Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Article
- Aus der neuesten Mischnaliteratur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 19)
- Language
- German
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22 mit einem literarhistorischen oder philologischen Mischnaproblem befaßte, mußte mit Bedauern feststellen, daß die nötigen Hilfsmittel — Wörterbuch und Konkordanz — gänzlich fehlten, so daß man gezwungen war, für jede Einzelheit sich selbst das Hilfsmaterial herbeizuschaffen. Aber auch dem Verständnis י des Mischnatextes kann eine Konkordanz zugute kommen. Denn so sehr auch die alten Erklärer im allgemeinen den gesamten Mischnastoff beherrschten, gibt es doch hier und da Redewendungen, die ihnen von anderwärts unbekannt sind, deren Kenntnis aber die von den Kommentatoren aufgeworfenen Schwierigkeiten zu beseitigen vermögen. Mit der Schaffung einer Mischnakonkordanz hat sich nun Kassowsky ein großes Verdienst um die Mischnaforschung erworben und wir sind ihm hierfür zum größten Dank verpflichtet. Da aber. Verf. jetzt auch an einer Talmud- und Tosefta-Konkordanz arbeitet, hält es Ref. für seine Pflicht, auch auf die Mängel dieser Arbeit hinzuweisen, in der Hoffnung, daß diese bei den nächsten Arbeiten des Verf. verschwinden werden. Der größte Vorzug einer Konkordanz besteht in der U ebersichtli chkeit des Stoffes. Die Mischnakonkordanz ist nach Wurzelstämmen geordnet, wogegen nichts einzuwenden wäre. Der Vf. richtet sich aber nach veralteten Anschauungen oder nach eigenen recht sonderbaren Einfällen, auf die der Benutzer nur schwer kommen kann. In dem von mir durchgesehenen Buchstaben 314) א Seiten) fand ich z. B. unter dem Verbum אות (S. 46) nur die Formen שיאותו, nicht aber das Pf. נאות. Eine Erklärung dafür sah ich später S. 137 in der Note zum aram. יש =) אית)! Hier wird glatt behauptet, daß das biblische Vb. אות mit dem mischnischen נאות nichts zu tun habe, daß letzteres vielmehr auf die Wurzel נאה zurückzuführen sei! Tatsächlich ist נאות S. 1170 unter נאה auf geführt; hier aber sind inkonsequenterweise die Formen שיאותו nochmals angegeben. Um aber die Inkonsequenz ״konsequent‘״ durchzuführen, wird in den Nachträgen (S. 1, zu אות P1) die Form נאות ergänzt! — Das Vb. אנן ist unter און (S. 44) anzutreffen. Nun haben zwar die jüdischen Grammatiker des Mittelalters (s. Ibn Esra zu Num 11ג, Ibn Ganach und Kimchi) für das biblische Hithp. התאונן in der Bedeutung ״sich beklagen“ die Wurzel און (?) angenommen. Für das mischnische ״ אונןtrauern“ kann aber nur das aramäische אנן in Frage kommen. — Das Nomen אגדת stammt nach den alten Grammatikern von אגל (sammeln). Ebenso in der Konk. S. 22. Verf. zieht aber auch אגורי (Kelim XVII 8) hierher. Nun erklärt dies tatsächlich R. Abahu in Berakot 39a (worauf alleräings Verf. nicht verweist); vgl. jedoch Rapoport in Erech Millin S. 14, Löw bei Krauß, Lehnwörter S. 7, meinen Kommentar zu Ber. rabba S. 1135 und (was ich nachträglich sah) Horowitz ארץ ישראל ושכנותיה S. 11. ~ אכפת ist in der Konk. nicht unter diesem Wort zu finden, sondern unter כפת S. 999! Dagegen ist אום, das nur die aramäische Form für אם ist (vgl. Jerusch. Jebamot XI lld), nicht neben diesem, sondern als אום/ן (S. 44) dargestellt. Sonst werden nur die Konsonanten und nicht die Vokale (matres lectiones) berücksichtigt. So 1 Bei den Nachträgen ist nicht angegeben, zu welcher Seite oder Wurzel der Nachtrag gehört.