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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Article
Aus der neuesten Mischnaliteratur [Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 6 (sequence 3)
Language
German
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6 anders ist hingegen der Kommentar Martis geartet. Hier herrscht noch die alte Voreingenommenheit und Abneigung gegen die Pharisäer. Wenn M. eine Lehre des Neuen Testament zum Vergleich heranzieht, scheut er vor keiner Verdrehung zurück, um die Ueberlegenheit des letzteren nachzuweisen. Dort aber, wo er keine Parallele im N. T. findet — und das ist die Regel — sucht er möglichst auf andere Weise den Schriftgelehrten am Zeuge zu flicken und ihre Lehren herabzusetzen. Auf welche Weise dies geschieht, mögen folgende Beispiele lehren. M. glaubt den ganzen Unterschied zwischen Judentum und Christentum in dem Satz des R. Tarfon zu finden, der u. a, lehrt: ״Wenn du viel Thora gelernt hast, wird dir viel Lohn gegeben, und dein Arbeitgeber ist treu, daß er dir den Lohn für deine Arbeit bezahlt“ (II 16). Wenn man dazu eine Parallele aus dem Neuen Testament anführen wollte, würde ich I Kor 38 Vorschlägen, wo es heißt: Jeder wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit, öder auch das. 917: Tue ich es gerne, so wird mir gelohnt, öder gar Mtth 2529: Denn wer da hat, dem wird gegeben werden usw.1. Von all dem will aber M. nichts wissen. Er erklärt vielmehr (S. 61): ״Der Lohn entspricht aufs genaueste der Leistung... Darin zeigt sich Gottes Treue, per ganze Unterschied zwischen Judentum und Christentum wird deutlich, wenn wir dieser Treue Gottes I Joh 19 gegenüberstellen:?cicftSs haztv xdi dtxatos *Iva d(p7j fypiv zä<: dpapzlaz xät xafrctpiaif] jjpäz dnö izdarjc ddtx'äz“. Hier wird nur auf die Aehnlichkeit der Ausdrücke נאמן und niazdz Gewicht gelegt und geflissentlich der erste Teil des angeführten Satzes verschwiegen! Denn voraus geht der Nebensatz: käv bpolojwpev zäq äpapziaz Tjpcov. Zu deutsch also: So wir aber un s e r e S ün d e n b e k e n n e n, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Untugend. Wie man sieht, paßt diese Stelle hierher wie die Faust aufs Auge. Demi der Lohn für gute Werke hat doch mit dem Vergeben der Sünden gar nichts zu tun. Und kennt denn das Judentum nicht die Treue und Barmherzigkeit Gottes (נאמן!*פולח) beim Verzeihen der Sünden? Weiß das Judentum nicht von.dem Sündenbekenritnis, das zur Reinigung führt? Die Mischna Sanhedrin VI 2 berichtet, daß man dem zum Tode Verurteilten sagte : התודה ., שבל המתודה יש לו חלק לעולם הבא וכו׳ und. sämtliche Gebete am Versöhnungstage sind von diesem Grundgedanken erfüllt2. Es erübrigt sich, hier dies weiter auszuführen. Es sollte damit nur gezeigt werden, wie von M. die unpassendsten Gegenüberstellungen gemacht werden, um das Judentum herabsetzen zu können. Wenn M. beim angeführten Beispiel durch Unterdrückung eines Satzteiles seinen Zweck erreichen zu können glaubte, so treibt er im Kommentar zu III14 eine wahre Vogel-Strauß-Politik: Hier lehrt R. Akibä: Geliebt ist der Mensch, denn er ist im Bilde geschaffen . . . geliebt sind die Israeliten,, denn sie sind Kinder Gottes 1 Vgl. darüber noch weiter unten S. 12. 2 Vgl. auch Sifra Bechukkotai Perek 8^ (ed. Wbiß 112 b); שמיד שהם י מתוודים'על עונותיהם מיד אני חוזר ומרחם עליהם.

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