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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 65

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Article
Berichte des österreichischen Gesandten über Ephraims Wirtschaftsverhandlungen mit Polen im Jahre 1773
Date
1927-01-01
Page
Seite 65 (sequence 4)
Language
German
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gehenden . Beweggrund seinen Juden Ephraim anilero geschickt zu haben. Letzterer leget sich die Eigenschaft eines königL Preussisclion Finanzralh bey, arbeitet mit vielem Eifer und läßt sich in mehreren guten, besonders aber in denen preussiscli gesinnten Häusern zu Warschau sehen. Mir hat er keinen Besuch gegeben, vermutlich weil er aus seinem Incognito gegeii mich mehr Nuzen, als aus meiner Bekanntschaft zu ziehen glaubet. Gegen den Herrn Castellan von Karas hat er sich nicht herauslasseti wollen, sondern um eine private Unterredung mit dem König unter dem Vorwand angesucht, dass er Sr. May. Sachen von grosser Wichtigkeit vorzutragen hätte. Der König ließe ihm aber bedeuten, wie er kein grosser Financier wäre und ohne vorläufige Kenntniss und Vorbereitung seine Vorschläge nicht würde beantworten können, mithin es am besten wäre, dieselbe in einer schriftlichen Note aufzusetzen. Ob Ephraim sich zu Ueberreichung einer solchen Note bereits einverstanden habe oder was selbe enthalten möge, ist mir zur Zeit unbewusst, obschon der König mir bishero von allen Schritten des Juden Ephraim ziemlich genauen Unterricht hat geben lassen. Ungeacht aller seiner bisnunzu gegen Preussen bezeigten Abneigung dürfte es sich gleichwohl ereignen, dass der hiesige König sich die gar zu eifrige Begierde des Königs von Preussen in so weit zu Nuzen machen wolte, um seine Bedingnisse gleichsam zwischen zwey Käufern zu steigern. Die geringe ■Willfährigkeit des Königs sich zu denen preußischen Ab־ sichten herbeizulassen, mag glaublich die Ursache seyn, warum Herr Benoit gegen mich folgende Aeusserung getan“1. (G) In Betreff des Ephraim solle ich ferner unterthänigst anzeigen, dass derselbe vor einigen Tagen dreyzehn kleine Fässer wo nickt alle wenigstens zum Theil mit schlechtem Geld angefüllt in hiesige Hauptstadt einge־ schlichen habe2. Sobald die Krön Schatzkommission hievon Wind bekommen, hat sie zwey Mitglieder zu dem Ephraim abgeschickt, um ihn zu befragen, ob Geld mit sich gebracht und da er solches leugnete, woLten sie zu Besuchung seiner Wohnung. Ephraim aber hat sich mit seinen preussischen Husaren, die ihm zur Bedeckung mitgegeben worden, dagegen gesetzt, sich auf den Schutz des Preussischen Ministers berufen und das Geld zu demselben übertragen lassen. Jedermann ist über dieses Benehmen höchst aufgebracht und gleichwohl hat der König von Preussen• allhier eine Parthey und Freunde. Nr. 58. 6. 6. März 1773.!chiffriert) (C). Seit gestern heisst es, der Jud Ephraim sey aus Warschau abge׳ gangen, ohne etwas ausgerichtet zu haben. Ich weiss aber nicht, ob seine Abreise nicht etwa eine verstellte Sach sey, noch wohin er den Weg genommen. Alle seine Schritte beobachte ich, soviel als möglich, und werde seine weitere Spuhr mit gleicher Waclsamkeit nachsezen. Bishero kann ich die Urs ach seiner jähen Abreise, wenn sie wahr ist, annoch nicht leicht absehen. Nr. 59 7. 8. März 1773. (B) Ephraim hat Warschau nicht verlassen, wie solches fälschlich aus״ gestreut worden. Noch ganz leztlich hat mich der hiesige König versichert, 1 Preußen, wollte sich in Polen den Absatz seines Salzes sichern, damit hängt auch Ephraims Mission eng zusammen. Benoit wollte mit seiner Hilfe durch die Preußenpartei, an deren Spitze damals der Kastelan von Gostyn und der Bischof von Kujavien standen, beim Reichstag das dem Könige allein zu-;stehende Salzregale wegnehmen und es der Schatzkommission übertragen. In diesem Falle sollte dann an die Spitze dieser Kommission ein Preußerif re und .gesetzt werden. Auf diese Weise sollte dann der preußische König seine Ziele durchführen können. 1 2 Ueber Verbreitung falscher Münzen, speziell Tympfen, die Ephraim im Aufträge Preußens in Schlesien fabrizierte, s. 1) T. Czäcki 0 prawach poiskich 1. S. 171, ferner 2) Berl Bolechowers Memoiren hgb. von Dr. M. Wischnitzer hebr. Ausgabe ,S. 77, 3) Pami^tniki St. Aug. Poniatowkiego Dresden 1879 S. 246, 4) B. V. Ephraim: Ueber meine Verhaftung, Berlin 1807, S. 96. 71. Jahrgang, 0

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