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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 72

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
[Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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72 zum 9. Gebot, ebenso wie auch das 7. Gebot nach der Anschauung der Rabbinen in erweitertem Sinne genommen wird. ,,Böse Gedanken“ könnte dem 10. Gebot entsprechen, das sonst nicht vertreten wäre. Zu dem, was im Vorwort und in den Nachträgen über rabbinische Termini gesagt wird, sei bemerkt, daß die liebr. Bezeichnung für ״Streitgespräch“ וכוח ist. Dieses Substantiv kommt zwar in der talmud. Literatur noch nicht vor, aber in gleicher Bedeutung das dazu gehörige Verbum, besonders im Hithpael (ו־זתוכח). Man könnte Streitgespräche auch mit "עדעורים Einspräche“ oder "פדכי (Einz. פרכא) Einwendungen, Widerlegungen“ wiedergeben (beides talmudisch). Zum Schluß das Wort, mit dem der Verfasser schließt: ״Möchte das vorliegende Buch vielen Theologen und auch weiteren Kreisen eine wirksame Anregung sein.!“ \ J. Krengcl. ■ Die Religion des Judentums im späthcllenis tischen Zeitalter von Wi!heim Bo 11 ss ei. In dritter verbesserter Auflage, herausgegeben von Hugo Greßmami. Tübingen, Mohr, 1926, 576 Seiten. Der Bearbeiter hat seine große Sorgfalt zunächst dem Sprachgewand des Buches gewidmet. Ueberfllissige Fremdwörter wie Paraphrase, eklatant sind, meist geschickt, durch deutsche Wörter ersetzt; doch hätte auch die Angabe, Philon bezeichne das Griechische als seinen Dialekt (S. 433; mit o’dXsxto!; ist Sprache gemeint) berichtigt werden dürfen; auch Gebetsluch (mehrmals S. 369 ff.) ist leider kein Druckfehler. Ferner hat sich Greßmann bemüht, die Forschungsergebnisse der letzten 16 Jahre für das Buch nutzbar zu machen. Dies ist ihm auf seinen eigenen Arbeitsgebieten vorbehaltlos gelungen; wo die alttestamentliche oder religionsgeschichtliche Forschung berührt wird, spürt man die Hand des sachkundigen Bearbeiters; das Schlußkapitel über das religions geschichtliche Problem, zumal die Darstellung der Beziehungen zwischen Judentum und iranischer Religion, ist völlig neu gestaltet. Sachlich stimmt Greßmann mit Boussets Ergebnissen in allen Hauptpunkten überein. Die aus den jüdischen Quellen angeführten Stellen hat G. von einem jungen jüdischen Gelehrten nachschlagen lassen; selbstverständlich zieht er auch neuere Arbeiten jüdischer Gelehrter heran; seltsamerweise ist ihm (S. 175, 1) entgangen, daß von Eibogens Geschichte des Gottesdienstes die 2. Auflage mit wichtigen neuen Literaturangaben erschienen ist; damit hängt zusammen, daß seine Darstellung des Gottesdienstes, insbesondere des Achtzehngebets, nicht ganz auf dem Stande der neuen Forschung steht. Weniger nahe liegt Greßmann die klassische Altertumswissenschaft, soweit sie nicht, wie die Forschungen zur 4. Eidoge (S. 225) oder zur Hermetik (455, 1), unmittelbar ins reiigionsgeschichtliche Gebiet hinübergreift. Es ist zwar anzuerkennen, daß er (90, 1) die neueren Untersuchungen über die Rechtslage der Diaspora-Juden voll berücksichtigt hat. Aber es geht heute nicht mehr an, trotz des zunehmenden Widerspruchs der Philologen (zuletzt Heinemann, Poseidonios’ metaph. Sehr. I 124) an den jüdischen Ursprung mehrerer Heraklitbriefe zu glauben (S. 163, 3; 305) und (S. 149) Phiions Inspirationslehre trotz Leisegangs Schrift über den heiligen Geist als jüdisch an Zusehen. Hätte sich Greßmann der Mitarbeit eines klassischen Philologen versichert, so hätte überhaupt das Kapitel über Philon manche Förderung erfahren; der äußerst lehrreiche Konvergenzprozeß jüdischen und hellenischen Denkens wäre deutlicher geworden; die Frage, ob etwa — nicht die Wissenschaft wohl aber — die Popularphilosophie des Hellenismus in der Berichtszeit auf das Judentum gewirkt hat, hätte gestellt werden können. Ein solcher Fachmann hätte allerdings Greßmann darüber belehrt, daß Boussets Angaben über die Humanität der stoischen Ethik, die den Unterschied zwischen dem Guten und den Bösen milder auffassen soll,,als es z. B. der Sirazide tut (S. 134), viel zu allgemein gehalten sind; es fehlt weder dort an äußerst schroffen noch im Judentum an milden Aeußerungen. Der grundsätzliche Standpunkt in der Beurteilung des Judentums ist der gleiche geblieben. Zwar die unfreundlichen Worte der 2. iUrflage (S. 59) über die jüdische Forschung zur Pharisäerfrage sind nicht wiederholt. Aber zu einer gründlichen Auseinandersetzung mit den schweren Bedenken, die

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