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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 16

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Article
Aus der neuesten Mischnaliteratur [Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 16 (sequence 13)
Language
German
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16 der Thora. 2. Ohne Thora keine Sittlichkeit. 3. Nur die Thora gewährt wahre Freiheit. 4. Der Thorabeflissene steigt immer höher (in der Erkenntnis). Alle vier Aussprüche möchten gegen Christen polemisieren/‘ Ja, sie möchten/können es aber nicht, da, wie gesagt, Christen nach jüdischer Auffassung nichts mit der Thora zu tun haben und die Mischna nur gegen diejenigen polemisieren kann, deren Pflicht es ist, sich mit dem Studium der Thora zu beschäftigen. Da B. von den falschen Annahmen ausgeht, daß die Mischna behaupte ,,ohne Thora keine Sittlichkeit“ (vgl. Amu.) und damit gegen Christen polemisieren wollte, fühlt er sich (S. 165) bemüßigt, diese in Schutz zu nehmen und meint: ,,Der Verfasser scheidet nicht zwischen Moral- und Ritualgeboten — danach bemißt sich der Vorwurf, wer ohne Thora lebt, ist ein verwerflicher Mensch.“ Obwohl dieser Vorwurf in der Mischna gar nicht vorkommt, habe ich doch diese Stelle hier angeführt, weil die richtige Bemerkung, daß die Mischna zwischen den einzelnen Geboten nicht scheidet, B. Veranlassung gab, in seiner Einleitung (S. XXIV) folgendes Werturteil über die Lehren der Schriftgelehrten abzugeben: ,,Daß nun aber ebenso hoch wie die großen auch die kleinen Gebote der Thora eingeschätzt werden . . . muß bedenklich gegen das ganze System machen. . . Auf diesem Standpunkte wird das, was als Religion ausgegeben wird, leicht zur Karikatur des.Heiligen!“ B. rühmt dann, wie gewöhnlich, die ,,Propheten Israels“ auf Kosten, der Pharisäer. Dazu möchte ich nur bemerken, daß es sich hier nicht um ,,Systeme“, sondern um die Kardinalfrage handelt, ob die ganze Thora göttlichen Ursprungs ist oder nicht. Die Schriftgelehrten, wie noch jetzt die gläubigen Juden, bejahen diese Frage. In diesem Falle , steht es dem Menschen nicht zu, die Gebote, die ihm gefallen, zu befolgen, und die anderen zu lassen* 1. Würde ein Sohn, der nach seinem Gutdünken die Befehle seines Vaters ausführt, oder ein Beamter, der die Aufträge seines Vorgesetzten nur soweit ausführt, als sie ihm wichtig scheinen, den Beifall B.s finden? Wird aber der göttliche Ursprung der Thora verneint, dann allerdings steht es jedem frei, nach Belieben das eine anzunehmen und das andere zu verwerfen. Dieses ist dann eine Glaubensfrage der jüdischen Religion überhaupt, und einem Andersgläubi. gensollteessch o'n der Takt verbieten, sich in die inneren Angelegenheiten einer anderen Religion zu mischen. Die Propheten, die in dieser Frage fälschlich gegen die Pharisäer ausgespielt werden, lehrten (Hab 2.t): Der Gerechte lebt in seinem Festhalten an Gottes Wort (באמונתו). Die Schriftgelehrten waren solche Gerechte und verdienen nicht wegen ihres Glaubens von Andersgläubigen geschmäht zu werden. Nun noch ein letztes Beispiel, das von grundsätzlicher Bedeutung ist. Es ist von jüdischer Seite die Vermutung ausgesprochen worden, daß in der talmudischen Literatur manchmal Bileam ein Deckname für Jesus sei. B. S. 149 schließt sich dieser Ansicht an und will unter werden. Aus diesem Grunde sind auch in der Besprechung die gewöhnlichen Irrtümer dieses Kom'mentars nicht berichtigt. 1 Vgl. auch Mtth 51719־ und 23ä-3, wo dieselbe Auffassung vertreten wird.

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