Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neuerscheinungen zur Geschichte der Philosophie der Neuzeit [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 im 5. Buch der Ethik lebendig geworden. Man kann Spinoza systemalisch nicht interpretieren, wenn man ihn nicht genetisch aus den Motivverbindungen Leones versteht/' (Einleitung S. 109, 110.) Auch wenn man die philosophische Originalität Leones nicht in gleicher Weise wertet und vielmehr in F i c i n o den genialen Erneuerer des Neuplatonismus und den Begründer der Metaphysik der Liebe als der Religion der Renaissance sieht und auch Leone nicht eine solche Bedeutung für Spinoza zusprechen kann, die vielmehr der mathematischen Naturwissenschaft zukommt, verdient das Werk Gebhardts durch die mustergültige Neuherausgabe des Werkes Leones, vieler bisher unbekannter oder schwer zugänglicher historischer Dokumente, die für die Erkenntnis des Lebens und der Persönlichkeit Leones von Bedeutung sind, den lebhaftesten Dank grade auch der jüdischen Wissenschaft. Leo Strauß: Die Religionskritik Spinozas als Grundlage seiner Bibel Wissenschaft. Untersuchungen zu Spinozas Theologisch-politischem Traktat. Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Philosophische Sektion. II. Band, 1930. In sorgsamer und scharfsinniger Analyse entwickelt Strauß die methodischen und philosophischen Grundlagen der spinozistischen Bibelkritik. In knapper, aber eindringlicher Weise werden Motive und Methoden der Vorläufer Spinozas, die epikureischen, sozialen, theologischen und naturphilosophischen Gesichtspunkte der Religionskritik Uriel da Costas, La Pereyreres, Hobbes aufgehellt. Für den Theologisch-politischen Traktat wird die Gliederung in die Kritik der dogmatischen Theologie und der skeptischen Philosophie und, mit dieser sich kreuzend, die Kritik der Schrift auf Grund der Schrift und die Kritik der Schrift auf Grund allgemeiner wissenschaftlicher Voraussetzungen nachgewiesen. Die logische Tragweite und Stichhaltigkeit der auf diesen Methoden auf gebauten Argumentationen und Schlußfolgerungen wird untersucht. So ergibt sich die relative Unabhängigkeit der rationalen Kritik der Schrift von der philologisch-historischen, nicht aber umgekehrt die Unabhängigkeit der philologisch-historischen Kritik von den rationalen Voraus- Setzungen der spinozistischen philosophischen Religionskritik. Besonders in die Tiefe geht die Untersuchung über das Verhältnis Spinozas zu Maimonides. Hier wird die Differenz in der Stellung zur Offenbarung auf die prinzipielle Entscheidung über die Tragweite der menschlichen Erkenntnis zurückgeführt. Die spinozistische Entscheidung für die Suffizienz der Vernunft zur Erkenntnis Gottes macht den Glauben an Offenbarung entbehrlich und die Tatsache von Wundern unmöglich. Für Maimonides hingegen ist die Realität der Offenbarung durch die Insuffizienz der Vernunft zur Erkenntnis Gottes, durch die philosophische Möglichkeit des Wunders und die Glaubwürdigkeit der Tradition begründet. Der Maimonideischen Orientierung am Judentum als Grundlage seiner Synthese von Vernunft und Offenbarung tritt die spinozistische Distanz vom Judentum, tritt der freie Geist gegenüber. Darum auch die grundsätzlich verschiedene Stellung zur Thora als lex divina und zur philosophischen Erklärung der Schrift. ,‘,Die Kritik Spinozas an