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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 67

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Zur schönen Literatur [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 67 (sequence 2)
Language
German
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07 FmiÄ World: Paulus unter den Juden. Verlag Paul Zsolnay, Eerlin-Wien- Leipzig 1026. Zapletal läßt auf seine Erzählung „Mose, der Gottsucher“ nun die Fortsetzung „Mose, der Volksführer“ folgen, ein Buch, das mit den bereits früher besprochenen Schriften des Verfassers Vorzüge wie Schwächen teilt. (Vgl. MGWJ. Januar-Februarheft 1926). Wieder wird ein anschauliches Bild der Landschaft und der durch sie bedingten Lebensführung gegeben. Da aber, wo die eigentliche Aufgabe einsetzt: die Führerpersönlichkeit des Mose in ihrer einzigartigen Größe, in ihrer Weisheit wie in ihrer Leidenschaftlichkeit, in ihrer Gottesnähe wie in ihrer Menschlichkeit zu erfassen, versagt Zapletal. Der Mose seiner Erzählung hat mit dem 31ose der Bibel nur mehr den Namen gemein; aus den großen Geschehnissen, die mit seiner Gestalt verknüpft sind, ist ein entseelter Bericht geworden. Was der Verfasser an Persönlichkeiten und Begebnissen aus eigenem hinzufügt, um Brauch oder Gesetz in Ursprung und Wirkung zu erläutern, mag aus dieser Absicht heraus hingenommen werden. Als eine irgendwie künstlerisch geartete Leistung ist sein Buch in keiner Beziehung zu werten. Mit größerer Freiheit der Ueberlieferung gegenüber, doch Jauch mit größerer psychologischer Feinheit gestaltet Th. H. Mayer seinen Stoff, den gleichen, an dem sich bereits vor Jahren Ernst Hardt in seinem Drama „König Salomo“ versucht hat. Während aber hei Hardt das erotische Moment ein Hauptmotiv bildete, handelt es sich hei Mayer um den Kampf wider das unzerbrechliche Gesetz des Lebens, gegen das sich David wie Absaiom aufbäumen. Der alte König, der nicht sterben will, haßt in seinen Söhnen die Jugend und die Kraft, die ihm verloren sind. Erst am Abfall Absaloms erringt er die Einsicht in das ewige Gesetz der Zeit, und die von ihm befohlene Tötung des Sohnes bedeutet für ihn seihst die Wiedereinfügung in das Naturgeschehen. Dem innerlich Gesundeten wird Abisag zugeführt, sie ganz Naturverbundenheit, geheimnisvoll letzte Dinge erahnend, hingebungsvoll und stark zugleich. Sie finden, heißt für Daniel nicht mehr nur Anerkennung einer Gesetzlichkeit des Lehens, sondern Aussöhnung mit der Jugend und Liebe zu ihr. Erst der so geläuterte König ist reif zum Tode. Der Idee, die hier zugrunde liegt, entspricht allerdings ihre Ausgestaltung nicht durchweg. Einheitlich und überzeugend erscheint die Persönlichkeit Davids; in Absaiom und seinen Anhängern aber wirkt sich allzuviel Heutiges aus. Ein schönes Zusammenklingen von Idee und Form zeichnet Iieubners Buch „Herodias“ aus. Die Ueberlieferung zeigt im Leben der Herodias drei entscheidende Einschnitte: die ungesetzliche Ehe mit Herodes Antipas, die Tötung des Täufers, an der Herodias doch wohl beteiligt war, und die Verbannung, die sie mit dem Gatten teilte, wiewohl Galigula der Schwester seines Freundes Agrippa die Freiheit bot. An dieser Ueberlieferung hält Heuhner fest. Alles äußere Geschehen aber ist nur Rahmen für das große Seelengemälde, das er von der Enkelin des Herodes entwirft. Denn diese Herodias ringt um den Sinn des Lebens, ihres Lebens, das sie mit Glanz und Macht zu erfüllen trachtet, ohne darin Genüge zu finden. Sie ringt mit Johannes um die letzte Wahrheit: Lehensentsagung und Lebensgier, Gottesnähe und Gottesferne verkörpern sich in beiden. Schrankenloser Machtwille treibt Herodias fast bis zum Wahnsinn, läßt sie auf eine Kaiserkrone hoffen, bis sie in dem freiwilligen Verzicht auf alles, was Schein wrar, den „wirren Traum“ von sich streift und zu einer Bejahung des Lebens gelangt, das Leiden und Erniedrigung von ihr fordert. 5*

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