Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Article
- Eine vorübergehende Spannung zwischen den Hochschulen Judäas und Babylons
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
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31 der Jünger, und diese Abnahme wieder auf die unbefriedigende Lehr־*• methode Rab Jehudahs zurückzuführen, als eine durchaus unbegründete verworfen werden. Und was war doch die Triebfeder für die feindselig zu nennende Haltung Rab Jehudahs gegen die palästinensischen Hochschulen? Nach langem, langem Suchen glaube ich eine Antwort gefunden zu haben und sagen zu können: In der sittlichen V e r - irrung zweier junger Ehefrauen, deren Männer von den palästinensischen Hochschulen nicht zur Zeit heimkehren wollten. Ich habe nämlich zwei Dokumente gefunden, die zwar nicht chiffriert, aber doch gewissermaßen in einer Geheimschrift gehalten sind und eben deshalb nicht als Geschichtsquelle erkannt wurden. Bei Licht gelesen, beleuchten zwei kurze, dafür jedoch um so inhaltsreichere Briefe, die aus Judäa nach Babylon geschickt wurden, die Zeit der vorübergehenden Spannung so hell, daß selbst die allerdunkelsten Punkte ganz verschwinden. Beide Briefe finden wir Gittin 6b; bevor wir jedoch auf ihren Inhalt näher eingehen, will ich bloß an das rasch aufbrausende Naturell Rab Jehudahs erinnern. Wer da weiß, daß er sehr leicht in Zorn geriet; wem es bekannt ist, daß er über die alt jüdische Sittenstrenge und ganz besonders über die Eamilienreinheit als den kostbarsten Schmuck des jüdischen Volkes ängstlich wachte, und daß ihm dieses Wächteramt manche Bitternis gebracht hat, der wird es begreiflich finden, daß sein Zorn hell aufloderte, als ihm berichtet wurde, zwei Ehe-Irrungen in seiner Gemeinde seien einzig und allein darauf zurückzuführen, daß die an den palästinensischen Hochschulen studierenden Männer weit über die ihnen gewährte Zeit des Urlaubs fortgeblieben sind. Wenn also das die Folgen des Jüngeraustausches sind, dann muß diesem Austausch ein Ende gemacht werden. Jetzt werden wir den ersten Brief gut verstehen. Er ist von Ebjathar, einem Schüler R. Jochanans an Rab Chisda, den Rektor der Surensischen Hochschule gerichtet גטין הבאין משם לכאן אין צ״ל בפני נכתב ובפני נחתם. Ein Brief ohne Anrede, ohne Einleitung und bloß eine eherechtliche Norm, mit der wir nichts anzufangen wissen. Kannten die Babylonier diese Halachah nicht? Oder war es den Palästinensern nicht bekannt, daß Rab diesen Standpunkt von jeher eingenommen, daß man demnach in Sura wissen mußte, wie ein Scheidebrief bestellt wird und daß darin zwischen Babylon und Judäa gar kein Unterschied bestehe? Oder wollten vielleicht die Judäer den Surensern sagen, daß die Opposition Mar Samuels gegen Rab unberechtigt war? Das wäre ja eine sehr verspätete Benachrichtigung. Nein, dieser Brief ist bloß ironisch; seine Spitze wendet sich nicht gegen den Adressaten, sondern gegen den erzürnten Rab Jehudah. In Pumbeditha ist man entrüstet über die Treulosigkeit zweier Ehemänner, die ihre jungen Frauen sitzen ließen. Nun, in Judäa hat man sich , über weit mehr Palästinenser zu beklagen, die ihre Frauen fortschicken, indem sie ihnen Scheidebriefe aus Babylon senden, die keiner Legalisierung bedürfen, weil man den Absender nur allzugut kennt. Wohlgemerkt das Schulhaupt von Tiberias hält es unter seiner Würde, sich direkt an Rab Jehudah zu wenden, sondern läßt von einem Schüler an Rab Chisda schreiben,