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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 9

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Article
Aus der neuesten Mischnaliteratur [Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 9 (sequence 6)
Language
German
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9 daß die Liebe zu Gott sich auch in der Beobachtung seiner Gesetze kundgibt (Deut i01213־)? Vgl. auch Sifre Deut. § 32 und Jeruschalmi Berakot IX 14b: . ♦ 1עשה מאהלה. Diese Beispiele sprechen Bände, wie ein sonst ernster Forscher bei der Behandlung der jüdischen Literatur sich zu einem ,,Traktätchenschreiber“ erniedrigt2, natürlich aus reinster Nächstenliebe, ,,treuer Liebe zu Gott und spontaner Erfüliung seines Willens“. Man hätte aber erwartet, daß ein Universitätsprofessor im Zeitalter der allgemeinen Volksschulbildung Verständnis aufbringen würde fiir die Anpreisung der Bildung von seiten Hilleis. Dieser sagte: Ein Ungebildeter ist nicht sündenscheu und ein Unwissender ist nicht fromm (II 5). Mit anderen Worten, ein Ungebildeter, der seine Pflichten nicht kennt, kann sie auch nicht einhalten und erfüllen, vgl. auch III 17. Hillel hatte also keine Vorliebe für die, ,,die da geistlich arm sind“, und war für die Verbreitung des Wissens. M. zitiert nun dazu (S. 44): ״Aufs deutlichste erweist sich in diesen Worten die Verschiedenheit der Denkart Hilleis von der Denkart. Jesu (Fiebig).“ Stimmt. Da aber M. gegen Hillel sonst nichts vorzubringen weiß, und dessen Lehren ihn seine ,,Kreise“ stören, sucht er ihn persönlich zu verunglimpfen. Zu den von Hillel gemachten Erfahrungen: Viel Güter, viel Sorge; viel Mägde, viel Unzucht; viel Knechte, viel Raub usw. (II 7), bemerkt M. (S. 45): ,,In gleichem,, fast zynischem Ton geht es weiter, wo von Mägden und Sklaven die Rede ist.“ Welcher Zynismus gehört dazu, gegen solch ernste (durch unsere Kenntnis antiken Sklavenwesens nur bestätigte) Feststellungen eines Mannes wie Hillel, die offenbar die Einschränkung der Sklaverei zum Ziele haben, in diesem zynischen Ton zu reden! Bisher wurde gezeigt, wie willkürlich M. in seiner Voreingenommenheit bei der Behandlung des Stoffes verfährt. Jetzt wollen wir zeigen, zu welchen Irrtümern er durch seine Abneigung gegen die Pharisäer gelangte. S. 21 erklärt er: ״Daß Jehuda ben Tabaj nicht immer selbst die von ihm empfohlene richterliche Un~ Parteilichkeit befolgte, lehrt der Makk. 5b über ihn berichtete Fall (Taylor).“ Ich besitze das Buch von Taylor nicht, aber ein Blick, in die angegebene Talmudstelle zeigt, daß hier keine Spur von Parteilichkeit zu finden ist. Dort erzählt R. Jehuda b. T. selbst, daß er einen durch einen Alibibeweis überführten Zeugen (צד זומם) hinrichten ließ und damit ein Exempel gegen die Sadduzäer statuierte, die behauptet hatten, daß solche falsche Zeugen nur dann getötet werden, wenn der infolge ihrer Aussage Verurteilte bereits hingerichtet wurde. Im Falle des R. Jehuda war das Urteil noch nicht vollstreckt; nach der Lehre der Pharisäer mußte der Zeuge aber wegen seiner falschen Aussage bestraft werden. R. SchinTon ben Schatach 1 S. noch Abot de R. Natan c. 41 (67a), Joma S6a, Nedarim 62a, Ghobot Halebabot, Ende und weiter S. 12. 2 Wie hoch M. selbst die Wissenschaftlichkeit seines Kommentars bewertet, beweist der Umstand, daß er es für angebracht hielt, auf S. 6 folgenden ,,geistreichen Witz“ unterzubringen: ,,So ist gerade die Mischna zum großen Teil ein Zaun um die Thora, und die Schriftgelehrten haben sich so eifrig um diese Aufgabe gemüht, daß der Zaun so dicht und hoch geworden ist, daß darob die eigentliche Thora und das ganze Alte Testament für gar manchen Juden unsichtbar geworden sind.“ Wissenschaft, nicht wahr?!

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