Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Article
- Aus der neuesten Mischnaliteratur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 5)
- Language
- German
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8 einen Gegensatz zu den Lehren der Rabbinen herausklügelt, den» er dann als ,,höchste christliche Anschauung“ — zu der sich aber schon das Buch Hiob bekennt — anpreist. II15 spricht R. Tarfon: Der Tag ist kurz, die Arbeit groß, die Arbeiter sind träge . . und der Hausherr drängt. Dazu bemerkt M. (S. 60): ,,Das Gleichnis Tarphons von den faulen Tagelöhnern ist ein einfaches Seitenstück zu dem ausgeführteren neutestamentlichen Gleichnis von den Arbeitern im Weinberge Mt 2016-ג. In beiden ist der Arbeitstag . . die Lebenszeit, die müßigen, faulen . . Arbeiter . . die Menschen und der Hausherr . . der zu Arbeit drängt, Gott/:f Schön. Was will aber jenes Gleichnis lehren? Wir ־wollen es in der Hauptsache anführen: ,,Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen aasging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde und sah andere an dem Markt müßig stehen und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, ich will euch gehen, was recht ist. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere müßig stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag müßig? . . . Gehet ihr auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird,, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter und gib ihnen den Lohn. . . Da kamen,, die um die elfte Stunde gedingt waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen;; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murrten sie wider den Hausvater und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich tue dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? . . . Ich will aber diesen letzten geben gleich wie dir. . . . Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein . . . .£C In diesem Gleichnis kommt also zum Ausdruck, daß der Lohn für die Arbeit im Leben (den Arbeitstag) festgesetzt (bedungen!) sei, daß aber derjenige, der nur kurze Zeit arbeitet (gute Werke ver״ richtet), den gleichen Lohn erhalte wie der, der sein Lebenlang gearbeitet hat. Ein Fragen nach dem Grunde gebe es nicht, da dies der Wille Gottes sei und er könne mit dem Seinen machen, was er wolle. R. Tarfon dagegen will den Menschen zu einem gottgefälligen Leben anspornen und meint, keine Minute sei zu verlieren, die große Arbeit (Lebensaufgabe) zu vollbringen; denn der Tag ist kurz und der Herr drängt. Dieser Unterschied, der auf der Hand liegt, wird von M. nicht angegeben. Dagegen weiß er zu erzählen: ,,Der wesentliche Unterschied aber besteht darin, daß im Evangelium dein Menschen als Aufgabe der Erweis der Gotteskindschaft in treuer Liebe zu Gott und spontaner Erfüllung seines Willens gestellt ist, während die Lebensaufgabe des Menschen nach den Schriftgelehrten Gesetzeserfüllung, ja hauptsächlich Gesetzesstudium ist.“ Findet aber jemand in dem aus dem Evangelium angeführten Gleichnis auch nur ein Wort von all dem? Dürfen bei Gegenüberstellungen zweier Gleichnisse Dinge herangezogen werden, die in ihnen nicht erwähnt sind? Was bedeutet aber die Phrase von ,,spontaner Erfüllung“ des göttlichen Willens? Ist die treue Liebe zu Gott nicht ein Gebot der Thora (Deut 6g)? Erklärt nicht die Thora selbst,