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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 13

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Article
Aus der neuesten Mischnaliteratur [Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 13 (sequence 10)
Language
German
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13 und hat sich somit nicht nur für diese Anschauung erwärmt, sondern auch sie sich zu eigen gemacht. Es hat aber den Anschein, als ob M. doch einen Beweis dafür erbringen möchte, daß das gesetzliche Judentum mit Antigonos nicht übereinstimme. Denn er fährt fort: ,,Schon . . in Abot de R. Nathan Kap. V 2 erscheint die Legende, die Leugnung eines künftigen Lebens und einer Auferstehung der Toten bei den Sadduzäern und Boethosäern gehe auf zwei Schüler des Antigonos, Sadok und Boethos, zurück; diese hätten nämlich den Ausspruch ihres Lehrers als versteckte Leugnung des künftigen Lebens aufgefaßt.“ Hat dies irgendwie mit seiner Behauptung zu tun? Weil erzählt wird, daß manche den Ausspruch des Antigonos mißdeutet hätten, soll er deshalb in seiner wahren Bedeutung verleugnet werden? Endlich sagt M. (S. 10): ,,Später hat man פ!רם als verschieden von שכר, Lohn, gedeutet und ihm den Sinn von Geschenk, freiwilliger Zugabe, über den Lohn hinaus, bachschisch (Trinkgeld) gegeben (Maimonides, Bartenora).“ Falsch! Denn Maim. und Bart, erklären, daß man nicht nur auf keinen Lohn, rechnen soll, sondern auch nicht auf ein Geschenk, das man sonst zu geben pflegt, auch wenn man zu keinem Lohn verpflichtet ist, wie z. B. der Vater seinem Sohne und dgl. Beer wandelt hier, wie schon angegeben, in den Fußstapfen M.s. In seiner Einleitung (S. XXV) weiß er zwar, daß ,,keine lebendige Religion und Ethik sich je ganz des Eudämonismus entschlagen kann“, und daß es auch nur verständlich und löblich sei, ,,daß der Pharisäismus den Lohngedanken, den auch das Alte Testament und bis zu einem gewissen Grade (?) auch das Neue Testament vertritt, anerkennt und aufnimmt“. ״Es wird aber,“ wie er sagt, ״von dem Pharisäer zu oft und zu viel von Lohn, Verdienst und Tugend geredet — davon legt unser Traktat reichlichst Zeugnis ab: werden doch VI 5, 6 die Vorzüge des Pharisäers auf 48 berechnet und im einzelnen aufgezählt! . . . Erfreulicherweise erhebt sich aber in unserem Traktat selbst der Widerspruch gegen dieses Virtuosentum einer auf Lohn und Verdienst sich aufbauenden . . . Frömmigkeit I 3, II 13c1.“ Diese Auffassung ist falsch. Erstens konnte der erste Pharisäer Antigonos noch keinen Widerspruch gegen dieses Virtuosentum erheben. Zweitens pflichten andere Pharisäer in Abot sowie Sifre, Talmud und Maimuni ihm bei, so daß er nicht im Widerspruch mit dem Lohngedanken stehen kann, wie schon oben dargelegt wurde. Drittens wird nicht ״zu oft“ von Lohn usw. gesprochen, was schon der Umstand beweist, daß B. in seinem Kommentar keine Gelegenheit fand, dieses Thema zu erörtern und deshalb mit einer sehr unpassenden Stelle vorlieb nehmen mußte VI 2: 2ומקרבתו לידי זכות! Viertens ist die einzige Belegstelle, auf die B. hinweist, nämlich VI 5, 6 ein Beweis dafür, daß der Beer in der Einleitung von dem in der Erklärung sich erheblich unterscheidet. Denn in der Erklärung S. 171 1 Dieser Beleg beruht ebenfalls auf der falschen Auffassung M.s, vgl. oben S. 11. 2 B. erwähnt hier (S. 162) ,,manche Forscher“, die ,,geradezu von einem Kontokorrentglauben der Pharisäer“ reden. Ich weiß nicht, wen er damit meint. Nach den obigen Ausführungen darf wohl die Frage aufgeworfen werden, ob solche böswillige Verleumder deu Namen ,,Forscher“ verdienen.

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