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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 1 · p. Seite 21

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 1
Article
Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 21 (sequence 16)
Language
German
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21 keine Juden wohnen durften in Betsche . . . Fraustadt . . . Opalenitza . . . Punitz . . . Rynarzewo . . .“ (S. 134) ist de jure richtig jedoch nicht de facto, vgl. Heppner-Herzberg S. 301, 401, Mitteil, des Gesamtarcli. d. deutschen J. IV 89. In Fraustadt durften sie in der dem Starosten unterstehenden Neustadt wohnen. In Punitz wohnten 1739 Juden aus Koben (אנשי קעמיר הדדים לע״ע בציר פוניץ, Rawitscher Chebrabuch S. 17 a). In Rynarzewo gab es Brauereipächter (Zeitschr. d. hist. Ges. f. d. Pr. Pos. VIII 55). In den Monatsheften ״Deutsche Blätter in Polen“, Posen 1924 ff., finden sich gleichfalls Nachrichten über das Ostjudentum, z. B. aus der Lodzer Großindustrie (II 26). Zu den ,,deutschen Namen Kongreßpolens'“ (S. 129) ist bei Neuhof (Nowydwor) das in den ,,Soncino-Blättern“ I 1751 über Johann Anton Krüger und seine hebräische Druckerei Gesagte zu vergleichen. ,,Die städtische Verfassung in Samter“ (S. 401 ff.) bringt manches über die Juden. Der Jude Jakob hat dort 1403 sechs Mark und die Zinsen seit achtzehn Jahren von einem christlichen Schuldner zu fordern. Er ist der Zweitälteste Samterer Bürger, der bekannt geworden ist1. ,,Das Privileg der Musici Instrumentales in L i s s a“ (S. 448 ff.) vom 11. September 1745 nahm zwar den jüdischen Musikern das ihrige und drohte, ,,allen denjenigen, die sich unterfangen werden, Jemanden mit Instrumenten zu bedienen, dieselben Ihnen wegzunehmen, zu zerschlagen und Sie sammt denselben, so Sie fordern lassen, von Unserer Stadt-Obrigkeit mit Hoher Strafe angesehen werden“, aber 1795 zählte man dennoch neun jüdische Musici, und auch im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts übten sie ungestört ihre Kunst aus2. ,,Kräfte polnischer Staatsgestaltung“ (III 457 ff;) waren seit etwa 1890 intensiv am modernen allpolnischen nationaldemokratischen Gedanken tätig. Roman Dmowski ist der praktische Politiker der ganzen Richtung. Interessante Streiflichter fallen auf jüdisches Geschehen. Sein Patriotismus ,,setzt sich den zersetzenden (weil nicht polnisch-national) jüdischen Bestrebungen entgegen“, sagt dem Judentum den schärfsten Kampf an und will den Bauer von Einflössen des Judentums frei wissen, das die Städte überschwemme. Auf der anderen Seite arbeiten in der sozialistischen Partei ihr Begründer St. Mendelsohn, der heutige Marschall Pilsudski und der ehemalige Präsident der Republik Wojciechowski. Rosa Luxemburg schafft für die reine Lehre von Karl Marx gegen den nationalen Sozialismus und hat Anhänger unter Gymnasiasten und Studenten, weniger bei den Arbeitermassen. Im Sozialismus war das Judentum stark vertreten, weil er Gegner des Antisemitismus war. Er war auch ein Widersacher des Zionismus. In national-sozialistischem Sinne galt es als unzuverlässig, und seine Verbindungen mit dem russischen 1 Piekoshiski, studya rozprawv i materialy z dziedziny historyi polskiej, Krakau 1902, VI 128. 2 Lewin, Gesell, d. Juden in Lissa, Pinne 1904? S. 24, Grunwakl, Mitt. z, jüd. Volksk. 1908, S. 155.

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