Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Article
- Die Zunahme der jüdischen Einwohner in den Vorortgemeinden Groß-Berlins
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
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61 Einwohner auf 10Q gestiegen, daran schließen• sich 14 Bezirke mit jüdischen Kopten in einer Anzahl von 100 bis 500 ־and in-6 hat sich ihre Zahl bis 1000 vermehrt. Dazu kommen noch 16 Gemeinden, die 1910 keine jüdischen Einwohner hatten, bei denen aber 1925 Juden in kleinerer Zahl gezählt wurden. Von den großen oder größeren Vororten tritt Charlottenburg, der größte Vorort, mit 30 553 Juden, die sich gegen 1910 um 35 Prozent vermehrt haben, an erster Stelle auf. Einen etwas größeren Zuwachs weist Schöneberg auf mit 38 Prozent und mit einer absoluten Zahl von 16 115 Juden. Mehr als verdoppelt haben sich die Juden in Wilmersdorf, wo ihre Zahl von 9698 auf 20 924 angestiegen ist. Ueberhaupt im Westen selbst in kleineren Bezirken ist das Wachstum der jüdischen Arfteile besonders bemerkenswert, in Zehlendorf beläuft sich die Zunahme auf 90, in Dahlem auf das 30-, in Wannsee auf mehr als das 18 fache, und in Tempelhof auf das 4 fache. Aber auch die Vororte im Osten, wie Lichtenberg und Neukölln haben Zunahmen der jüdischen Bevölkerung im Ausmaße von 20 bis 30 Prozent, Pankow und Weißensee von 12 bis 38 Prozent. Die übrigen Einzelheiten läßt unsere Uebersicht erkennen. Bei dieser sprunghaften Entwicklung der Berliner Vorortgemeinden ist es zweifelhaft, ob die jüdische Gemeinde Berlins in der Lage ist, den religiösen Bedürfnissen der Vorortbewohner Genüge zu leisten. Das Berliner Stadtgebiet ist fast das größte der Welt und umfaßt eine Fläche von 87 846 Hektar, von denen 13 379 bebaut sind. Zur Not versorgt ist mit Synagogen Alt Berlin, schon bei Charlottenburg hapert es, und an der Peripherie wagt man kaum diese Frage, zu berühren. Zwar bilden sich in den Vororten Privat vereine, die von der Hauptgemeinde Subventionen erhalten, aber damit ist die Bedürfnisfrage nicht gelöst, und weil in großen und größeren Vorortgemeinden offensichtliche Notstände bestehen, so entsteht die Frage von selbst, weshalb die Repräsentanten und auch der Vorstand der Großgemeinde nicht die Behandlung dieses Problems derjenigen aller andern den Vorrang einräumt. Nicht darauf kommt es an, große Tempel in einem oder andern Stadtbezirke zu errichten, deren Bau für die Gegenwart große Summen verschlingt, sondern bescheidene Synagogen zu errichten, die für die Vorortbewohner ohne zu großen Zeitverlust erreichbar sind und für die jüdische Einwohnerschaft den Mittelpunkt des jüdischen Lebens bilden. Jüdisches Leben zu schaffen, erscheint notwendiger, als sich politisch auseinanderzusetzen, wo der Jude ein vollwertiges Leben führen kann, und dazu gehört nach der ganzen Entwicklung des Judentums in erster Linie die Bildung einer Gemeinde in jedem Vorortbezirke mit mindestensTOO Einwohnern, zumal mit Rücksicht auf die vielen Zugewanderten, die aus ihrem Heimatsort den Gedanken einer ,,lebendigen, aktiven“ Gemeinde mit nach Berlin gebracht haben. Die. Bevölkerungsstatistik wollen wir noch nach zwei Gesichtspunkten ergänzen und zwar die Schichtung nach Geschlecht und Beruf bringen. Die Gesamtbevölkerung Berlins verteilt sich auf 1 848 859 Männer und 2 175 306 Frauen, so daß auf 100 Männer 112 Frauen kommen. Der Ueberschuß der Frauen über die Männer beläuft sich