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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 68

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Zur schönen Literatur [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 68 (sequence 3)
Language
German
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68 Mit der ChristüsgcstaU beschäftigen sich zwei ganz vcrs.chie.dct1 go artete Bücher. Henriette Brey entwirft in frommer Gläubigkeit ein Lebensbild des Zimmermanns Joseph und erzählt schlicht und anspruchslos die Jugend geschieht e Jesu. Alfred II. Unger dagegen versucht zu einer neuen Deutung des Nazareners zu gelangen: Jesus konnte sich von der Materie nur befreien, weil er ihre Kräfte kennengelernt hatte, weil er durch alles sinnliehe Erleben so gut wie durch das geistige Erleben hindurchgegangen war. Unger läßt in seinen Erzählungen daher Jesus tief in die Materie hinabtauchen, um aus ihrer Ueberwindung übernatürliche Kräfte zu gewinnen. Das Buch stellt eine nicht eben erfreuliche Verquickung rationalistischer und mystischer Elemente dar. In der frühchristlichen Zeit spielt Dörflers kleine Erzählung ,,Das Geheimnis des Fisches/6 die die Bekehrung eines römischen Knaben zum Gegenstand hat, ihm aber keine künstlerische Darstellung zu geben vermag. Grete v. Urbanitzkys Roman führt in das Amsterdam des 17. Jahr־ hunderts. Daß er jüdisches Milieu zum Hintergrund hat, scheint allerdings mehr zufällig als notwendig durch den Stoff bedingt. Denn Schicksal und Charakter erwachsen in dieser Erzählung nicht aus einer religiösen oder volksmäßigen Bestimmtheit heraus. Daß der sozial Entrechtete zum Bücher der Unterdrückten wird, in der Verwirklichung seiner Idee ihre Entweihung erlebt und seine eigene Schuld sterbend sühnt, ist ein allgemein menschliches, kein spezifisch jüdisches Problem. Das Jüdische ist hier nur mehr Kostüm, die Breite Gasse in Amsterdam Kulisse, aber nicht der innerlich bedingte Schauplatz des Geschehens. Die sieben biblischen Szenen, die in Arno Nadels Dichtung voiiiegen, stehen nicht gleichwertig nebeneinander. Einige (,,Abraham oder die Entdeckung Gottes/6 ״Moses Berufung“) sind mit zeitfremder Reflexion belastet, andere (״Rahels Tod/‘ ״Ruth/6 ״Samuel oder die Königswahl66) geben nur dramatisiertes Geschehen, keinen innerlich dramatisch bewegten Stoff wieder. Wirklich dramatisches Leben pulst in der Szene ״Der Sündenfall/6 die unbeimlieh durchglüht ist von Versuchung und Erliegen, und eindrucksvoll wirkt gerade in ihrer Schlichtheit die Schiffsszene ״Jona.66 Die Hybris Nebukadnezars, seine Erniedrigung, die siebenjährige Buße und die Rückkehr des geläuterten Königs bilden den Gegenstand von Muschgs Trauerspiel ״Babylon.66 Der an sich wohl zur Gestaltung reizende Stoff ist von soviel Reflexion und dunkler Symbolik erfüllt, daß ein Eindringen in den Kern und Sinngehalt der Dichtung schwer fällt. Die Uebersicht über die Literatur des vergangenen Jahres müßte mit der Feststellung schließen, daß nur wenige der genannten Bücher mehr als bloß Durchschnittliches bieten, sie müßte zu dem Eingeständnis kommen, daß keine einzige große Dichtung von eigenem Wert und bleibender Bedeutung vorliegt — wenn nicht jenseits alles dessen, was genannt wurde, Werfels dramatische Legende ,,Paulus unter den Juden66 stände. In der Definition des Dichters ist die Tragödie ״die tiefere Rekonstruktion des Weltgeschehens.66 Damit ist seiner Dichtung ein doppeltes Problem gestellt: ein menschheitliches und ein rein menschliches. Im Menschlichen wirkt sich das Menschheitliche aus. Im Menschen vollzieht sich die Ent- Scheidung: ein Mensch der Gnade oder ein Mensch der eigenen heiligen Verantwortung zu sein, Paulus zu werden oder Gamaliel zu bleiben. Denn wenn auch nach Werfels Worten Israel der Protagonist dieses Spiels ist — Israel ist hier Gamaliel, der Weise, der Gerechte, den der Dichter zu einer wunder־ h

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