Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1927)
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829943-2829945-2848908--47365-2848999- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
60 im Menschen gab Gott den Israeliten die Thora. Wie aber der Mensch eine seine Kraft überragende Last durch Räderwerk und Gewicht emporheben kann, so ist die Thora die beste Vorrichtung gegen die Macht der Leidenschaft. Ebenso aber, wie die Hebewerke durch ihr anhaltendes Wirken allmählich clie Lasten besiegen, so verleiht die emsige Uebung der 613 Gebote dem Menschen die nötige Heldenkraft, seinen bösen Trieb zu unterwerfen und ihn dem Guten Trieb untertan zu machen. Vor allem ist dies der Hauptzweck der jüdischen Festtage. Das Neujahresfest ist der Gedenktag für all unser Tun im verflossenen Jahre. Die nachfolgenden Bußtage sollen der reuevollen Betrachtung der einzelnen Sünden gewidmet sein. Endlich sind die Trauer- und Sühnetage zu Ende, die Freudentage des Sukkotfestes sind da. Nun sieht der Mensch frisch gestärkt einem neuen Jahre entgegen und hofft für die מלהמח מצ1ה (gebotener Streik) neue Kriegslisten zu ersinnen. So übet er es Jahr für Jahr, wie aber der gewiegte, kluge Heerführer jede Erdhöhlung, jeden Felsvorsprung, Regen, Schnee und Wind für seine Zwecke auszunützen weiß, so kann der Fromme jede מצוה, jedes Gebet, jeden grade erworbenen לימוד (Lehrabschnitt) als passende Waffen gebrauchen. Nach jahrelanger Uebung können dann die Neumondstage zur Sühne, Betrachtung, und Besserung der letztmonatlichen Erlebnisse und Taten eingerichtet werden. Für den kürzeren Zeitraum von 4 Wochen reicht für Betrachtung und Besserung ein Tag hin. Dann gewöhne er sich an jedem Samstag die einzelnen Wochentage nach seelischem Gewinn und Verlust zu übersehen. Dann tue er das jeden Abend beim Aufsuchen seines Lagers für den verflossenen Tag. Ist es ihm nun gelungen Tag für Tag, Monat für Monat, kleine Erfahrungen zu sammeln, so mache er daraus eine Hauptregel des gottesfürchtigen Handelns für einen ganzen Monat, für ein ganzes Jahr. Endlich hat er nach jahrelanger Uebung sich ein erhabenes System des Handelns er- \vorben, über das er schließlich zu praktischen, moralischen Zwecken, nach einzelnen Paragraphen und Abschnitten, nach freiem Ermessen verfügen kann. Dann ordnet er sich am Neujahre seine sämtlichen Angelegenheiten für ein ganzes Jahr, mit Unterabteilungen für einen jeden Monat. Dann ordnet er sich für jede Woche, jeden Tag, ja jede Stunde kurze feste Zeichen an, ku?ze Kommandos für zweckmäßiges Handeln, über welches er sich allabendlich rückschauend Bericht erstattet. Hervorgehoben muß hiernach, werden, daß der Schüler, an welchen der Brief gerichtet ist, erst 11 Jahre alt war. Der Brief sollte ihm ein Angebinde sein für den Barmizwatag von seinem Lehrer. Da aber Levin nicht weiß, "ob er seinen 70. Geburtstag erleben wird, übersendet er ihm den Brief zwei Jahre früher. Levin lobt an dem jungen Bürschiein: תם דרך היית מעודך במשוכות בנים שובבים אשר בגילך מאסת, שיחת הילדים בלהג הרבה שנאת, עצור במילין היית, לא שקרת ולא נשבעת, לא לצת ולא קללת ... שיחת להוריך’ היית וששון למורך, בי אמנם מעודך קשובות היו אוניך ללמוד מכל אדם חכמה ומוסר בבל עת ועונה אף כי מפי מלמדיך אשרי יולדתיך! אשרי אביך! Also das Ideal unseres Haskalaapostels ist ein bleiches ausgemergeltes Bürschlein, welches die Gesellschaft seiner Altersgenossen meidet, jedem jugendlichen Unfug sich fernhält, und nur lernt., von jedermann