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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 1 · p. Seite 77

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 1
Article
Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
Date
1928-01-01
Page
Seite 77 (sequence 7)
Language
German
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77 Besonders glücklich war Bloch im Prägen charakteristischer Redewendungen, die als Sprichwörter in den hebräischen Sprachschätz der jüdischen Gelehrten übergegangen sind1. VIII. Der Theoretiker der gali zischen Haskala. J’huäa Lob Miesis 1. Miesis vornehme Herkunft. J. Caro, Geschichte der Juden in Lern her״. Krakau, J. Fischer, 1894. S. 148. 2. Aufnahme des Kinat ha־Emeth bei den Zeitgenossen. Briefe und Beiträge betreffend das Werk Kinat ha-Emeth, Bikkure ha-Itim 5591 (1830). S. 126 bis 142. 3. Besprechung des Kinat ha־Emeth in der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums“, I, 1828, Nr. 84, Rubrik Religionsphilosophie. 4. Mieses Leichenbegängnis. Wiener Blätter, 1851, S. 188. 5. Miesis als Maecenas der israelitischen Studierenden. Dr. Porjes Biographie von S. J. Rapoport: Ha-Schachar, I, 1868, S. 26. 6. Miesis und der Bann gegen die Maskilim ha-Kol, V. Königsberg 1880, Nr. 25, 26: Aus dem von Nr. 21—48 ibidem sich fortziehenden Pamphlet des Lemberger Schriftstellers Jakob Chaim Korn (Anagramm Jachiak starb 18. 4. 1885) gegen den Redakteur Josef Kohn Zedek: בסלון בן פרכך הפרעתוכי. Es enthält auch ein Bündel überaus ־wichtiger Erinnerungen zur Geschichte der gali zischen Haskala. War Simson Bloch das einigende Prinzip der Haskala, der M'chabber, so war J'huda Löb Miesis ihr Vorkämpfer, ihr Feldherr, ihr Stratege. Sein ganzes Lebensgeschick stand unter ihrem Banne, die Kämpfe um sie warfen ihren diistern Schein sogar auf seine Bahre. Einer alt jüdischen Lemberger Gelehrtenfamilie entstammt, die sich im 18. Jahrhundert eines Resch-M’tibta rühmen durfte, durch Reichtum, allgemeine und jüdische Gelehrsamkeit, sowie durch männliche Kühnheit und Wohlgestalt ausgezeichnet, war der am Ende des 18. Jahrhunderts geborene Jlruda Löb Miesis schon 1815 neben Salomo Löb Rapoport, der eigentliche Führer der Lemberger Maskilim. .Als der greise Rabbi Jakob Orenstein in Gegenwart der Regierungs- Vertreter in der vollgepfropften Synagoge den gegen clie Maskilirii geschleuderten Bann zurückrufen mußte und dies mit leiser undeutlicher Stimme tat, rief ihm der hinter seinem Rücken stehende Miesis zu: Lauter, Rabbi2. Das war kein Akt roher Brutalität, wie es manche haben wollen;, in Miesis war nur der Wunsch lebendig, der Mann, der seinem Ideale, nicht ihm persönlich — der M'juchas J'huda Lob Miesis war vom Bann unberührt geblieben — die größte Schmach angetan, möge öffentlich widerrufen. Indes mußte auch J’huda Löb Miesis die Folgen des Cherem tragen. Viele fromme Schwiegerväter und Schwiegermütter erfuhren erst jetzt, daß ihre ,,seidenen jungen Leute“, ihre Schwiegersöhne, anstatt sich im Bet-Hamidrasch des Studiums der dicken Talmud- und Poskimfolianten zu befleißigen, sich in geheimen Konventikeln an schmächtigen Büchlein ergötzten, die kurze punktierte Zeilen enthielten. Das war offenbare Ketzerei, und so mußten denn nach hochnotpeinlichen Verhören an die fünfzig Paare junger Eheleute auseinandergehen. Dieses Schicksal ereilte auch das junge Ehepaar Miesis. Und nun offenbarte sich ein wunder- 1 :N. Sokolow Ha־asif IV, 1887, D. Kaliane Mischle am S. 125—131. 2 Hakol V, Nr. 25-vom 25. 6. 1880, S. 382׳,. Königsberg.

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