Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zum Jubiläum der "Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums"
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Zusammenhangs mit dem Leben, des Zusammenhangs mit den Geisteswissenschaften. Sie stellte neue Aufgaben und wies die Forscher auf den neuen Weg, sie wollte auch neue Jünger für ihn ausrüsten. Sie suchte den Zusammenhang mit dem großen Publikum, um die Wissenschaftler zu zwingen, sich in der Sprache der allgemeinen Bildung auszudrücken, auf die Herausarbeitung der allgemeinen Denkzusammenhänge bedacht zu sein, ihnen die Ergebnisse ihrer Arbeit einzureihen. Es sollen hier nicht Einzelheiten über die Leistungen der Gesellschaft wiederholt werden, sie sind in den zahlreichen anerkennenden Jubiläumsartikeln der Presse genannt, aber einige Hauptpunkte dürfen erwähnt werden. Es ist sicher kein Zufall, daß als erstes Buch der Gesellschaft Baecks Wesen des Judentums veröffentlicht wurde, daß der erste Aufsatz der Monatsschrift nach ihrer Uebernähme durch die Gesellschaft Hermann Cohens Vortrag ,,Die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten" war. Das waren programmatische Kundgebungen, Signale auf dem neuen Wege. Ebenso sollte der ,,Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums" die Durchführung der großen Systematik bringen, nach der damals das allgemeine Verlangen ging, in systematisch angeordneten Monographien die Ergebnisse der Forschung zusammenfassen, auf daß sie Gemeingut aller Gebildeten werden konnten. Ein Zufall führte mich im Frühjahr 1903 in die Sitzung des Ausschusses, der gerade das erste Programm des Grundrisses beraten hatte, — ich werde die leuchtenden Augen der Teilnehmer, ihre freudig weihevolle Stimmung nicht leicht vergessen, sie fühlten sich gehoben, weil sie eine Aufgabe gestellt hatten, an der die besten Geister ihre Kräfte erproben sollten. Ebenso bot die weitausschauende philologische Arbeit an den alten tannäischen Texten, die historische für die Germania Judaica Gerneinschaftsaufgaben, die für die methodische Ausbildung dieser Disziplinen entscheidend werden konnten. Und auch die Monatsschrift sollte umgestaltet, ihres trockenen Tones entkleidet werden, sollte in Verbindung mit der Gegenwart und den lebendigen Kräften im Judentum gebracht werden. Wie weit hat dieses umfassende Programm Erfüllung gefunden? ■ Wir sind uns wohl bewußt, daß wir weit mehr schuldig geblieben, sind, als wir geleistet haben. Wir sind der Kritik ausgesetzt und müssen es uns gefallen lassen, wenn sie schonungslos geübt wird — schonungslos, wenn nur nicht lieblos. Wenn sie nur nicht übersieht, wieviel Gutes, wieviel Wertvolles in diesen 25 Jahren von der Ge- Seilschaft geschaffen worden ist, wieviel anderes unterblieb, einfach