Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Berichte des österreichischen Gesandten über Ephraims Wirtschaftsverhandlungen mit Polen im Jahre 1773
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 3)
- Language
- German
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64 3. Nr. 51 14.׳ Februar 1773. (G.) Der junge Ephraim ist wirklich hier angelanget und hat mir II. Benoit selbst hievon Nachricht gegeben, ohne aber von dem annoch unbewussten Gegenstand seiner Anherreise etwas zu melden. Da der König erfahren, dass ich hierüber einige Kundschaft von dem H. Abbö Ghigiotti einzuziehen gesucht, hat er mich durch lezteren versichern lassen, wie Sr. Majestät von denen Absichten oder Aufträgen dieses Juden nicht die geringste Wissenschaft hätten, und nur es, alsogleich zu wissen thun würden, falls derselbe einige Vorschläge an den König bringen dörfte. Wie aber der hiesige König vermutet, so möchte die Beschickung des Ephraim schwerlich dahin angesehen seyn, um mit ihm^in eine Unterhaltung zu tretten, indem denn König von Preußen wohl bewusst seye, wie wenig ersterer geneigt wäre, sich in was immer mit ihm einzulassen, sondern vielmehr die Absicht mit sich führe, durch Gewinnung gewisser Anhänger die polnische Nation zur Annehmung einiger dem Preussischen Kommerz und Finanzen vorträglichen Traktaten, einzuleiten, obwohlen war der grösste Theil der Pohlen den König von Preussen eben so sehr hasset, als fürchtet, so mag es ihm doch nicht allerdings so schwer seyn, durch Versprechungen und Austheilungen mehrere in sein Interesse einzu־ ziehen, besonders da der Eigennuz diese Nation so sehr beherrschet. Dabey ist ferners zu erwägen, dass die reichesten hiesigen Wechselherren, als Tepper und Blanc, Protestanten und preussische Unterthanen sind, und der König sich ihrer zu solchen Einrichtungen bedienet, wie dann auch sonst gedachten König bey derley Gelegenheiten, wenn ein reiner Gewinn vorzusehen ist, es ebenfalls an Geldverwendungen nicht gebrechen lässt. Man will mich anderer Seits versichern, der König von Preußen sey bereit, große Summen und wo es vonnÖthen, wohl gar eine Million Reichsthaler zur Erlangung des Salz Monopols in ganz Pohlen aufzuopfern. Nr. 52 4. 17. Februar 1773. (chiffriert) Für heute habe ich nur allein anzuzeigen, da der Berliner Jud Ephraim sich bey dem H. Kastellan Karas, der ein Vertrauter des Königs ist, und die ganze königliche Wirtschaft führt, gestern eingefunden, aber annoch nicht den geringsten Anwurf gemacht hat. H. Abbe Ghigiotti theilt mir hiervon in einem billet Nachricht, und verspricht mit Einwilligung des Königs, mich von allen, weiteren Schritten und Projekten dieses preussischen Emmissarii zu verständigen, um mir zu beweisen, dass der König nichts mit ihm zu'tun haben will. Obschon in der That der hiesige König sehr wenig Lust zeigt einigen Propositionen von Seiten eines Preussischen Unterthans gehör zu geben, so hangen doch die Gommerzien-Tractaten nicht von ibm allein, sondern auch von der versammelten Nation ab, und dürfte also der König von Preussen durch eine geschickte Einleitung und durch Gewinnung derjenigen, die ihm hierzu beförderlich seyn können, mit beyhilfe der ihm ohnehin schon ergebenen Parthey sich vielleicht auch ohne die Einstimmung des Königs von Pöhlen die, Einrichtung einiger ihm verträglicher, allen andern aber schädlicher Tractaten mit der Republik bey dem künftigen Reichstage zu erlangen, Mittel finden. Es ist auch garnicht zu zweifeln, dass er unter anderen alles mögliche anwenden werde, um sich den Verkauf seines Salzes in Pohlen mittels Anbiethung scheinbaren Vortheils zu verschaffen, welche er nach der Hand leicht zu vereiteln wissen wird1. 5. Nr. 55 24. Februar 1773 (B) Von der Wichtigkeit dieses Gegenstandes scheinet der König von Preussen genugsam überzeugt zu seyn und hauptsächlich aus einem dahin 1 Ueber Ephraims Aufenthalt in Warschau meldet der damalige päpstliche ■Nuntius nach Rom in seinem chiffrierten Berichte aus Warschau da. 17. Februar 1773 folgendes: ״E anche arrivato l’ebreo Efraim che ö il Principal ministro di finanze, e intimo nella confidenza,. del sovrano di Prussia, e credesi che venga a proporre dei piain di comercio fra ia Polonio e la nuova Prussia“ (Aug. Theiner : Vetera Monumenta Poloniae et Lithuaniae Bd. IV. S. 518.)