Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Zur schönen Literatur [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 4)
- Language
- German
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69 voll geklärten und verklärten Persönlichkeit gestaltet liat. Paulus aber erscheint nicht mehr als ein Mensch eigenen Willens. Von dein ״unermüdlichen Jäger Christus“ gehetzt, vollbringt er, was er muß. Indem, menschliches Erleben ,zum unentrinnbaren Schicks als zwang wird, erfährt die menschliche Tragik, die sich zwischen Gamaliel und Paulus auswirkt, ihre Ausweitung zum M.enschheitlichen, und das Einzelschicksal wächst zum Weltgeschehen. Ein Eingehen auf die Einzelheiten der Dichtung, auf ihre innerlichst bewegte Weit, die der Zerstörung wie der Erneuerung harrt, ist hier nicht möglich. Nur auf ihr großes Problem konnte hingewiesen werden. Dr. Lotte Barschak. Paul Mebig: Der Erzählungsstil der Evangelien im Lichte des rabbin. Erzählungsstils untersucht, zugleich ein Beitrag zum Streit um die ,,Christusmythen.“ Leipzig,.Hinrichsche Buchhandlung, 1925,inkl. Register, 162 Seiten. Der Zweck des Werkes ist bereits im Titel gekennzeichnet. Die vorliegenden Texte sollen die Augen dafür öffnen, wie durch das Griechische des N. T. das Hebräisch-Aramäische hindurchscheint, und eine Veranlassung dazu sein, die Ueberlieferungen von Jesus auch auf ihre Form hin und nach ästhetischen Gesichtspunkten anzusehen. Es liege eigentlich sehr nahe, alles was wir von den Pharisäern und Schriftgelehrten an Literatur werken hinterlassen bekommen haben, auch einmal der Form nach mit den Evangelien zu. vergleichen. ״Man macht, wenn man diesen Vergleich durchführt, eine Fülle überraschender Entdeckungen, die geeignet sind, die Zuversicht zu dem Wert, dem Alter und der Genauigkeit der Ueberlieferung, die wir über Jesus haben, zu stärken . . . und ist erstaunt, wie genau die Form der Aussprüche Jesu, die Eigenheiten seiner Gleichnisse, die Art, wie von ihm Einzelgeschichten überliefert werden, mit den entsprechenden rabbiniseben Stoffen übereinstimmen, natürlich unbeschadet der Originalität Jesu“ (aus der Einleitung). Der Verfasser will lediglich die Texte darbieten, sie nach Kräften erläutern, sich jedoch aller wissenschaftlichen Polemik enthalten. Fiebig bittet zu heachten, daß seine Arbeit nicht mehr als ein Anfang sein will. Sie ist entschieden weit mehr und man wird aus ihr sicherlich viel Gewinn ziehen können. Das Buch beginnt mit der stilistischen Vergleichung der Aussprüche Jesu mit denen der Rabbinen, geht dann zu den Gleichnissen und danach zu den Anekdoten über und behandelt zuletzt einige Gebetstücke. Den Schluß bildet eine Darlegung über die Bedeutung des Erzählungsstils der Evangelien für den ״Streit um die Chris tusmythe“. Die Stellen aus der rabhinischen Literatur werden außer in deutscher Uebersetzung auch im Urtext gegeben, was eine Nachprüfung erleichtert. Für die neutestamentlichen Stellen folgt auf den griechischen Text die deutsche Uebersetzung und dann die hebräische Uebersetzung von Franz Delitzsch. Diese Uebersetzung ist sicher für die Zwecke des Buches ein gut geeignetes Hilfsmittel. Besser wäre es freilich gewesen, das Hebräisch von Delitzsch in das mischnisch-talmudisclie Idiom umzugießen. Der mit diesem Idiom Vertraute hört beim Lesen der Evangelien dieses Hebräisch weit stärker heraus als das Biblische. Das Hebräisch von Delitzsch klingt überdies׳ zuweilen eigenartig; man kann sich kaum Jesum als so sprechend vorstellen. Der Uebersetzung würde eine Revision gut tun. Man. lese z. B. Lukas 189—14 auf S. 66 f.: ולא אבה was auch dem Sinne nach durch ולא הטיו ersetzt werden müßte; ויתופף (bei Fiebig fehlerhaft ותיפף ebenso eine Zeile vorher מאשר für מעשר) für das einfachere סלח לי אני;דיבה החוטא (!); das unmögliche נצדק מוה. Es ist nur natürlich, wenn hie und' da die Originalität Jesu oder das Höhere seines Ausspruches gegenüber Aehnlichem bei den Rabbinen betont wird. Freilich kann man da auch anderer Ansicht sein. Gleich S. 6 wird von Matthäus 5, 23 f. gesagt: ״Gelegentlich hatten auch die Rabbinen Aehnliches. Aber in der Allgemeinheit wie hier bei Jesus wird sich bei ihnen nirgends ein ähnliches Wort finden.“ Es mag sein in der Form. In der Sache aber ist, bereits in der Besprechung von Strack und Billerbeck, Bd. I (MGW’J 1924, S. 81) auf Mischnah Bk. 9,12 hingewiesen worden, wonach das Opfer keine Sühnung bringt, wenn es vor Gutmachung des Unrechts oder Ablieferung