Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Article
- Aus der neuesten Mischnaliteratur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 4)
- Language
- German
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7 genannt. . . geliebt sind die Israeliten, denn es ist ihnen . . , (die Thora) gegeben worden. M. weiß dazu zu bemerken (S. 81): ״Eine Betrachtung über die Liebe Gottes. Die Thora mit all den Lehren, die sie enthält, und der Bekanntgabe der Israel zuteil gewordenen Gnaden ist der Beweis der besonderen Liebe Gottes. Nur Israel besitzt ja die Thora.‘f Daß zuerst vom Menschen schlechthin die Rede ist, daß also jeder Mensch ein Liebling Gottes ist und ihm diese Gnade bekannt gegeben wurde, davon will M. nichts wissen und er bemüht sich, durch sein Gerede die Aufmerksamkeit des Lesers vom Text abzulenken. Eine höchst sonderbare Methode wendet M. bei der Behandlung folgender Stellen an. Hillel sprach beim Anblick eines schwimmenden Schädels: Weil du ertränkt hast, hat man dich ertränkt, und am Ende werden deine Ertränket auch ertrinken (II 6). Man kann sich zu dieser Lehre von Talion stellen wie man will. Man muß aber zugeben, daß sie von allen Religionen gelehrt wird. M. (S. 45) weiß, daß sie auch im Neuen Testament vertreten wird, wie z. B. Mt 2652: Da sprach Jesus zu ihm . . . wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen 11. a. Er meint aber, daß dieser Grundsatz doch nicht ,,der höchsten christlichen Anschauung“ entspreche. ,,Schon der Dichter des Hiob hat ihn bestritten1, und Jesus lehnt ihn direkt und entschieden ab Joh % und Luc Die angeführten Stellen haben aber mit diesem Grundsatz gar nichts zu tun. Denn in der ersten Stelle (r3) wird erzählt: .,Und Jesus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern daß die. Werke Gottes offenbar wurden an ihm.“ Die Verneinung des alten Glaubens, daß ein Blindgeborner wegen der Sünde seiner Eltern so geboren wurde2, soll also auch den dem sittlichen Bewußtsein entsprungenen Gedanken von einer rächenden Nemesis für begangene Verbrechen in Abrede stellen? Die Stelle in Luc 13 beweist aber gerade das Gegenteil von dem, was M. beweisen will. Dort lesen wir: ,,Es waren aber zu der Zeit etliche dabei, die verkündigten ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihrem Opfer vermischt hatte. Und . Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, daß diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder gewesen sind, da sie das erlitten haben? Ich sage: Nein; sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also u m k o m m e n. Oder meint ihr, daß die achtzehn, auf welche der Turm in Siloah fiel und sie erschlug, seien schuldig gewesen vor alle n Menschen, die zu Jerusalem wohnen? Ich sage: Nein; sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also u m k o m m e n.“ Danach seien die Erschlagenen wegen ihrer Sünden umgekommen, die anderen seien aber ebensolche Sünder und es würde־ ihnen ebenso ergehen, wenn sie nicht von ihren Sünden äblassen würden. Es ist M. recht, einen Wider- Spruch in den Lehren Jesu zu konstatieren, wenn er dadurch auch 1Gehört dieses auch zur ,,höchsten christlichen Anschauung“? 2 Vgl. auch Talm. Nedarim 20 a. .; '■■־.״