Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Deuteronomiumfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 20)
- Language
- German
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43 eines fremden Volkes sein müsse (1715), während doch schon seit langen, langen Zeiten unwidersprochen die Erbfolge in Davids Familie stattgehabt hatte, und weiter darauf, daß er ,,das Volk nicht veranlassen solle, nach Aegypten zurückzukehren“ (1816), wozu sie in den Tagen des Moses bei jeder Schwierigkeit gleich bereit waren (Num 144), was aber keiner auch nur im Traume nach der Fest- Setzung in Kanaan noch beabsichtigte1.“ Noch eine andere Ueberlegung mag hinzugefügt werden. Ein auffallender Gegensatz ist festzustellen zwischen der Behandlung der Aegypter Dt 238 f. und der Weissagung der Zukunft Aegyptens Jes 19. Der Gesichtskreis hat sich ungeheuer geweitet. Im Gesetz wird nur festgestellt, daß der einzelne Aegypter nicht gehaßt werden soll und im dritten Geschlecht zur Gemeinschaft des Ewigen zu־ gelassen werden kann. Der Prophet aber sieht die Bekehrung des ganzen Volkes voraus, das dann als Gottes Volk gleichberechtigt neben Israel stehen würde. Israel würde nicht mehr das einzige Volk sein, sondern das dritte neben Aegypten und Assyrien. Zwei־ fellos ist der begrenztere Ausblick der frühere, und jahrhundertelange Erfahrung und Ueberlegung liegt zwischen ihm und der Vision des Propheten. Auch die Erzählung II Kön 22 f. spricht nicht für die Ansicht, daß das Deuteronomium eine Schöpfung neueren Datums sei2. Josia brachte Priester der Hochstätten (die Priester des Ewigen gewesen zu sein scheinen und nicht Chomarim), nach Jerusalem, 1 W. H. Green, Moses and the Prophets. S. 63 f. in Dahse’s Uebersetzung. Wie steht’s um den Pentateuch? S. 100. Ich bin aber nicht überzeugt, daß man Dt 17U ff. ,,König“ lesen muß; vgl. meine Pentateuchal Studies. 1912, S. 157—168. 2 Ueber diese Erzählung mögen rasch eine oder zwei Bemerkungen folgen: 1. Viel Bedeutung ist dem massoretischen Text von 2 220 beigelegt worden, demzufolge Josia ,,in Frieden“ sterben sollte. Ich zweifle nicht, daß hier eine Corruption des Originaltextes vorliegt, in dem es — wie in einigen griechischen Abschriften — ״in Jerusalem“ heißt (vgl. Field, Hexapla z. St.). Wenn in einem hebräischen Text die Buchstaben TT verdorben worden wären, würde das unsere heutige Lesart erklären. 2. Es ist oft angenommen worden, daß das Gesetzbuch zwei Mal an einem. Tage gelesen wurde. Das ist durchaus möglich, wenn das Deuteronomium oder der größere Teil des Deuteronomium gemeint ist, aber unser Text sagt nicht, daß es geschah. Der König sandte Scliaphan nach dem Tempel zur Verrichtung einer Arbeit, die eine Zeitlang dauern würde, wir wissen nicht, wie lange (2238״). Er kann 2 oder 3 Stunden später zurückgekehrt sein oder zu derselben oder zu irgend einer anderen Stunde sonst an einem der folgenden Tage. Der Text kann beides bedeuten (9), denn er erfordert zu seinem Verständnis, daß wir den Gang der Tagesgeschäfte Josias kennen, und die kennen wir nicht. 3.' Es ist nicht richtig, die Erzählung von der Reform zu äußerlich zu erklären, und genau zu fragen, wo wir für jede Handlung im Pentateuch eine Motivierung finden können. Aus Kap. 2217 geht hervor, daß man wegen Apostasie Böses befürchtete (vgl. M. Kegel, Die Kultus-Reformation des Josia, 1919, S.;4L, Staerk, S. 28 f.). Das stand durchaus im Widerspruch zur Lehre des Deuteronomium, und jede Handlung, die mit der Anbetung des Ewigen unvereinbar war, ist deshalb in seiner Lehre ins Auge gefaßt, ob nun deutlich ausgesprochen oder nicht. Jeder wußte z. B., daß es mit der vollkommenen Pflichterfüllung Gott gegenüber nicht vereinbar war, ein Kind für den Moloch durchs Feuer zu führen, 2310. Infolgedessen war Josia gezwungen, die Aus- Übung dieses Brauches zu unterdrücken, ob er nun ausdrücklich in seinem Gesetzbuch verurteilt würde oder nicht.