Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Berichte des österreichischen Gesandten über Ephraims Wirtschaftsverhandlungen mit Polen im Jahre 1773
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829943-2829945-2848909--47370-2849002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
63 Zöllen sowohl den Import, als auch den Export der polnischen Produkte von Preußen abhängig machen. Durch den Abschluß eines entsprechenden Handelsvertrages glaubte er die Ziele seiner Wirtschaftspolitik durchsetzen zu können. Zur Einleitung der entsprechenden Verhandlungen entsandte der König seinen Vertrauensmann für Finanzangelegenheiten, den Berliner Schutzjuden Ephraim im Februar 1773 nach Warschau, um dort die entsprechenden Vorverhandlungen einzuleiten und mit den Regierungskreisen in entsprechende Fühlungnahme zu treten. Der eigentliche Vertrauensmann für Finanzangelegenheiten des preußischen Königs war der alte Ephraim1, da er jedoch schon ganz lahm war, wurde mit dieser Mission sein Sohn der junge Ephraim betraut. In der Tat langte auch der junge Ephraim am 14. Februar 1773 in Warschau an, wo er die entsprechenden geheimen Vorverhandlungen ein-־ leitete. Nachstehend veröffentlichen wir die Berichte des österreichischen Gesandten in Warschau Baron Rewitzky2 * * * * * an den damaligen Kanzler Kaunitz über die Verhandlungen Ephraims: 1. Baron Rewitzky an Kaunitz. Nr. 48 Warschau, 6. Februar 1 3ל ל. (chiffriert) ,,Es will verlauten, als ob der Preussisehe Schutz־Jud Ephraim aus Berlin allhier angekommen seye, um mit dem Könige von Pohlen über verschiedene Zweige des Commercii eine Unterhandlung anzustimmen, und sonst in Rücksicht seiner Finanzen einige Vorschlags־Gontracts auf das Tapet zu bringen. Es müsste dies der junge Ephraim, ein Sohn des bekannten königl. Preussischen Financier seyn, indem der Vater schon ganz lahm ist. Bishero habe ich noch nicht erfahren können, ob seine Ankunft wahr sey, hierüber aber, sowohl seinen Auftrag solle ich ferners genau nachforschen. H. Benoil8 sagt zwar, dass er von seinerAnkunft nichts wisse, jedoch scheint mir aus seiner Rede als ob er ihn erwartete. 2. Nr. 49 Warschau, 10. Februar 1773. (G.) Die baldige Anherkunft des Solms des Juden Ephraim mit einigen Aufträgen ist ausser Zweifel, und wird solches von dem Preussischen Minister selbst nicht in Abrede gestellt. Die hierüber ferner einzuziehende Auskunft werde ich Euer fürstlichen Gnaden unverweilt untertänigst einzuberichten keineswegs entstehen. 1 Der alte Ephraim ist durch die Förderung der preußischen Münzpolitik bekannt. Mit ihm schloß Friedrich der II. im J. 1754 einen Münzvertrag auf Ausprägung der im Lande gangbaren Münzen (s. L. Geiger Geschichte der Juden in Berlin II, S. 140—142). In diesem Falle dürfte es sich vielleicht um seinen Sohn Veitei Ephraim handeln, der speziell in den 80 er und 90er Jahren in der preußischen Finanz Wirtschaft eine bedeutende Rolle spielte. Er wurde als Münzentrepeneur für seine dem Staate geleisteten ersprießlichen Dienste ,,zu allen christlichen Rechten qualifiziert“ (Berliner Staatsarchiv, acta des Gabinets Friedrich Wilhelm II. Judensachen Rep. 96. 226. e. a. 1786—95). Der junge Ephraim führte seine Hauptgeschäfte mit Daniel Itzig und dem Berliner Bankier Natan Lipmann, der im Jahre 1791 allein einen geschäftliehen Umsatz von 14 000 000 preußischer Taler gemacht hatte. a Wiener Staatsarchiv: Berichte aus Warschau e. a. 1773. * Der damalige preußische Gesandte in Warschau.