Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 1)
- Language
- German
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71 Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien1. Von Dr. M. Weißberg in Stanislau. (Fortsetzung) VII. Ein Genosse der Großen. JEtabhi Samson Bloch geh. 1. Tamus 5544 (1784) in Kuliköw bei 2ö!kiew, starb das. 18. Tischri 5606 (1845). 4. Jechiel Meller: Biographie Simson Bloch’s in Stern’s Kochbe Jizchak, Heft VII, VIII, IX. 1847—48. 2. Dr. M. Letteris: Biographie S. Bloch’s in ״Memoiren“ S. 97—112. 3. G. Bader: Simson b. Izchak Halewi Bloch im ‘יזר פרחים Warschau 1896. S. 15—20. 4. Rüben Fahn: Samson Bloch in Wien, in ״Die Kaskalah“ — Aufklärungs- Periode in Wien. I. Band. 1919. Kap. IV, S. 50—52. Ein ganz originelles Organ der galizischen Haskala war der Mechabber. Er begnügte sich nicht damit, die in den Köpfen und Gemütern gärenden Ideen und Wünsche zusammenzufassen, in Worte zu bannen und in Umlauf zu bringen, nein, er suchte auch den Zusammenhang zwischen den einzelnen Bekennern und Parteien, zwischen Parteigenossen und Lesern, zwischen der Partei und der Gesamtheit herzustellen. Sein äußerer Habitus — den Allüren und der Lebensführung nach, war er meistens ein frommer, polnischer Jude — und die durch seine Verhältnisse gebotenen Wanderungen, erleichterten ihm diese Aufgabe. Sprach man aber im jüdischen Galizien zwischen 1815 und 1845 von einem Mechabber, so meinte man sicherlich Rabbi Samson Bloch aus Kuliköw, der sich als solcher in die Phantasie der damaligen Maskilim eingeprägt zu haben scheint. Da kommt der Mechabber mit Buch, Stock und Ranzel — schreibt Jakob Samuel Bick an Salomon Löb Rapoport in einem Beschwerdebriefe über den gemeinschaftlichen Bekannten2. Geburt und Lebensumstände haben ihn geradezu zum Haskalamechabber prädestiniert. Als junger Mensch, der seinen Stammbaum auf den ,,Nezach- Israel“, den Lehrer Mendelsohns zurückführen und sich der Verwandtschaft mit Salomon Löb Rapoport und Rabbi Baruch Neu, dem Oberlehrer der Josefinischen Normalschule in Zolkiew — rühmen konnte, kommt er nach den im Ghetto üblichen Lehr- und Kostjahren in Zamo£c — mit Hilfe Neus hatte er T’nach lernen dürfen —- 1813 nach Wien, wo er in dem mit einer Druckerei verbundenen hebräischen Verlag des berühmten Anton von Schmidt als Korrektor und Ratgeber die Stelle des ein Jahr vorher (1811) verstorbenen Beusew einnimmt. Die Sehnsucht nach seinem Heimatstädtchen treibt ihn aus dem Bücherparadiese fort, er wird ein Mechabber, ein Mann von Welt und Wissen, ein Mann der vielen Bekanntschaften 1 Zu den Bemerkungen des Herrn Dr. Rawidowicz, S. 466 des vorigen Jahrgangs, möchte ich nur bemerken, daß von der Zeitschrift Haschiloach Jahrgang 1926, Heft 1 und 2 trotz mehrfacher Anforderung nicht in Stanislau angekommen ist. Ausdrücklich möchte ich ferner betonen, daß ich die Ausgäbe der Schriften Krochmals durch Herrn Dr. Rawidowicz und namentlich die ihr vorausgeschickte Einleitung für äußerst wertvoll und verdienstlich halte. 2 Ozar Hasifrut, IV. Band, S. 266.