Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein Beitrag zu der verschollenen Kuzariübersetzung des Jehuda ben Cardinal
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 3)
- Language
- German
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68 Versuchen wir aus der Vergleichung der. beiden Uebersetzungen das Zeitverhältnis abzuleiten, so treten uns manche Erwägungen entgegen, welche für die Behauptung Moscatos sprechen: 1. Nennt ja bereits Salomo ibn Äjjub in seiner Vorrede zur Uebersetzung des ״Sefer ha־Mizwoth“ (gegen 1240) diejenige Methode, welche den Inhalt in beliebigem Ausdruck wiedergibt, als die der alten Uebersetzer (Qadnionim)1. Wie wenig sich Cardinal um den Ausdruck kümmert, haben wir ja gesehen, und in seiner Vorrede bekennt er sich ganz offen zu dieser Methode, indem er erklärt, daß er zwar ,,in der Rede (Worten) manches hinzufügt und wegläßt, den Inhalt jedoch nach Möglichkeit nicht entstellt“2. 2. In den Vorreden —- wo diese vorhanden sind — derjenigen Uebersetzer, welche eine vorangehende Uebersetzung vor sich hatten, linden wir in der Regel eine Erwähnung derselben, und eine Recht-;fertigung ihrer neuen Uebersetzung; man lese z; B. die Vorrede Charisis zu seiner Morehübersetzung und Jehuda ibn Tibbons Yorrede zum zweiten Abschnitt des ,,Hobhoth ha-Lebhabhoth“. Dagegen erwähnt Cardinal mit keiner Silbe in seiner. Vor rede, irgend einer vorangegangenen Uebersetzung. 3. Es scheint fast unmöglich, daß ein Uebersetzer des 13. Jahrhunderts im stände gewesen wäre, sich, dem Einfluß ibn Tibbons dermaßen zu entziehen, daß er nicht einmal Ausdrücke und Wendüngen, welche Gemeingut geworden; sind, sich aneignete, sondern an deren Stelle Umschreibung setzt, die das Kennzeichen einer armen Sprache sind3. IT. Wie verhalten sich um diese beiden Uebersetziuigea׳ zu ein״' ander? Allgemein wird angenommen, daß die vielen Varianten im tibbonischen Texte zum großen Teil von der Cardinälschen Ueber- Setzung herrühren4. Eine nähere Betrachtung jedoch der ganz anders gearteten Stile muß uns davon überzeugen, daß die eine Uebersetzung nicht im stände war zur Erzeugung von Varianten in der andern beizutragen, die meistens einzelne Ausdrücke betreffen. In der Tat findet keine einzige Variante in denjenigen Stellen, wo die Cardinalsche Uebersetzung vor uns daliegt, in derselben ihre Begründung. Sollte daraus gefolgert werden, daß die beiden Uebersetzungen nichts mit einander gemein haben? Fast möchte man geneigt sein dies zu bejahen, wenn uns nicht ein Umstand davon abhalten würde, die absolute Unabhängigkeit der beiden Uebersetzungen zu behaupten. In einer Stelle des tibbonischen Textes findet sich ein Passus, der im arabischen Original nicht vorhanden ist. Bei der peinlichen Treue der Uebersetzung ibn Tibbons muß das auffallend erscheinen, zumal auch sonst der Satz in den Stil des wortkargen Tibbun nicht hineinpaßt. Nun finde ich in einem meiner Fragmente der Cardinalscheh 1 Steinschneider, Hebr. Uebersetzung, ,.Berlin 1893, S. 928—29., 2 Gassei, a. a. o. ואם אוסיף ואגרע במדבר לא אשחית העדן כפי יכלתי. , 3 So’fehlen die Termina של.לד», חיוה in der Bedeutung Affirmation und Negation, עצם Substanz, יחסלו jemandem zuschreiben, :גשם Körper, ־= תאר Attribut, כח Potenz, הגביל determinieren, מופת Demonstration und drgl. mehrere. 4 Cassel, Einl. a. a. O.; Steinschneider a. a..Q.; Hirschfeld; Vorwort und Anmerkungen. . ,, . . 1