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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 1 · p. Seite 19

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 1
Article
Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 19 (sequence 14)
Language
German
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19 gehen, sind europäisiert.; . Erschütternd wirkt die Judenschaft der Legionow[straße] auf mich. Da finde ich die lebendigen gespannten Mienen, die suchenden Blicke, das Herumhorchen — die Art der Schacherer, Schieber, Spekulanten.. Die Führer haben die Pflicht, sie hier herauszuholen. Der Anblick dieser schauerlichen Judenstraße muß sich in ihr Gehirn einschneiden. Und die sollen sich an die Brust schlagen, die sie hier hineingejagt haben.... Von den 250 000 Einwohnern der Stadt sind 80 000 Juden... Die Sprache der jüdischen Intelligenz und gehobenen Schichten ist polnisch. Der charakteristische Schultyp dieser Landschaft ist die utraquistische Schule: polnische Sprache in den allgemeinen Fächern, hebräisch in jüdischer Geschichte und Literatur. Von der Art gibt es zwei Knabengymnasien und ein Mädchengymnasium,, mit Oeffentlichkeitsrecht seit fünf Jahren. Ein rein hebräisches Gymnasium ist da, nicht legalisiert. Das Pogrom von 1918 hat die starke Assimilation aufgehalten, die Führung übernahmen da die Zionisten. Die Orthodoxie hat.sich nicht wie in Kongreßpolen organisiert, ist auch wirtschaftlich schwach. Ich habe Abscheu vor dem, was die Liberalen aller Bekenntnisse Gottesdienst nennen... Es gibt schon eine religiöse Kunst, wenn sie auch nicht so hoch steht wie die religiöse Kunstlosigkeit/' S. 246: Drohobycz. ,,Ein viereckiger weiter Marktplatz. Juden, nur Juden mit deutschen .Namen/' S. 250: Boryslaw. ,,Bisweilen kommen Brände vor [von Erdgas, dessen Flamme mit kolossaler Gewalt an die Wand des Kessels schlägt]. Dies Feuer muß mit Sand gelöscht werden; es erfordert mutige Leute. Es gibt Juden, Spezialisten, die sich besonders darauf verstehen. Sie kriechen unter feuchten Säcken an das Feuer heran; dann verschütten sie die Brandstelle/' S. 348 ff.: Der Strickower Rebbe in Lodz. ,,Er kämpft um die Heilighaltung des Sabbath und führt eine auch im Ausland verbreitete. Organisation, die besonders auf Industrielle und Kaufleute wirken will... Wundervolles Gespräch [mit ihm], vollkommenes Labsal/4 Katte, Ph., Der Pakt des jüdischen Klubs mit Polen. Berlin- Halensee und Potsdam 1925. 8 Seiten. Dieser am 7. Juli 1925 zwischen der polnischen Regierung und den jüdischen Parlamentariern geschlossene Pakt setzte in 42 Punkten die Rechte und Pflichten beider Parteien fest. In diesem Vertrage sieht Verf. eine Schwächung der Stellung Deutschlands gegenüber Polen, denn ״wohl könnte Deutschfand ein judenreines Polen besiegen, niemals jedoch ein judenreiches Polen'* (S. 3). Ganz abgesehen davon, daß er den politischen Einfluß der polnischen Vertreter des dortigen Judentums auf die Weltlage überschätzt hat, war diese polnisch-jüdische Verständigung schon vor Ablauf eines Jahres in die Brüche gegangen, da die polnische Regierung ihr Wort nicht hielt, und zudem diese Regierung gestürzt worden ist1. Schütze, Hermann, Das Posener Land, drei Teile, Posen 1923—25, Sonderhefte 2, 3 und 5 der Deutschen wissenschaftlichen Zeitschrift für Polen, Verlag der historischen Gesellschaft für Posen, behandelt im dritten Teile auch die Juden (S. 254/5, 258, 261, 265/8), zumeist reflektierend und allgemein gehalten. 1 Breslauer Zeitung 23. Mai 1926, Jüd. Wochenblatt 14. Mai 1926. 2♦

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