. Zwanzig Jahre hat Abr. Aron als Primator die Interessen der Landjuden treu vertreten, ihre Rechte verteidigt und sie gegen jede Willkür geschützt; während dieser Zeit hat er sich als Hofjude, wie durch seine Geschäfte mit dem Adel und die ausgedehnten Handelsbeziehungen, Reichtümer, und Ansehen erworben. Auch häusliches Glück ward ihm zuteil; seine gelehrten Söhne und seine Töchter heirateten aus den ersten jüdischen Familien. Das Glück schien ihm in jeder Beziehung hold zu sein. Doch jählings ist der Primator von der Höhe seines Glückes gestürzt worden. Sein selbständiges und eigenmächtiges Vorgehen im Amte, überdies Neid und Mißgunst, wie sie zumeist gegen die begünstigten Hofjuden herrschten, hatte ihm die Feindschaft der beiden Landesdelegierten Berl Tabor und Elias Backofen zugezogen; diese denunzierten ihn bei der Regierung, er hätte mit der Kontributions-Repartition Fälschungen begangen, was damals, wo die Juden hauptsächlich wegen ihrer Steuerleistungen geduldet waren, das größte Verbrechen bedeutete. Abr. Aron wurde deswegen am 22. August 1692 in Untersuchung gezogen und, ohne daß diese ein positives Ergebnis hatte, am 20. April 1693 von Leopold I. als Primator abgesetzt und gleichzeitig mit dem Landschreiber Elias B11 n z e l4 in Arrest geworfen. Die böhmische Kammer, besonders ihr Präsident Graf Schlick, ging mit rücksichtsloser Härte gegen ihn vor; durch Rundschreiben forderte sie alle Kreishauptleute auf, bei den Kreisjuden nach außenstehenden Schulden Abr. Arons zu forschen und sie zu beschlagnahmen, bei der Statthalterei stellte sie den Antrag, seine in Lichtenstadt beschlagnahmten Mobilien ,,zu versilbern“ und 1 M. Freudenthal, Leipziger Meßgäste, Frft. M. 1928, S. 10 Anm. 2 Vgl. M. Horovitz, Frankfurter Rabbinen, Frft. M. 1882, S. 79 ff. 3 Von da ab waren beide nur über je eine Hälfte von Böhmen Landrabbiner. 4 M. G-runwald, Samuel Oppenheimer und sein Kreis, Wien-Leipzig 1913, S. 331 ist demnach zu berichtigen.

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