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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 26

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Article
Eine vorübergehende Spannung zwischen den Hochschulen Judäas und Babylons
Date
1929-01-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 lande keine Juden und infolgedessen auch keine jüdischen Schulen gegeben. Dafür sind die ersten Schulen höheren Ranges im Exil, in Babylon entstanden. Denn wie Palästina das Geburtsland der Bibel ist, so muß man Babylon als den Boden betrachten, auf welchem die Wiege des Talmuds gestanden. Ohne Hermeneutik ist selbst das Entstehen der Mischna undenkbar, und die ersten Ansätze der Hermeneutik sind im Zweistromlande von den unmittelbaren Nachfolgern der Propheten, den Sopherim oder Schriftgelehrten gemacht worden. Ob es schon zur Zeit der Heimkehr unter Serubabel Sopherim in Babylon gegeben, ist allem Anscheine nach mehr als zweifelhaft: daß jedoch die Behauptung des Jeruschalmi1, die Wirksamkeit der Sopherim habe schon sehr lange vor Esra begonnen, mehr als eine bloß wahrscheinliche gelten kann, das glaube ich in meinen hermeneutischen Untersuchungen an der Hand der aufeinanderfolgenden Entwickelungsphasen deutlich gezeigt zu haben. Mit Serubabel sind wohl die letzten Propheten hinaufgezogen, doch mit Esra ganz gewiß nicht die ersten Sopherim. Wenn nämlich von diesem Esra gesagt wird, er sei ein thorakundiger Sopher gewiesen, mit dem Leviten als Lehrer heimkehrten2, so muß auch eine Schule vorausgesetzt werden, an welcher Lehrer und Gelehrte ihre. Ausbildung gefunden haben. Ob die heimkehrenden Sopherim identisch mit den אנשי כסת הגדולה, den Männern der großen Synode sind, oder ob bloß die in Palästina wirkenden Sopherim diesen Namen erhielten, das ist eine Frage, die wir auf sich beruhen lassen können; und wenn auch die Sopherim in der Traditionskettc fehlen, so kann doch kein Zweifel darüber walten, daß auch sie den Wahlspruch hatten 3הול מתונים בדין והעמידו תלמידים הרבה ועשו סיג לתורה, seid bedächtig im Urteilen und Schließen, stellet viele Schüler aus und machet einen Zaun um die Lehre. Die Schriftauslegung hat nicht in Palästina; sondern in Babylon ihren Anfang genommen, das beweist am besten das Wort מדרש, das sich in der Chronik findet4. Mit Esra, so darf man kühn behaupten, kehrt die Thora Moses nicht bloß als תורה שבכתב sondern auch als תורה על פה in ihre alte Heimat zurück. Von diesem Tage an trat Babylon mit seinen Schulen bescheiden in den Hintergrund, aus keinem andern Grunde, als aus Ehrfurcht vor 'der Heiligkeit des gelobten Landes und der Autorität des in der Quaderhalle des Tempels sitzenden Rates, Allmählich wurde es ja zur vollen Wahrheit das jesaianische Wort 5כי מציון תצא תורה ודבר ד,4 מירושלם und so prävaliert Palästina während der ganzen zweiten Tempelperiode schon durch seine Prärogative, die es als Mutterland beanspruchen darf, nach jeder Richtung vor Babylon. Nach der gänzlichen Auflösung des jüdischen Staates jedoch geht auch die Thora ins Exil und findet Schutz und Zuflucht in der Heimat des Patriarchen; sc wird das Gleichgewicht zwischen Judäa und Babylon in gewissem Sinne wieder herges.tellt. Es darf ohne weiteres angenommen werden, daß zu dem durch seine Architektonik und logische Gliederung 1 Schekalim 5X. 2 Vgl. Esra 8 י6לle u. Neh 83-7. 3 Pirke Aboth lx. 4 II 13, 27; 24, 27. 5 2, 3.

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