Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 9)
- Language
- German
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79 geißelt Miesis die Käuflichkeit der Rabbinerposten, die ausschließliche Beschäftigung der Juden mit ,dem Handel und die Unwissenheit der Rabbiner in weltlichen Angelegenheiten. Er wendet sich auch gegen den unmethodischen, einseitigen Talmudunterrieht, der es gegen die Absicht der Führer des Judentums bewirke, daß die Jugend zu früh sexuell aufgeklärt werde, endlich auch gegen die verschnörkelten, charifut- und b'kiutvollen Predigten der Rabbiner, die, wenn sie schon einmal Mussar und Zedaka empfehlen, so unpädagogisch vorgingen, daß eine günstige Wirkung auf die Zuhörer unmöglich werde. Miesis Lebenswerk ist das Buch: Kinat ha-Emeth1, das 1828 in Wien erschien, nachdem Bruchstücke bereits 1824 in Meir Letteris*' ,,Haz’fira“ abgedruckt worden waren. Ueber die Tendenz des Buches belehren uns gleich am Eingänge ein Doppelmotto und ein eigener Sinnspruch, wrorauf erst ein sehr ausführliches Wort an den Leser folgt. Das erste Motto ,,Wer ist ein Weiser? Der von jedermann lernt“, bezieht sich augenscheinlich auf die Ausnützung sämtlicher jüdischer und allgemeiner Quellen bei der Abfassung des Buches. Das zweite, dem Briefwechsel Friedrich II. entnommene Motto untern streicht die erhebende* jeglichen schädlichen Aberglauben fernhaltende Wirkung der wahren Philosophie. Im Sinnspruch will der Verfasser nach althergebrachter Maskilim-Art von Maskilim anerkannt, von Dummköplen geschmäht werden. Ihr Kläffen, sagt er* werde ihm Glück und das Wohlgefallen Gottes bringen. Die Einleitung spricht zunächst von dem Nutzen, den das Buch durch die Entdeckung der Quellen des Aberglaubens stiftet: Der Aberglaube, der Glaube an Schedim und Kischuf, habe den den Juden in politischer Beziehung so schädlichen Haß gegen Andersgläubige erzeugt und die Ausbreitung zahlreicher törichter Gebräuche sowie die Entstehung der Beschtsekte bewirkt. Nur wer an böse Geister und Zauberer glaube, könne den Führern jener Sekte Vertrauen entgegenbringen und sie in allen Fällen des Lebens, zumal in Krankheitsfällen, um Rat fragen. So sei jeder Maskii, der den geistigen und bürgerlichen Aufschwung des jüdischen Volkes wünsche, verpflichtet, gegen den Aberglauben zu schreiben und die Abergläubischen durch Darlegung triftiger Gründe zu überzeugen. Obendrein schade der Aberglaube dem ganzen Menschengeschlechte. Die Abergläubischen haßten ihre eigenen Brüder, ziehen sie der Ketzerei und suchten, ihnen zu. schaden..- Der Verfasser beabsichtige vor allem, nachzuweisen, daß alle falschen Ansichten und Bräuche im Judentum heidnischen Ursprungs seien, wodurch er alle Hindernisse nützlicher Reformen hinwegzuräumen gedenke. Es sei überhaupt Pflicht eines jeden rechtlich denkenden Volksfreundes, ohne Rücksicht auf die momentanen Folgen, seinen geistesarmen Brüdern die Wahrheit nahezubringen. Das eigentliche Werk besteht aus drei Gesprächen in der Geisterweit zwischen Rabbi Moses ben Maimon und dem Verfasser des Merkabat ha-Mischna. Das erste und zweite Gespräch behandelt den Ursprung der Abgötterei und des Aberglaubens im allgemeinen, 1 Kinat ha-Emeth. Kritik des rabb. Judentums.nebst Likute P’rachim aus den Schriften jüd. Gelehrten über Dämonen etc. Wien 1828, Lemberg, A. M. Wolf, 1879.