Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Article
- Eine vorübergehende Spannung zwischen den Hochschulen Judäas und Babylons
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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27 bewunderungswürdigen Meisterbau der Mischna die Babylonier nicht weniger Quadersteine als die Palästinenser geliefert haben. Man darf sich eben keineswegs beirren lassen von der Tatsache, daß es nur einige Tannaiten babylonischer Provenienz gibt, einmal weil die weitaus größere Hälfte der Halacha in der Mischna anonym ist, und weil zweitens verschiedene Tannaiten mit klangvollen Namen erst spät eingewanderten babylonischen Familien entstammen. Ob jedoch trotz alledem während der Tannaiten-Epoche ein wirklicher Austausch der Jünger beider Länder stattgefunden, das bleibt eine Frage, die man nicht ohne weiteres mit Ja beantworten kann. Gewiß, aus Babylon kamen gar manche, unter denen R. Chija mit seinen Söhnen,• Rab, Raba b. Chama, Chaninah b. Chama, der Vater Samuels und Samuel selber1 2 besonders hervorzuheben sind;. denn sie haben alle mehr oder weniger an der Mischnaredaktion R. Jehudah ha-Nassi’s ihren Anteil. Ob jedoch zur selben Zeit judäische Jünglinge die babylonischen Hochschulen aufsuchten, darüber schweigen die Quellen. Ganz anders gestaltete sich das Verhältnis gleich zu Beginn der Amoräer-Epoche, und zwar durch die Rückkehr Rabs in seine Heimat. In dem von ihm gegründeten Lehrhause zu Sura glaubten die Jünger palästinensische Luft zu atmen, und als später R. Jochanan zum Rektor der Hochschule in Tiberias gewählt wurde, da hatte das Judentum zwei Autoritäten, welche den Schüleraustausch beider Länder in hohem Grade förderten. Auch unter dem Nachfolger Rabs, unter Rab Huna blieb dieser Austausch auf seiner bisherigen Höhe; als jedoch die Akademie in Pumbeditha eröffnet wurde, erfuhr dieses freundschaftliche Verhältnis allzubald eine beklagenswerte Trübung, für die alle unsere Historiker den Begründer der genannten Methibtha, Rab Jehudah b. Jecheskel wegen seiner Dialektik, wie ich zeigen werde, mit Unrecht verantwortlich machen. Darin, daß Rab Jehudah mit seinem Interdikt gegen den Besuch der palästinensischen Hochschulen das bisherige schöne Verhältnis stark getrübt hat, darin muß man ihnen beipflichten. Gegen den jahrhundertalten Austausch der Jünger konnte nichts wirksamer ins Treffen geführt werden, als die Behauptung Rab Jehudas העולה לבבל עובי בעשה*, das kann und darf niemand in Abrede stellen; wohl aber müssen wir die Ursachen, welche dieses Interdikt angeblich bewirkt haben, als durchaus nichtige entschieden zurückweisen. Die vorwiegend dialektische Lehrmethode habe die babylonische Jugend abgestoßen und sie zur Auswanderung nach Judäa getrieben, und um dieser Auswanderung Einhalt zu gebieten, habe Rab Jehudah sein Interdikt 1 Zn meinem tiefen Bedauern kann ich unserem Meister Z. Frankel זצ״ל nicht beipflichten, wenn er behauptet, dieser Samuel sei niemals in Judäa gewesen. (Vgl. 'מביא הירו s. 124 b) ובראה ששמואל לא עלה מימיו לא״י ואף שמצער בבלי־ בים פ״ה ע״ב שמואל ירחעאי אסיי־ה דרבי אפשר ששלח לו דרכי* רפואות בכתב einmal, weil ausdrücklich berichtet wird, daß er ihn persönlich behandelt und ihm nicht bloß Rezepte geschickt hat, und zweitens weil die Relation Gittin 66 b אמר שמואל אמר רבי einen direkten persönlichen Verkehr bezeugt. 2 Berach. 24b; Schab. 41a; Keth. 110a.