Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 9)
- Language
- German
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14 der eben erwähnten brieflichen Erläuterung will Verf. damit, wiederum seinen Quellen folgend, ,,einen pessimistisch gestimmten Mystizismus“ meinen. Bei diesem Manne der ״erhabenen sittlichen Forderungen“, dem Manne ״mit dem idealen Gepräge der Mussarbestrebungen“ müßte dieses Fazit mit dem Ergebnis des talmudischen Erfahrungssatzes תלמידי חכמים כל זמן שמוקינים חכמה דהו שפת sich decken! Weinberg sagt: ״Seine spätere Tätigkeit in Memel und Königsberg bestätigt meine Vermutung, daß er ein Bollwerk gegen den zersetzenden Geist westeuropäischer Kultur auf richten wollte“. Möglich ist es, daß Meisl mit R. Israels ״pessimistischer Stimmung“ generalisierend auf einen ״traurigen Fall hinweisen will, der R. Israel veranlaßte, ״fortan den Gedanken einer harmonischen Verschmelzung von Thora und Haskala weit von sich zu weisen“1. Meisl hat nach all dem hier vorgebrachten das Wirken der polnischen Geistesgrößen nicht in vollem Umfange gewürdigt. Buchstäblich haben sie die erhabene Mission des Psalmenwortes (119, 92) an ihrem Volke erfüllt לולי תורתך שפשעי א1 אבדתי כעניי. Sie waren die Retter des Geistes in Nacht und Dunkel, von ihren literarischen und wissenschaftlichen Leistungen zu schweigen. Die im Anfänge dieser Besprechung gezeichnete Einstellung des Verfassers hat ihn verhindert, dies klar zu erkennen und mit größerer Anerkennung und-intensiverer, liebevollerer Darstellung dieser glorreichen Geistesgeschichte herauszumeißeln. Hier gilt, was er in Rücksicht auf seine Vorläufer gesteht: ״So mag es gekommen sein, daß ich manches in nicht ganz zutreffendem Lichte dargestellt habe“ (I S. VI Vorw.). Meisl sagt ja selbst in seiner Bescheidenheit: ״Es wird mir eine Freude sein, wenn ich von der Kritik in dieser Hinsicht neue Belehrung empfangen sollte“ (das.). Durchgehends sind die Quellennachweise am Ende jedes Bandes kapitelweise gegeben. Ein dem Verf. aus Gründen der Raumersparnis auferlegter Zwang hat dies verschuldet, erschwert aber in den meisten Fällen die Einsichtnahme in die jeweilige Quelle. Größere Genauigkeit wäre hier notwendig gewesen, z. B. (I 335) ״Resp. Lit. bei Sah Lurja und Isserles, ferner ירן £צילה =] י״מ]; siehe auch Bd. V [damit ist der geplante fünfte Band des M.schen Werkes gemeint] ... RSJ passim“ [wo?] oder S. 341 ״Verschiedenes aus den Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde“ [66 Hefte!] oder (II 213) ״Pufendorf, de rebus a Carolo Gustavo gestis“ [wo?] oder ״Posner,!תיאר* פני של£י“ [wo?] oder ״Waiden, passim, TD passim“ (III 411) oder ״Berichte der Aufklärungsgeselischaft 1864/1880“ (III 420). Verf. erklärt dies (brieflich) damit, daß ״es sich eben nicht um ein Werk strenger Forschung handelt, sondern um ein Lesebuch für weitere Kreise“. An Einzelheiten ist zu bemerken. Die שו״ת מהר״י הלד sind nicht 1698 (I S. XII), sondern 1736 erschienen2. Daß ״fast der ganze Transithandel von Polen und Lithauen in jüdischen. Händen lag“ (I 3), gilt mindestens nicht für das ausgehende Mittelalter Großpolens, ob auch für Masowien (Warschau), erscheint nicht sicher3. Die ״fremden Elemente (I 4), die 1623 von der lithau- 1 Jeschurun III 112, 115, 323 Anm. 3, 455 Anm. 1, Babli Sabbath S. 152a. 2 Benjak. ש Nr. 112. 3 Zeitschr. d. histor. Gesellsch. f. d. Prov. Posen, Posen 1915, XXIX 196.. 294 f., 225, 232, Ostmark, Archiv u. Heimatmuseum, Berlin 1927, S; 7.