Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 2)
- Language
- German
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72 in allen Lagern. Er schreibt nun Bücher, die wie anmutige Plaudereien, und Briefe, die wie Abhandlungen anmuten. Ihr Zweck ist ihnen an die Stirne geschrieben. Sein Erstlingswerk ist ein Neudruck des אגרת הרשב״א ותשובת הבדרשי, des Sendschreibens R. JedajaBedarschis an R. Salomon bei! Aderet (1235—1310) zur Verteidigung des philosophischen Studiums. Lemberg 1809. Die Finsterlinge hatten sich hinter die Autorität des רשב״א verschanzt, der an die אצילי פראוואנס■ jenes geharnischte Schreiben gegen das voreilige Philosophiestudium erließ. Bloch w׳eist nach, רשב״א selbst wende in seiner talmudischen Exegese philosophische Grundsätze an, sein bewußtes Schreiben sei auf Informationen eines Fanatikers zurückzuführen. Blochs nächstes Buch תשוצת ישראל (Wien 1814) ist eine Bearbeitung der Vindiciae Judaeorum, der Apologie des Judentums von Menasse bei! Israel, 1656, die er Cromwell überreichte, nach der Marcus-Herzschen deutschen Uebersetzung mit Mendelsohns Einleitung. Eine ausführliche literarisch-historische Einleitung: Eine kurze Geschichte des Bildungswesens, bei den Juden sowie der hervorragendsten Maskilim seit der Zerstörung des zweiten Tempels bis in die Neuzeit, macht das Büchlein berühmt. Hier ist der galizisehe Haskalastil bereits fix und fertig. Es wird schon fleißig von מלחמת החכמה, ריב החכמה נקמתה בבדה und דו כבודה gesprochen. In seinen weiteren Werken entwickelt sich Bloch, der ältere Zeitgenösse Rapoports zu dessen Nachahmer, er wird ein kleiner Rapoport. Rapoports Beschreibung der Insel Elba (1814) dürfte Bloch zu seinem Hauptwerke שבילי צולם angeregt haben. (Zolkieu-Lemberg, 2 Bde., 1821—1824—1855.) Das Buch erregte förmlichen Enthusiasmus, es wird nach der Sitte jener Zeit, vor der ausführlichen הקדמה, von Gönnern und Freunden besungen. Einer dieser Sänger, der damals noch blutjunge Rabbi Zewi Lerner, der nachmalige berühmte Grammatiker, sagte: בלמדך שבילי עולם נהיית נם למורה דרך׳ בדרכי צחות. im Beginne steht eine begeisterte Lobhymne auf Brody und dessen Maskilim. Dann beruft sich der Verfasser auf den Wilnaer Gaon, der seinen Schüler Baruch Sklow, den Uebersetzer des Euklides, aufgefordert hatte,, vieles ins Hebräische zu übersetzen. Die Wissenschaft erlaube uns genauer die Thora zu erkennen. Die Thora empfehle nach manchen Kommentaren: כיהיאחכמתכם״^, die Sternkunde. Besonders nützlich aber sei die Kunde unseres Sterns, der Erde und der auf ihr wohnenden Wesen. Er werde daher also in seinem Buche manches schildern, was nicht einmal der ראשית למודים von Baruch Lindau enthalte.. Sein Hauptwerk aber sei durch nationale Interessen bestimmt. Er wolle den Nichtjuden zurufen können: Verspottet nicht den kleinen Wurm Jacob, weil er sich das auserwählte Volk nennt! Israel ist das Volk, von dem das Licht floß, welches die ursprüngliche Finsternis verscheuchte, als noch die Tempel aller Völker Stätten der Unzucht waren. Er lehrte die Menschheit Gott nach seinen Eigenschaften als Quell aller . Vollkommenheit erkennen, vermittelte ihnen die Kenntnisse, die sich die Philosophen nach dreitausend Jahren im Schweiße ihres Angesichts aneigneten. Wenn ihr Christen an einen einzigen Gott glaubet, wenn eure Glückseligkeit auf der Liebe zu Gott und seiner Schöpfung beruht, so habt ihr es uns Juden zu verdanken.