Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Deuteronomiumfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 22)
- Language
- German
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45 wider uns entbrannte, weil unsere Väter nicht horten auf die Worte dieses Buches, in allem so zu tun, wie es in ihm geschrieben ist" (II B. Kön 2213)h Eine solche Sprache wäre unmöglich gewesen, wenn der leiseste Argwohn bestanden hätte, daß das Werk erst vor kurzem verfaßt worden wäre. Von einer Schuld, die durch Mißachtung seiner Vorschriften entstanden war, hätte nicht die Rede sein können, wenn das Buch nicht schon zu Zeiten der Väter Vorgelegen hätte. Man konnte von ihnen nicht Gehorsam erwarten gegenüber Gesetzen, die noch nicht erlassen worden waren; und man konnte weder von ihnen noch von ihren Nachkommen annehmen, daß sie diesem Gesetz gegenüber verpflichtet waren. Und so ist es mit dem ganzen übrigen Bericht und überhaupt mit dem gesamten biblischen Material. Nirgends gibt es auch nur den Schatten eines Verdachtes, daß das Buch nicht war, was es zu sein vorgab. Wenn man die ungeheure Wucht dieser Tatsache bedenkt, muß man die Dinge berücksichtigen, die das Urteil jener Kreise beeinflussen, denen die Erforschung der Wahrheit Herzenssache ist. Im Gerichtswesen hat die Erfahrung von Jahrhunderten zur Bildung von Beweisregeln geführt, und wenn eine Handlung wie die vorliegende zum Gegenstand einer juristischen Entscheidung gemacht würde, käme man. zweifellos zu dem Urteil, daß das Buch alt sei. Die Gründe dafür wären ungefähr folgende; Die Zeitgenossen hatten alle zugehörigen Tatsachen vor sich. Sie sahen das Buch und konnten beurteilen, ob die Erhaltung des Buches, die Schrift usw. auf ein Werk neueren oder älteren Datums schließen ließen. Sie kannten die Umstände der Entdeckung, wo, wie und wann es aufgefunden worden war, wer zu der Stelle, an der es sich befand, Zutritt hatte, wie und wann es dort niedergelegt worden, wie das Volk dazu gekommen sein konnte, seine Gesetze aus den Augen zu verlieren und zu vergessen usw. Sie konnten ganz genau Hilkias Beweis prüfen und sein Verhalten beobachten. Sie waren mit seinem Charakter und seinen Fähigkeiten bekannt und waren imstande, sich ein sicheres Urteil darüber zu bilden, ob es ihm zuzutrauen war, sich zu einem Betrüge herzugeben oder sich von Leuten an der Nase herumführen zu lassen, die ihrerseits einen Betrug zu vollbringen trachteten. Als sie den Ausspruch hörten: ,,ich habe das Gesetzbuch gefunden" (228) (ספד התורה, nicht ein Gesetzbuch), waren sie auf Grund ihrer eigenen Kenntnis imstande zu sagen, ob es eine bekannte Tatsache sei oder nicht, daß ein solches Buch existiert habe und verloren gegangen sei. Ferner gab es die stärksten Motive, das Buch als unecht zurückzuweisen. Ungeheuer und machtvoll waren die festgegründeten Interessen, die es schädigen mußte. Weder die Götzenpriester, die es zum Tode verurteilte, noch die Priester der Höhen, die es vertrieb, können ohne Einfluß auf das Volk gewesen sein, dem sie den Gottesdienst abhielten. Der ungeheure Apparat des Heidentums, von dem wir lesen, beweist das Dasein einer Menge von Juden, die in der Tat Heiden waren. Auch konnte weder König noch Volk übermäßig geneigt sein, ein Gesetz anzunehmen, das ihnen die 1 Lies עליו für עלינו; vergl. Kittel, Biblia Hebraica zur Stelle.