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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 1 · p. Seite 40

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 1
Article
Zur Deuteronomiumfrage
Date
1928-01-01
Page
Seite 40 (sequence 17)
Language
German
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40 Wegen der allgemeinen Bedeutung des Gesetzes und wegen der außerkultischen Schlachtung verweise ich auf meinen kürzlich erschienenen Aufsatz ,,Einige grundlegende Irrtümer der Wellhausen־־ sehen Anschauung"* 1. Aber wir müssen auch in Betracht ziehen, was über ihre Unausführbarkeit gesagt worden ist (Löhr S. 181, Staerk S. 44—47). Zuallererst mag ein häufiges Mißverständnis richtig gestellt werden, das Staerk sich zu eigen gemacht hat (S. 46). Wenn im Passahgesetz (Dt 167) die Rede ist von einer Rückkehr zu Zelten, so ist dieser Satz aufzufassen unter Berücksichtigung der Bedingungen, die jetzt wie damals im heiligen Lande vorherrschend waren. Bei einer palästinischen Festeswallfahrt wie Nebi Musa bringen die Teilnehmer tatsächlich ihre Zelte mit, um vorübergehend darin zu wohnen. Der Ausdruck bedeutet also nicht, daß der Israelit in sein ständiges Haus zurückkehren soll, sondern nur in das Zelt, das er zu seiner Bequemlichkeit für die Zeit seiner Wallfahrt errichtet hat. Hos 1210 bezieht sich auf denselben Brauch2. Wenn man die allgemeine Ausführbarkeit des Gesetzes3 betrachtet, muß man sich verschiedene Erwägungen vor Augen halten. Wie Löhr bemerkt, muß es im Zusammenhang mit Ex 3424 gelesen werden.Es konnte überhaupt nur in Zeiten, wenn der Friede gesichert war, zur Ausführung kommen. Dann — und das ist wichtig für die Datierung — ist es gedacht füh ein. kleines Völkchen in eng begrenztem Lande. Das Israel des Deuteronomium ist das kleinste aller Völker (77). Jedes einzelne der sieben Völker, die herausgetrieben werden sollten, war größer als Israel (7X). Was das bedeutet, kann man sich vorstellen, wenn man daran denkt, daß die Jebusiter, die anscheinend nur Jerusalem und seine Umgebung besaßen, eins dieser sieben Völker sind. Selbst das Volk, das auf einem so kleinen und armseligen Gebiet zu leben vermochte, war noch größer als Israel4. Auch seine Eroberungen sollten anfangs nicht sehr umfangreich sein (722). Mit dem Wachstum der Bevölkerung, des Landbesitzes, des Reichtums und des Luxus mußte die Beobachtung des Gesetzes naturgemäß immer unmöglicher werden. Aber für einen kleinen Beduinenstamm war es durchaus durchführbar, wenn nur der Friede gesichert war. Vierzig Jahre lang hatte das Israel des Moses in der Wüste gelebt, ohne einen ständigen Wohnsitz, ohne Voreingenommenheit liest, wird auch erkennen, daß man ihm nicht ohne Grund diese ungewöhnliche Ehre erwiesen hat. 1 MGWJ 1927, 353 ff. 2 Einige andere Punkte seien kurz erwähnt. Ueber die Zeit des Darbringens der Erstlinge (Löhr, S. 179) vergl. H. M. Wiener, Essays in Pentateuchal Criticism 1910, S. 184, Anmerkung. Ueber das Pessachtier (Staerk, S. 47) vergl. ״The Main Problem of Deuteronomy, S. 17 f. Hauptproblem 24 f. Lölir nimmt mehr als einmal an, daß Pessach und Mazzoth ursprünglich getrennt waren und in vor-mosaische Zeit gehörten (S. 182,198). So schreibt er: ,,Pascha ist, wie allgemein angenommen wird, ein vormosaisches Fest, vermutlich auch das Mazzoth-Fest“ (S. 198). Hier kann ich ihm nicht folgen. Man könnte ebensogut sagen, daß es für beide Annahmen auch nicht den geringsten Anhalt gibt. Und ich sehe keinen Grund dafür, Vermutungen anzunehmen anstatt der vorliegenden Geschichtsüberlieferung. 3 Ueber Textfragen siehe Bibliotheca Sacra 1919, S. 216 f. 4 Wegen der Zahl der Israeliten siehe H. M. Wiener, Essays in Pentateuchal Criticism, S. 155—169 und Bibliotheca Sacra, 1919, S. 205 -209.

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