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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 1 · p. Seite 83

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 1
Article
Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
Date
1928-01-01
Page
Seite 83 (sequence 13)
Language
German
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83 Auf Geschäftsreisen nach Ungarn und Deutschland wurde die Um- Wandlung befestigt. Scheitel Hurwitz erzählt in seinem: Wawe ha-amudim, wie sein Vater, der Sch,lo ha-Kodesch, von den schonen Schuleinrichtungen der jüdisch-spanischen Gemeinde in Amsterdam hochentzückt war. Diese Erzählung gab Perl, wie er selbst seinem Biographen Dr. Horowitz erzählte, die Idee zu seiner Schulgründung ein, die jedoch ganz den Bedürfnissen der galizischen Heimat angepaßt wurde. Die sich immer mehr entwickelnde Schule veranstaltete bald besondere Kurse für Unterricht im Handwerk, in Frauenarbeiten und kam in den Besitz einer großen, jedermann zugänglichen Bibliothek. Perl führte auch eine epochale Neuerung in der jüdischpädagogischen Jugendliteratur ein. Er gab drei Jahre lang, 1814 bis 1816, den Zir Neemann heraus, die erste hebräische Zeitschrift für die jüdische Jugend. 1836 kam die Reihe an die gottesdienstlichen Verbesserungen. Der große Reformator war in Galizien der erste moderne jüdische Prediger, seine Predigten zeichneten sich durch Lebensfrische, und schlagfertigen Witz aus. Um eine Versöhnung zwischen Orthodoxen und Maskilim herbeizuführen, berief er Salomo Leib Rapoport als Rabbiner nach Tarnopol, Das war jedoch ein Mißgriff, der zu zahlreichen Kämpfen führte und sein Ende beschleunigte. All die Jahrzehnte hindurch war Perl die tonangebende jüdische Persönlichkeit in Galizien. Nach Uebergang des Tarnopoler Landes an Oesterreich erhielt er von Alexander I. eine goldene Ehrenmedaille. Wegen dieses Juden, so soll der Kaiser erklärt haben, sei es ihm schwergefallen, den Landstrich an Oesterreich abzutreten1. Nachdem die Schule 1819 das Oeffentlichkeitsrecht erhalten hatte, empfing Perl 1821 von Kaiser Franz eine hohe Auszeichnung und die Ernennung zum lebenslänglichen Direktor seiner Schule mit dem Rechte, seinen Nachfolger selbst zu ernennen. Im selben Jahre wurde er von der Landesregierung nach Lemberg berufen, um die Ausarbeitung des neuen Judensystems, das damals hätte eingeführt werden sollen, durch seinen Rat zu fördern. Während seines damaligen Aufenthaltes in Lemberg dürfte es geschehen sein, daß er, das Haupt der galizischen Maskilim, dem Führer der galizischen Konservativen, Jacob Orenstein, den Vorschlag machte, mit den Maskilim ein Uebereinkommen zu schließen und der Gründung von jüdischen Schulen, zunächst einer jüdischen Schule in Lemberg, nicht entgegenzutreten. Indes kam das Uebereinkommen nicht zu Stande2. Joseph Perl verdankt Tarnopol seine Stellung als Mittelpunkt der galizischen Haskala, die er 33 Jahre lang inne hatte. Alle Maskilim zollten Perl ihre Verehrung. Der von Lippmann Zunz und Edward Gans in Berlin begründete Kulturverein ernannte ihn zu seinem ordentlichen Mitglieds. Sein Tod wmrde in der ganzen slavischen und deutschen Judenheit tief betrauert. Salomo Leib Rapoport und Noe Mannheimer widmeten ihm tiefempfundene Nachrufe. 1 Hakol, V, Nr. 32 vom 13. 8. 1880, S. 488. 8 Hakol, V, Nr. 32, S. 488. 6*

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