Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Deuteronomiumfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 19)
- Language
- German
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42 Scheidungen wie Mord und Totschlag oder unverschuldetes und verschuldetes Vergehen (Deut 22^) werden auf die elementarste und schwerfälligste Art ausgedrückt. Dasselbe zeigt Num 1522-31, mit der unzulänglichen Unterscheidung zwischen fahrlässigen Vergehungen und solchen ,,mit erhobener Hand”. Auch die ganze ״physiologische Psychologie”, die in den Verordnungen über ,,rein” und ״unrein” usw. zum Ausdruck kommt, zeugt deutlich für den niederen Grad der Reflexion, den das Volk erreicht hatte. Die geringe Verwendung der Schreibkunst für gesetzliche Zwecke ist ebenfalls bedeutsam. Rechtliche Beweisgründe: Hier ist die Maschinerie besonders primitiv. Einige Formen der Todesstrafe und Prügelstrafe sind fast die einzigen Strafformen (außer der Geldstrafe), die ein Gerichtshof verhängen konnte. Nirgends findet man Gefängnis als Gerichtsstrafe1 2. So war die Todesstrafe die einzig mögliche Strafe für Mißachtung des Gerichtshofes und für viele andere Vergehen. Der Charakter der Gesetzgebung ist in hohem Maße die Folge der unvermeidlichen Mangelhaftigkeit des archaischen Rechtsverfahrens02. ״Gesetze vrerden niemals gegeben, um einen Zustand der Verhältnisse zu regeln, der schon seit Jahrhunderten vorüber ist und auf keine Weise ins Leben zurückgerufen werden kann. Was muß man dann aber von einer Hypothese denken, die die Gesetze des Deuteronomiums der Regierung des Josia und der eben vorhergehenden Zeit zuweist, als ihre Vorschriften, die Kanaaniter (2016-18) und die Amalekiter (2517-19) auszurotten, die es seit langer Zeit nicht mehr gab, so gänzlich unzeitgemäß waren, wie es heutzutage ein Gesetz in New Jersey wäre, das Prämien für das Töten von Wölfen und Bären aussetzen würde, oder ein Aufruf des Königs in Großbritannien, der die Vertreibung der Dänen gebieten würde? Ein Gesetz, das eine Eroberung fremden Bodens ins Auge faßte (2010-15), ,war doch gänzlich unsinnig für eine Zeit, wo es sich darum handelte, ob Juda gegen die Uebergriffe Babyloniens und Aegyptens seine eigene Existenz werde behaupten können. Ein Gesetz, das zugunsten Edoms (237, 8) sich gegen Ammon und Moab entschied (233, 4), hatte seine Geltung in der mosaischen Zeit, aber nicht in der der späteren Könige. Jeremia entschied sich genau für die andere Seite, indem er (4847) Moab und (496) Ammon eine zukünftige Wiederherstellung verheißt, sie aber (4917,18) Edom versagt, das übrigens ja auch bei Joel (319), Obadja und Jesaja (63!^) der ausgesprochene Feind des Volkes Gottes ist. Die Anspielungen auf Aegypten bezeugen eine Vertrautheit mit jenem Lande und ein kürzliches Wohnen in ihm.Und wie können Gesetze der Zeit des Josia angehören, die wohl für die Zukunft die Möglichkeit der Wahl eines Königs ins Auge fassen (1714ff.), die aber nirgendwo mit der wirklichen Regierung eines Königs rechnen, sondern die höchste Autorität einem Richter und einer Priesterschaft übertragen (178-12; 1917), und welche besonderes Gewicht auf das Erfordernis legen, daß der König ein Glied des eigenen und nicht 1 Das ist um so auffallender, als man in der Genesis bei den Aegyptern die Gefängnisstrafe schon angewendet findet. Aber die pentateuchische Gesetzgebung faßt nirgends solche Erlebnisse wie die eines Josef oder eines Jeremia ins Auge. 2 Murray’s Illustrated Bible Dictionary. 462b—463a.