Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Article
- Eine vorübergehende Spannung zwischen den Hochschulen Judäas und Babylons
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
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28 erlassen1. Der Rektor in Pumbeditha war eben ein einseitiger Verstandesmensch, was sich unter anderem auch darin offenbarte, daß er nur alle 30 Tage einmal betete. Das steht ausdrücklich im Talmud. Nun wir wollen uns die Stelle R. H. 35a genau ansehen. Da lesen wir א״ר אלעזר לעולם יסדיר »דם תפילתו ואח״ב יתפלל א״ר אבא מסתבדא מלתיה דר' אלצור בברכות של ר״ד. ושל יהב״פ ושל םרקים< אבל דבל השנה לא, איני והא רב יהודה מסדר צלותי׳ ומצלי, שאני רב יהודה, כיון דמתלתין יומין לתלתין יומין הוה מצלי בפרקים דמי. Was bedeutet der Ausdruck יסדיר תפילתו? Doch nichts anderes, als vor dem Beten die Reihenfolge der einzelnen Benediktionen überdenken (vgl. TOCh § 100 und Beth Josef). Das hat Rab Jehudah an jedem 30. Tage, da er den ganzen Traditionsstoff durchgenommen hatte, tun zu müssen geglaubt, weil er in seiner freudigen Erregtheit seiner Sache nicht sicher war, an jedem andern Tage jedoch ohne weiteres wie jeder andere sein Gebet verrichtete. Wer nicht gewillt ist, mit mir vor מצלי das Wort מפדד einzuschieben, den verweise ich auf Dikduke Soferim z. St., wo zwei Varianten gebracht werden מסדר צלותי, ומצלי und שסדר וצלי. Aber auch abgesehen von diesen Varianten muß man die Annahme, Rab Jehudah, der Lehrer, der Tausenden von Schülern als Musterbild diente, hätte sich über das, wenn schon nicht biblische, so doch rabbinische Gebot, täglich zu beten, kühn vor aller Welt hinweggesetzt, als eine empörende Ver־ leumdung betrachten. Und wie konnte einMann, dem das tägliche Gebet kein Herzensbedürfnis war, den Ausspruch wagen 2תיתי לי עיון תפלה. Alle 30 Tage einmal beten ist wahrlich kein Verdienst, auch wenn man sich vorher einen andern Rock anzieht3. Nur wer Rab Jehudah mit aller Gewalt zu einem einseitigen Verstandesmenschen machen will, muß ihm Gemütsinnigkeit absprechen. Es ist aber auch ein großer Fehler, Verstandesschärfe mit Dialektik zu verwechseln, und ganz besonders, wenn man Dialektik als Synonymon von Sophistik betrachtet. Rab Jehuda war ein Lieblingsschüler Samuels, der von 1 Ganz besonders arg verzeichnet ist das Charakterbild Rab Jehudahs bei J. H. Weiß; in dessen דור דוד ודורשיו in, 188 ff. lesen כאור בכח הכנות־^י טבעיות בוכרון,עצום, בחדוד השכל ובשקידה גדולה יסד ישיבה בפומבדתא ושם למגמת פניו להרחיב גבולות הפלפול דיעש דדך החריפות עיקר בתלמודו. הדרך הזד. משך אחדיו המון דב תלמידים ותגדל ישיבתו מאוד, וביחוד הצעירים בדור מצאו חפץ בדרך הזה וגם הוא בראותו כמה חשקה נפש התלמידים הגדיל מעשיו והוליכם בדרך הוה, אמכם היו נם בין תלמידיו, אנשים חכמים אשר עיניהם בראשם ולא ישרה נפשם בלמוד כוח וגמרו בלבם לעזוב ישיבתו ואת ארץ מולדתם ולעלות לא״י. Daß möglicherweise gerade die aus Judäa kommenden Jünglinge, die, nachdem sie bei R. Jochanan Jahre hindurch gelernt hatten, die babylonischen Hochschulen aufsuchten und das Verlangen der Babylonier weckten, ihre Studien in Tiberias fortzusetzen, daran ist nach J. H. Weiß nicht zu denken; denn wenn die Einheimischen an der Lehrmethode Rab Jehudahs kein Gefallen finden konnten, wie hätte sie die Ausländer an ziehen können. Charakteristisch für die Darstellungsweise im דור דור ודודשיו sind folgende Sätze והיה מפואר בחריפתו יותר מכלחביריו ונטעה במקומו בפומבדיתא עד כי אמרו שבמקומו של רב יהודה (ebenda S. 187) החריפות כפורחת עלתה ניצה. Als Quelle für diese Behauptung wird Chulin 110b angegeben. Wir kommen w. u. auf diese Quelle zurück und werden sehen, inwieweit dort von der Dialektik Rab Jehudahs die Rede ist. 2 Schab. 118b. 3 Ebend. 10a und Maimuni hil. Teph. 5, 5.