Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
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71 zweiten Hälfte von ״Und“ mit dem Bindestrich davor angefangen sowohl bei den Worten der Schule Schammais wie auch der Schule Hillels total falsch. Eine Vergleichung mit derTosefta zeigt klar, daß diese Schlußsätze (von וליטפו und וניטמי an) nicht der Bar angehören, sondern der Gemara. Auch der Sprachausdruck weist darauf hin. Die richtige Uebersetzung ist im ersten Falle: (Warum befürchtest du bloß, daß die durch die Hände unrein gewordene Flüssigkeit den Becher unrein machen würde?) Die Hände selbst können doch den Becher unrein machen. (Antwort): Hände werden als Unreinheit zweiten Grades angesehen, und eine Unreinheit zweiten Grades kann bei profanen Speisen keine Unreinheit dritten Grades herbeiführen, es sei denn durch die Vermittlung von Flüssigkeit (die nach der Verordnung der Weisen immer Unreinheit ersten Grades an nimmt und ein Gefäß im zweiten Grade unrein macht). Die richtige Uebersetzung von דכיטמי an ist: (Wozu brauche ich Flüssigkeit an den Händen?) Soll der Becher selbst die Hände unrein machen. (Antwort): Ein Gefäß, (das nicht durch ein אב הטומאה unrein goworden ist), kann einen Menschen (d. h. seine Hände) nicht unrein machen. Dann soll doch (der unreine Becher) die Flüssigkeit in seinem Inneren unrein machen. (Antwort): Hier ist die Rede von einem Gefäß, dessen Außenseite durch Flüssigkeit unrein geworden ist; (bei einem solchen Gefäße.) ist das Innere rein und nur die Außenseite unrein. Die falsche Uebersetzung dieser Bar. wirkt umso eigenartiger, als diese Bar. gerade für Fiebig* Anlaß ist, gegen eine falsche Uebersetzung bei Drews zu polemisieren und das Nachprüfen von Talmudzitaten nachdrücklich zu fordern. Gegen Drews ist übrigens F. im Rechte. Aus der richtigen Uebersetzung der obigen Bar. ergibt sich auch ohne weiteres, daß auch das, was F. über die Unreinheit der Hände, S. 159 unten sagt, nicht ganz zutrifft. Zu der von Drews beanstandeten Stelle in den Evangelien sei lüngewiesen auf die oben erwähnte Besprechung in MS. 1924, S. 79 f. Hier sei nur noch etwas liinzugefügt. Angeregt durch eine Aeußerung von Prof. Zeitlin, New■« York, habe ich die Stellen in Mischnah und Gemara, die über das Händewaschen vor dem Essen handeln, geprüft. Was Prof. Zeitlin darüber veräffentliclit hat, ist mir leider unbekannt geblieben. Aber meine eigene Prüfung des Sachverhaltes hat es mir fast zur Gewißheit gemacht, daß zur Zeit Jesu das Händewaschen vor dem Essen profaner Speisen (חולין) als Torschrift (חובר־ ,היוב) noch gar nicht üblich war. Selbst die Unreinheit der Hände für das Essen von Terumah scheint erst um jene Zeit ausgesprochen, aber noch nicht allgemein angenommen worden zu sein (s. Sabb. 14b, 15a). Chag. 2,5 stellt im Widerspruche zu Bikk. 2.1, und noch den späten Amoräern scheint der Sachverhalt nicht ganz klar. Die Meinung, daß Bikk. 2,1 vom Berühren redet, Chag. 2,5 dagegen vom Essen, wird in der Gemara verworfen und man hilft sich mit der noch weniger wahrscheinlichen Annahme, daß Bikk. das Essen von Früchten, Ghagiga das Essen von Brot gemeint sei (Chag. 18b). Nach Tosefta Ber. 5 (s. auch Jer. Ber. 8,2) ist מים ראשוניים רשות (die ״LA. der Bar. Cliulin 105a ist wohl viel später entstanden). Die Tosefta führt vielleicht auf die rechte Spur. Es war vielleicht eine alte Sitte, sich vor dem Essen von Brot, das nur bei den Hauptmahlzeiten zusammen mit Gekochtem gegossen wurde, die Hände zu waschen, sei es aus Sauberkeit oder mit Rücksicht auf das Essen von Terumah oder man hat der Sitte des Händewaschens aus Sauberkeit mit Rücksicht auf die Terumah rituelle Bedeutung zuzuschreiben gesucht, ohne das Händewaschen zu einer strikten Verpflichtung zu machen. Für die Zeit Jesu, in der die rituelle Unreinheit der Hände selbst für das Essen von Terumah noch keine ausgemachte Sache war, kann vom Händewaschen vor dem Essen von profanem Brot bloß aus Sauberkeitsgründen die Rede sein. Auch zur Widerlegung der Einwendungen von Drews gegen das, was Jesus nach den Evangelien über die Vern|chläßigung der Elternliebe sagt, vgl. die obenerwähnte Besprechung. Der Zweifel an der Echtheit wird sich kaum beseitigen lassen. S. 155 (vgl. S. 124) wird gesagt, daß der Lasterkatalog bei Matth 1518 sieben Stücke aufzähle, eine Zahl, für die auch die Rabbinern eine Vorliebe haben. Es scheint, daß es dem Evangelisten auf die Zahl gar nicht ankommt. Er bringt die Verbote der zweiten Tafel des Dekalogs. ßXaa<py]juca ist nicht mit ״Lästerungen,“ sondern mit ,,Verleumdungen“ zu übersetzen und gehört