Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 15)
- Language
- German
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20 In derselben Zeitschrift (VII 13 ff.) bietet Ilse Rhode Bevölkerungstabellen und Nachrichten aus den Jahren 1799 und 1825 aus Westpreußen, die zum Teil mit anderweitigen nicht übereinstimmen. Für Tolkemit werden beispielsweise 4 Juden angegeben, dagegen werden in einer handschriftlich in meinem Besitz befindlichen ״Geschichte und Statistik der Juden in Tolkemit“, deren Verfasser mir unbekannt ist, für 1799 sechs jüdische Familien mit 36 Seelen namentlich aufgeführt1. Bei Danzig werden von Verf. 165 und bei Stolzenberg 204 Seelen angegeben. Es steht aber fest, daß von den Vorstädten Alt-Schottland bereits 1783 87 Gemeindemitglieder zählte, Langfuhr bereits 1775 47 beitragende Mitglieder hatte2, und auch Hoppenbruch 1792 nicht bedeutungslos gewesen sein kann, da es 4684 Thlr. Schulden hatte3. Schlochau soll 1799 18 Juden gehabt haben, aber 1777 und vorher sowie 1816 und nachher war dort ein Rabbinat4. Wenn auch zwischen 1793 und 1796 ein Brand wütete5, und zu Anfang des 19. Jahrhunderts eine Ausweisung stattgefunden haben soll6, so erscheint letztere zum Teil legendenhaft klingende Angabe noch nicht durchschlagend genug, um zu glauben, daß dort nur 18 jüdische Seelen gelebt haben sollen. Mit Recht bezweifelt die Verfasserin selbst, ob es mit der Zahl von nur 465 Familien [in den Städten] im Jahre 1799 seine Richtigkeit hat. In Stadt und Land zusammen gab es nach der offiziellen Konfessionsstatistik 83-9 jüdische Familien (1799). Aus dem Netzedistrikt sind von Verf. aus der Zeit vor 1799 nur aus vier Städten die Bevölkerungsziffern veröffentlicht, auf diejenigen von 1773 und 1788 wird nur hingewiesen. Aus der Zeitschrift der historischen Gesellschaft für die Provinz Posen VII 261, VIII184 f., Schmitt S. 208 sind mehr ersichtlich. Es gab 1799 in den Städten 13 834 Juden, 23 266 Evangelische und 20 964 Katholiken; demnach war ein sehr bedeutender Bruchteil jüdisch. Die Statistik aus Südpreußen bedarf der Berichtigung und Ergänzung nach Heppner- Herzberg, Aus Verg. u. Gegenw, d. J. in den Pos. Landen, Bromberg-Koschmin 1904 ff., S. 301, 321, das Jahr 1793 S. 488, Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden IV 79 L, Sirisa, Beschreibung von Südpreußen und Neu- Ostpreußen, Leipzig 1797, S. 447. Verf. zählt die Juden mit Recht kulturell und sprachlich zu den Deutschen (S. 28). Der Pierausgeber der Zeitschrift, Alfred Lattermann, Stellt (VIII 137) fest," daß nach dem fünfzehnten Jahrhundert ,,verschollen ist der deutsche Name Strim für Schrimm“. Die Juden wraren hier besser im Deutschtum verwurzelt. Strim findet sich bei ihnen beispielsweise 1597, 1631, 1680, 1721, 17727 und öfter. Walter Maas, die Entstehung der Posener Kulturlandschaft (X 99), zählt für 1795 in Polen 900 000 Juden und 500 000 Bürger und meint, daß die ersteren alles das in die Hände bekommen hätten, was in Westeuropa der Bürger betrieben, Handel, Heilkunst, Bücherhandel usw. Das kann natürlich nicht im Sinne einer vollständigen Monopolisierung durch die Judenschaft gemeint sein, sondern daß sie in diesen Berufen stark vertreten war. Daß ,,zu polnischer Zeit 1 Meine Handschriftensammlung Nr. 318 S. 57. 2 Stein, Gesch. d. Juden in Danzig, Danzig 1860, S. 40, 45. 3 Freund, Die Emanzipation der Juden in Preußen, I, Berlin 1912, S. 59. 4 Gemeindehuch von Deutsch-Krone, einst im Besitze Manasse Werners- Posen Bl.131, Flatower Chebrabuch, Gesamtarchiv der deutschen Juden, Berlin, S. 242a, Heppner-Herzberg a. a. O. S. 492 Anm. 3, כליל תפארת, Breslau 1820, Subskribentenverz. 5 Schneidemühler Gemeindebuch, Gesamtarchiv, S. 182b. 6 Königsberger, Jeschurun, Pieschen 1902, S. 514. 7 Friedberg, הדפום העברי, בקראקא, Krakau 1900, S. 16, Lewin, Die Landessynode der großpoln. Judensch. S. 74, 107, RGA אבן השהם, Dvhernf. f7SSt Nr. 44, חגורת שמואל, Franld. a. O. 1772, Titel bl.