Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neuerscheinungen zur Geschichte der Philosophie der Neuzeit [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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׳9 Weise insbesondere von Locke vereinigt wurden, also diese Synthese die Struktur des älteren Deismus darstellt und nicht Mendelssohn persönlich anzurechnen ist. Der ältere Deismus verbindet Offenbarung und Vernunftreligion durch die von Locke entwickelte Theorie der bloß faktischen, nicht logisch notwendigen Ordnung der Natur, die durch Gottes Willen) also durch Wunder und Offenbarung durchbrochen werden kann, wenn es das Heil der Menschheit erfordert. Durch diese Verbindung von Offenbarungsglaube und Vernunftreligion wurde Mendelssohn der letzte Repräsentant des Gesamtjudentums in der Neuzeit. Bertha Badt-Strauß: Moses Mendelssohn. Der Mensch üiid das Werk. Zeugnisse, Briefe, Gespräche. Weltverlag,. Berlin 1929. Kindheit und Lehrjahre, der Bund mit Lessing, Haus und Welt, der Beichtvater, Mendelssohn im Gespräch, philosophische Freundschaft und Ablehnung, jüdisches Lebenswerk, Mendelssohns Ausgang werden in feinsinniger Auswahl der ״Quellen unmittelbar nahe gebracht. Liebevolles Verständnis für die menschliche Größe und schlichte Güte Mendelssohns zu wecken, ist dieses Buch besonders geeignet; Jakob Seifensieder: Moses Mendelssohn, Das Märchen seines Lebens. Philo-Verlag, Berlin i929. In warmherziger, liebenswürdiger Schilderung, die auch den religiösen und geistigen Gehalt des Mendelssohnschen Werkes hervortreten läßt, zieht das Leben Mendelssohns an uns vorbei: Armut und Arbeit in jungen Jahren, der junge Philosoph und Schriftsteller, der Aesthetiker und stille Mitarbeiter Lessings, Geselligkeit und häusliches Glück, Phädon, der Streit mit Lavater usw. Wir wünschen dem anmutigen Büchlein die weiteste Verbreitung, insbesondere bei' unserer Jugend. Bruno Strauß: Moses Mendelssohn in Potsdam am 30. September 1771. Eine kleine Aufhellung den Mitgliedern und Freunden der Soncino-Geseilschaft gewidmet von Herrmann Meyer. Gedruckt in 250 Exemplaren von Aldus Bruck. In geistreicher Weise werden die einander zum Teil widersprechenden Berichte über den Besuch Mendelssohns in Potsdam geprüft und eruiert, daß dieser nicht am Sabbat, wie bisher angenommen, sondern an einem Montag erfolgte, der aber auch kein Werktag war, denn es war Schemini Azeret. Der Besuch galt auf Wunsch und Befehl Friedrichs des Großen dem in Potsdam weilenden sächsischen Minister Flitsch, der Mendelssohn in Berlin besuchen wollte. Der König selbst benutzte die Gelegenheit nicht, Mendelssohn zu sprechen. ,,Diese Zurückhaltung bestätigt aufs neue jene merkwürdige, zwar von Interesse nicht freie, aber doch stets fern- und fremdbleibende und zuweilen geradezu ablehnende Haltung, die Friedrich dem jüdischen Philosophen gegenüber durch sein ganzes Leben hindurch dngehömmen hat.“ In die Philosophie des 19. Jahrhunderts führt die Untersuchung־ von Simon Rawidowicz: War Nachman Krochmal Hegelianer? Hebrew Union College Annnal, Volume Cincinnati 1928.