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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 1 · p. Seite 2

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 1
Article
Zum Jubiläum der "Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums"
Date
1928-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 einzelnen nie ausreichen. Die Gesellschaft hat in kurzer Zeit einen großen Kreis von Anhängern gewonnen, und wir dürfen wohl sagen,, ihnen reichlich zurückerstattet, was sie ihr geleistet haben. Ganz abgesehen von der moralischen Genugtuung, an einer idealen Aufgabe :mitzuarbeiten, gibt es kaum einen zweiten Verein, der seinen Mit״־ gliedern so bedeutende materielle Vorteile gewährt, für einen geringen Jahresbeitrag so viele wertvolle Veröffentlichungen unentgeltlich oder zu ermäßigten Preisen zugänglich macht. Die Gesellschaft will ja nichts anderes sein als Dienst an ihren Mitgliedern, und wenn deren Zahl wächst, wenn sie von den Veröffentlichungen der Gesellschaft starken Gebrauch machen, erhöht sich ihre Leistungsfähigkeit. Auf dieser Grundlage der Zusammenfassung der Konsumenten, wenn ich so sagen darf, baute die Gesellschaft die Zusammenfassung der produktiven Kräfte auf. Die verhältnismäßig kleine Schar jüdisch-wissenschaftlicher Forscher ging nach Ländern, nach Schulen, nach Richtungen, nach Fächern gesondert nebeneinander her, einer wußte nichts von der Arbeit des andern, einer nahm nicht Rücksicht auf den andern. Darin nun hat die Gesellschaft Wandel geschaffen; sie hat es verstanden, die Gelehrten aus den verschiedensten Lagern ■zusammenzuschließen, das Bewußtsein für die Gemeinsamkeit, der Aufgabe zu stärken, den Gesamtbegriff einer Wissenschaft des Judentums zu Ehren zu bringen. Dieser Zusammenschluß der feinsten Köpfe war an sich schon eine Tat und mußte der Forschung die wertvollsten Anregungen bringen. Die Gesellschaft hat auch die Verwaltung und die Initiative gänzlich in die Hände der Wissenschattier gelegt und damit die besten Erfolge erzielt. Es ist trotz aller Gegensätze der Personen und der Anschauungen stets in friedlichem Einvernehmen gearbeitet worden und niemals zu ernsten Konflikten gekommen. Es ist meines Wissens niemals jemand infolge von Meinungsverschiedenheiten aus dem Ausschuß ausgetreten. Ein heiliger Ernst herrschte in der Verwaltung, die Sitzungen des Ausschusses waren von einer Weihe und Feierlichkeit erfüllt, die von - der Hochschätzung der Aufgabe zeugten. Wir arbeiten heute wahrscheinlich nicht in so gehobener Stimmung, dafür freilich mit mehr Intensität, weil wir nicht mehr aus dem Vollen wirtschaften können und die bittere Not uns zwingt, im kleineren Kreise häufiger, mitunter vielleicht rücksichtsloser zu entscheiden als früher zu geschehen pflegte. Dafür haben wir den Kreis der Ausschußmitglieder ausgedehnt, auch die Gelehrten der Länder, die im Kriege mit Deutschland standen,, hinzugezogen und dadurch zur Verständigung unter den Völkern beigetragen.

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