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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 1 · p. Seite 80

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 1
Article
Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
Date
1928-01-01
Page
Seite 80 (sequence 10)
Language
German
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80 insbesondere aber den Ursprung des Aberglaubens bei den Juden. Viele abergläubische Gebräuche bei den Juden reichten noch in die yorsemitische Zeit zurück, viele seien durch die Berührung der Juden mit Aegyptern, Babyloniern, Griechen und Römern entstanden. Das Ueberhandnehmen des Aberglaubens unter den polnischen Juden sei vor allem dem Auftreten des Israel ben Elieser, des sogenannten Baal-Schem, zuzuschreiben. Die Charakteristik des Beseht, die Miesis nun gibt, ist ein schwarz in schwarz gemaltes Bild: Er sei ein unwissender in der Wildnis auf gewachsener Bauer gewesen, der den Bauern einige naturheilkundlichen Fertigkeiten abgeguckt habe. Das Hauptmotiv seines Handelns sei der Ehrgeiz gewesen. Um ihn zu befriedigen, habe er als Naturheilkünstler und Wundertäter gewirkt, habe häufig — sogar während der größten Fröste.י— Bäder genommen, sich in Gebete versenkt, die ein verrückter Träumer unlängst verfaßt habe und endlich das Studium unverständlicher Bücher, die die Menge Chochmat ha-Kabbala nenne* auf sich genommen. Das sind harte Worte, die der Baal- Schern sicher nicht verdient hat. Aber man muß Miesis zugute halten, daß der Chassidismus, der anfangs eine notwendige willkommene Reaktion des Herzens und der Phantasie gegen den kalten rabbinischen Formalismus und geistestötenden Pilpulkram bedeutet hatte, bald in Wunderglauben und Wissensscheu ausgeartet war. Die Maskilim hatten noch nicht die nötige Distanz gewonnen, um ihm als historischer Erscheinung gerecht werden zu können; sie sahen in den Chassidim bloß die Gegner, die ihre edlen Bestrebungen, das Volk aufzuklären, durchkreuzten. Das für uns wichtigste dritte Gespräch enthält die Definition, Einteilung und Erklärung der jüdischen Minhagim. Zunächst werden die Minhagim ],scharim genannt, die zu billigenden, vernünftigen Minhagim; das seien Tätigkeiten, die dem Menschen wichtige historische Fakten nahebringen sollten; Ereignisse, die ihm oder seinen Voreltern widerfahren seien, Taten, die Gott für sie bewirkt habe, sollten durch diese Bräuche lebendig erhalten werden. Mieses unterscheidet zweierlei Minhagim j'scharim, solche, die in der Thora erwähnt sind und solche, die sich aus anderen Quellen herleiten. Zu der ersten Gruppe gehörten vor allem die Bräuche, die es den Juden ermöglichen sollten, in Palästina glücklich zu werden. Manche seien vorsemitischen Ursprunges; sie seien aber von der weisen Vorsehung als heilsam für das Volk mit kleinen Aenderungen beibehalten worden, so z. B. die Leviratsehe. Manche sollten an die Wunder und Wohltaten Gottes, andere an seine durch Moses offenbarten Gebote erinnern. Wieder andere seien dazu bestimmt gewesen, . den Gegensatz zu heidnischen, bisher auch von den Juden geübten Kulten zu betonen; hierher gehöre z. B. das Verbot, Fleischspeisen in Milch zu genießen, eine Satzung, die gegen gewisse heidnische Feierlichkeiten gerichtet gewesen sei, für die man die Speisen in dieser Weise zubereitet habe. Viele Minhagim endlich seien ,,ssjagim“, — Zäune — für Mizwot ssichliot, die sonst von der Menge übertreten werden könnten. Zur zweiten Gruppe der Minhagim seien besonders die Be- Stimmungen zu rechnen, die nach der Zerstörung des zweiten Tempels

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